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Ein Weg für Helmut Lohner: Diese Promis haben bereits eine eigene Gasse

In Wien gibt es rund 7.000 Verkehrsflächen, von denen mehr als 4.000 auf – meist prominente – Personen bezogen sind. Am Sonntag erhält wieder ein Publikumsliebling einen nach ihm benannten Weg.
Helmut- Lohner-Weg im 19 Bezirk

Jahrelang spazierte Helmut Lohner jeden Tag durch Grinzing und passierte dabei den Rosenweg, sein liebstes Gasserl in den Weinbergen. Ab morgen – elf Jahre nach seinem Tod – wird diese Verkehrsfläche offiziell seinen Namen tragen.

Helmuth Lohner

Rund 40 Straßen, Gassen und Plätze werden von der Stadt Wien alljährlich um- oder neu benannt, viele erhalten die Namen prominenter Persönlichkeiten. So sollen Legenden wie Romy Schneider, Peter Alexander oder Hugo Portisch auch im Wiener Stadtbild nicht in Vergessenheit geraten.

Wie aber kriegt ein Prominenter seine Gasse?

Vor allem muss er tot sein und das seit mindestens einem Jahr, nach Lebenden werden keine Verkehrswege benannt. Die Person muss sich besondere Verdienste erworben haben, und jemand muss die Benennung im jeweiligen Bezirksamt beantragen. Nach genauer Prüfung durch das Kulturamt (MA 7) kann eine Benennung vorgenommen werden.

Ideal ist’s, wenn die Adresse einen Bezug zur Wohn- oder Wirkungsstätte der zu ehrenden Persönlichkeit hat:

Bruno Kreisky trägt eine Brille, ein gemustertes Sakko sowie eine Krawatte und blickt ernst in die Kamera.

Die Hugo-Portisch-Gasse ist am Küniglberg, von wo aus die Journalistenlegende via ORF jahrelang Politik und Zeitgeschichte kommentiert hat.

  • Der Herbert-von-Karajan-Platz liegt vor der Staatsoper.

  • Der Josef-Meinrad-Platz vor dem Burgtheater.

  • Die Bruno-Kreisky-Gasse ist neben dem Kanzleramt.

  • Die Alois-Mock-Gasse befindet sich nahe der Wohnadresse des Vizekanzlers in Döbling.

Es sollen aber vor allem Verkehrsflächen benannt werden, die durch die Stadterweiterung – etwa in der Seestadt Aspern – neu geschaffen werden. Weil man die Anrainer existierender Gassen verärgern würde, die ihre Adressen, das Briefpapier, die Visitkarten etc. ändern müssten.

Hier Beispiele für prominente Verkehrsflächen in neu errichteten Stadtteilen:

  • Die Helmut-Qualtinger-Gasse (im 3. Bezirk).

  • Die Karl-Merkatz-Gasse (in Wien-Favoriten).

  • Die Marcel-Prawy-Promenade (im 22. Bezirk).

In Liesing wurde 2000 ein „Schauspielerinnenviertel“ geschaffen, in dem u. a. die Romy-Schneider-Gasse, der Elisabeth-Bergner-Weg, die Marisa-Mell-Gasse liegen.

Ein blaues Straßenschild mit weißer Schrift zeigt den Namen „23., Romy-Schneider-Gasse“.

Hin und wieder finden sich in bestehenden Stadtvierteln geeignete, unbewohnte Plätze:

  • Der Helmut-Zilk-Platz liegt an dem von Zilk initiierten Hrdlicka-Mahnmal (1. Bezirk).

Der Paula-Wessely-Weg liegt hinter der von ihr bewohnten Villa. Nach Oskar Werner heißt ein Platz im 6. Bezirk, in dem er aufgewachsen ist. Das KURIER-Medienhaus befindet sich am Leopold-Ungar-Platz im 19. Bezirk, da der legendäre Caritas-Chef lange für den KURIER die Kolumne „Über Gott und die Welt“ schrieb.

Mitunter sorgen Um- und Neubenennungen für Aufregung. Die größte gab es 2012 durch die Umbenennung des Dr. Karl-Lueger-Rings in Universitätsring. „Es war der Wunsch der Universität Wien, diesen Abschnitt der Ringstraße umzubenennen“, sagt der Wiener SPÖ-Gemeinderat Georg Niedermühlbichler, der sich mit dem Thema Verkehrsflächenbenennungen befasst. Der Grund: „Lueger gilt als Begründer des modernen Antisemitismus.“ Dem Wunsch wurde entsprochen, obwohl viele Bürger anführten, dass Lueger als Wiener Bürgermeister ein wichtiger Erneuerer der Stadt gewesen sei. Die Forderung, den Dr.-Karl-Renner-Ring umzubenennen, weil der spätere Bundespräsident 1938 für den „Anschluss“ an Hitler-Deutschland stimmte, wurde hingegen nicht umgesetzt.

Benennungen werden nicht durchgeführt, wenn die Person Mitglied einer NS-Organisation war oder durch antisemitische Äußerungen auffiel wie etwa die mit zwei Juden (Gustav Mahler und Franz Werfel) verheiratete „Muse“ Alma Mahler-Werfel. Der Antrag, ihr eine Gasse zu widmen, wurde abgelehnt.

Manchmal findet sich eine „österreichische Lösung“: Der Schlesingerplatz in Wien-Josefstadt wurde 1901 nach dem antisemitischen Mathematikprofessor Josef Schlesinger benannt. 2006 erhielt der Platz eine Umwidmung: Sein Name leitet sich jetzt von der Frauenrechtlerin Therese Schlesinger ab. Er heißt aber genauso wie vorher: Schlesingerplatz.

Die ersten urkundlich erwähnten Straßennamen gab es – um den Bürgern die Orientierung zu erleichtern – im 13. Jahrhundert. Damals waren Namen wie Am Steig, An der Hülben oder Graben üblich. Auf Personen bezogene Namen setzten sich erst im 19. Jahrhundert durch. Dann aber radikal: Aktuell gibt es laut Peter Autengrubers Lexikon der Wiener Straßennamen 6.907 Straßen, Gassen, Plätze und Wege, von denen 4.563 nach Personen benannt sind.

Politische Regime haben Straßennamen immer für ihre Zwecke benützt: Im Ständestaat gab‘s mehrere Dollfuß-Plätze, die Nationalsozialisten hatten ihren Hitler-Platz und die sowjetischen Besatzer machten aus dem Schwarzenberg- den Stalinplatz. Alldas wurde in der Zweiten Republik rückgängig gemacht.

Zurück zum Lohner-Weg. Beantragt hat die Benennung der in der Nachbarschaft wohnende Jurist Franz Luger, der dem Schauspieler oft bei Spaziergängen begegnet ist und mit ihm ins Gespräch kam. Dabei schwärmte Lohner von der Atmosphäre des Rosenwegs. Das nahm Luger zum Anlass, die Benennung vorzuschlagen. Und so heißt ein Teil des Rosenwegs ab morgen Helmut-Lohner-Weg.

Weil er keine Frau ist

Übrigens: Während die meisten Benennungen einstimmig beschlossen werden, stimmten die Grünen in der Bezirksvertretung gegen den Helmut-Lohner-Weg. Mit der Begründung: Weil er keine Frau ist!

Der Hintergrund: Nur 569 der 4.563 Personen, die in Wien „eine Straße haben“, sind Frauen. Die Stadt versucht seit Jahren das Missverhältnis zu korrigieren: Zuletzt erhielten mehr als doppelt so viele Frauen als Männer eine Verkehrsfläche. Da geht sich der Lohner schon noch aus!

„Mein Mann“, sagt seine Witwe Elisabeth Gürtler, „hätte sich darüber sehr gefreut“.

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