© ORF

Chronik Geschichten mit Geschichte
11/18/2020

Aus den Anfangstagen des „Mundl“ Sackbauer

Georg Markus erinnert sich an frühe Begegnungen mit dem Schauspieler, der vor kurzem 90 Jahre wurde.

von Georg Markus

Das aktuelle KURIER-Interview zum 90. Geburtstag von Karl Merkatz hat vorige Woche mein Kollege Dieter Chmelar geführt. Ich hingegen kann von einem Treffen berichten, das ich zu einer Zeit mit Merkatz hatte, als er noch so gut wie unbekannt war.

Am 8. Juni 1975 lief die erste Folge der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ im österreichischen Fernsehen. Kurze Zeit spätere traf ich Merkatz zum Interview. Niemand konnte damals ahnen, dass die Serie einmal ein Klassiker und Karl Merkatz ein Volksschauspieler sein würde. Als ich ihn damals, vor 45 Jahren, zum ersten Mal traf, war er gerade 45 Jahre alt.

„Ich bin ganz anders“

„Meine Mutter geniert sich ein bissl für mich“, erzählte Karl Merkatz damals, „weil so wie im Fernsehen bin ich nämlich nicht. Ich bin ganz anders, wahrscheinlich das genaue Gegenteil.“ Der Schauspieler war 20 Jahre in Deutschland aufgetreten, zuletzt am Hamburger Thalia-Theater unter der Direktion von Boy Gobert. „Aber das Wienerische hab i dort net verlernt.“

Das allerdings sollte bald ganz Österreich erfahren, denn mit dem mangelnden Bekanntheitsgrad war’s nach wenigen „Mundl“-Folgen vorbei: Als ich später einmal mit Karl Merkatz über die Mariahilfer Straße ging, gab’s einen Stau. Fremde Leute reichten ihm die Hände und sagten „Servas, Mundl!“ Dass er Merkatz heißt, wussten die wenigsten.

„Von jetzt an will ich mich nicht mehr an ein Theater binden“, sagte er bei unserer ersten Begegnung, „sondern als freier Schauspieler tätig sein“, ahnte er den bald auf ihn zukommenden „Mundl“-Triumph voraus.

Der „Mundl“ entzweite die Nation von der ersten Folge an. Die einen liebten den ungehobelten „Proleten“, der seinen Sohn „Nudlaug“ nannte, die anderen verteufelten ihn ob seiner nicht wirklich feinen Art, familiären Zwist auszutragen, sich zu kleiden oder Bierflaschen zu öffnen. Jedenfalls liefen die Servicetelefone im ORF-Zentrum nach jeder Folge heiß, wobei die Beschwerdeführer in ihrer Ausdrucksweise oft noch weniger nobel waren als der „Mundl“ selbst.

Mundl und der Kardinal

Erhaben über derlei Konflikte zeigte sich Kardinal Franz König, der sich zum „Mundl“ bekannte, wie Ernst Hinterberger, der Erfinder der Fernsehserie, in seinen Memoiren schreibt: „Am Höhepunkt des Streites griff Kardinal König ein und meinte, der ,Mundl’ sei zwar kein feiner, dafür aber ein sittlich einwandfreier Mann, weil er in der ganzen Serie nie, auch in Gedanken nicht, seine Frau betrügt, sondern als zwar lauter und unbeherrschter, aber treu sorgender Familienvater dargestellt wird.“

An der Passage in den Hinterbergerschen Memoiren erstaunt weniger, auf welcher Seite der Kardinal in der brisanten „Mundl-Causa“ stand, als die Tatsache, dass er überhaupt zu den Konsumenten der Familiensaga zählte.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.