Karl Merkatz

Charakterkopf Karl Merkatz - der Schauspieler wird am 17. November 90

 

© Kurier / Jeff Mangione

Stars Austropromis
11/13/2020

Karl Merkatz wird 90: Der Schauspieler hatte im Sommer Corona

Ein echter Wiener Neustädter geht nicht unter: Baby im Backrohr, Bub im Bombenhagel und Uropa mit Covid.

von Dieter Chmelar

Als ihn seine Mutter ins Krankenhaus brachte, wog der Arzt den Neugeborenen nur kurz in Händen und befand: „Nehmen S’ den Pamperletsch wieder mit, gnä’ Frau, aus dem wird nix.“ Die Mutter freilich heizte daheim den Ofen ein und steckte den winzigen Kerl, in dicke Decken gehüllt, ins Backrohr. „Da lag ich etliche Male drin“, erzählt Karl Merkatz, „bis ich warm wurde und das geworden bin, was ich heute bin.“

Demnächst 90 nämlich – exakt am kommenden Dienstag, dem 17. November. Wie’s ihm dabei geht? „Ich hab’ keine Probleme. Der Geburtstag ist ein Tag wie jeder andere – ich bin an einem Tag zur Welt gekommen und an einem ander’n geh ich wieder.“

Der gebürtige Wiener Neustädter, der als Charakterdarsteller – Mundl, Freud, Tevje, Bockerer, Spritzenkarli – auf eine bemerkenswerte Karriere in TV-Serien, Filmen und auf Bühnen (Hamburg, Nürnberg, München, Köln und Wien) zurückblickt, wird seinen Ehrentag daheim in Straßwalchen begehen. „Ganz ruhig, nur im engsten Familienkreis.“

Merkatz, heuer schon seit 63 Jahren mit Martha verheiratet, hat zwei Töchter, „dazu ein paar Enkerln und bereits Urenkerln – fragen Sie mich nicht, wie viele, ich hab’ da a bissl den Überblick verloren“. Zum 90er wird es, wie Produzent und enger Merkatz-Intimus Norbert Blecha (70) verrät, eine Videokonferenz mit Freunden und Wegbegleitern geben: „Da machen dann alle ein besonderes Flascherl Rotwein auf und wünschen sich, dass er 100 wird.“

Das Leben des Jubilars ist tatsächlich filmreif: „Ein echter Wiener Neustädter geht nicht unter“. Als der achtjährige Merkatz erlebte, wie die Synagoge von der SA abgefackelt wurde, stand er in der Menge, als der Davidstern zu Boden krachte und die Schaulustigen beinahe erschlug.

Als Zwölfjähriger rannte er mit seinem Jugendfreund Rudi zur Kirche, deren Katakomben zum Luftschutzkeller geworden waren. Bombenalarm über der Stadt der Nazi-Flugzeugwerke. Die beiden wurden abgewiesen: „Zu voll!“ Sie fanden Zuflucht im „Apollo“-Kino gegenüber. Als sie herauskamen, war die Kirche zerstört und Dutzende im Peterskeller hilf- und rettungslos verschüttet: „Heute steht dort eine Gedenkstätte.“

Als der bereits längst über die Grenzen des Landes hinaus renommierte Künstler diesen Sommer in einem Film mitwirken sollte („Es wär’ mein letzter geworden – die Schauspielerei ist jetzt ein abgeschlossenes Kapitel“), wurde er vor Drehstart des später sowieso abgesagten Projekts positiv auf Covid getestet: „Man hat mich in Quarantäne geschickt. 14 Tage daheim. Also eh wie sonst auch immer. Ich tischlere (am liebsten mit Ahorn) für unser Haus nahe dem Irrsee und ich schreibe am Laptop an einem Buch. Nach zwei Wochen mit ein bissl Husten und Schnupfen haben s’ mich wieder getestet – negativ!“

Und was ist der Sinn des Lebens, Herr Merkatz? Mit 90 muss man das doch erahnen?

„Schauen Sie“, schmunzelt er ein wenig listig, „wenn mir das Essen nicht schmeckt, sag ich nix. Dann ist meine Frau zufrieden. Dafür trink’ ich danach ein Glas Rotwein, dann bin ich zufrieden. Und dazu rauch ich a Zigaretterl, dann bin ich sehr zufrieden. Und dann leg’ ich mir eine Tschaikowsky-Platte auf, dann bin ich restlos zufrieden. Und was sagt uns das? Der Sinn des Lebens ist – Zufriedenheit.“

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