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Geschichten mit Geschichte
01/28/2020

Anton Schmid, der österreichische „Oskar Schindler“

Georg Markus über jenen Mann, der 300 Juden vor dem Tod rettete.

von Georg Markus

Er war nur ein kleiner Feldwebel aus Wien. Doch er bewies in der Zeit des industrialisierten Massenmords eine tiefe Menschlichkeit. Anton Schmid rettete mehr als 300 Juden vor dem sicheren Tod und bezahlte seinen Heldenmut mit dem Leben. Am Montag wurde die Wiener Rossauerkaserne in „Bernardis-Schmid-Kaserne“ umbenannt.

Robert Bernardis war als österreichischer Offizier am Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Er und Schmid wurden von den Nazis hingerichtet.

Seine Bestimmung

Anton Schmid wurde 1900 als Sohn eines Bäckers in Wien geboren und eröffnete 1928 ein kleines Radiogeschäft. Im Krieg landete er in der vom Deutschen Reich besetzten litauischen Stadt Vilnius (Wilna), wo er sah, dass in einem nahen Waldstück täglich Hunderte, oft Tausende Juden erschossen wurden. Er wollte nicht tatenlos zuzusehen und fand so zu seiner Bestimmung.

Der erste von dem Feldwebel gerettete Jude war ein von der Liquidierung bedrohter Pole namens Max Sallinger, der Schmid um Hilfe gebeten hatte. Der verschaffte Sallinger eine neue Identität: Er gab ihm das Soldbuch des gefallenen Soldaten Max Huppert, steckte ihn in eine Wehrmachtsuniform und beschäftigte Sallinger in seiner Schreibstube.In Wilna lebten beim Einmarsch der Deutschen rund 60.000 Juden.

Diejenigen unter ihnen, die man für „kriegswichtige Arbeit“ benötigte, wurden in ein Getto gesperrt, alle anderen erschossen. Hauptverantwortlich für die Massentötungen war der als „Schlächter von Wilna“ berüchtigte steirische SS-Mann Franz Murer.

Schmid stellte falsche Arbeitsbescheinigungen für Hunderte jüdische Gefangene aus, die so dem Tod entkamen. Er transportierte auch Juden mit gefälschten Marschbefehlen aus dem Wilnaer Getto in das damals sichere Weißrussland.

„Er war ein Mensch“

Eine Schilderung seiner Hilfsbereitschaft hinterließen die Wienerin Anita und ihr Mann Hermann Adler. Schmid versteckte das Paar 1941 in seiner Dienstwohnung, um ihm den Tod zu ersparen. Hermann Adler sagte über Schmid: „Er war kein Held, er war ein Mensch.“

Als die Feldpolizei im Jänner 1942 dahinterkam, dass Schmid Juden mit Lastautos der Wehrmacht aus dem Getto befreite, wurde er wegen Hochverrats angeklagt und am 13. April 1942 hingerichtet.Schmid hat sich ähnlich verhalten wie Oskar Schindler, der in seiner Emailwarenfabrik bei Krakau 1200 jüdische Zwangsarbeiter rettete. Doch während Schindler durch den Spielberg-Film „Schindlers Liste“ weltberühmt wurde, war Schmid bisher weitgehend vergessen. „Ich habe ja“, schrieb er im Abschiedsbrief an seine Frau, „nur Menschen gerettet“.

 

Jetzt wurde immerhin eine Kaserne nach ihm benannt.

TV-Tipp:
Anton Schmid - Der gute Mensch von Wilna, heute Mittwoch, 22.30 Uhr auf ORF 2


 

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