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© /Vier Pfoten

Tierschmuggel
10/28/2016

Das Geschäft mit den Welpen boomt

Illegaler Transport mit 47 Hunden in Nickelsdorf gestoppt. Österreich ist Transit- und Absatzland.

von Theresa Gsellmann

Sie waren zusammengepfercht auf engstem Raum, ohne Wasser und Futter. 47 vier- bis sechswöchige Hundewelpen wurden am Mittwoch an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Nickelsdorf von Grenzern aus den Fängen eines 33-jährigen rumänischen Welpenhändlers befreit. "Die Tiere dürfen erst ab acht Wochen von der Mutter getrennt werden, davor ist es Tierquälerei", erklärt Amtstierarzt Peter Karall, der die 47 Hunde beschlagnahmt und dem Tierschutzhaus übergeben hat.

Der Pkw des angeblichen Züchters war bis obenhin mit Transportboxen vollgestopft. Etliche Hunde – darunter französische Bulldoggen, Pekinesen und Malteser waren im Kofferraum verstaut. Das Zielland der tierischen Fracht war Frankreich. "Dort wollte der Schmuggler Hunde, die er irgendwo bei einem Bauern um 40 Euro gekauft hat, um 800 bis 1000 Euro pro Tier verkaufen", schildert Karall, der die Vorgehensweise der Tiermafia kennt. Der Rumäne hatte mutmaßlich gefälschte EU-Tier-Reisepässe vorgewiesen, er wurde angezeigt.

Die haarsträubenden Praktiken der osteuropäischen Tiermafia sind bekannt: Welpen werden unter erbärmlichen Umständen gezüchtet und in modrigen Verschlägen in Hinterhöfen gehalten. Als Futter dient oft vergammeltes Fleisch.

Falls die Hunde ihre ersten Lebenswochen überstehen, werden sie aus den osteuropäischen Zuchtfabriken in den Westen gebracht und dort für gutes Geld verkauft. Trotz dieser grauenhaften Vorgehensweise liegen junge Hunde aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei auch bei heimischen Tierhaltern im Trend.

Wie hoch die Zahl der Hundewelpen ist, die jährlich durch Österreich nach Westeuropa geschmuggelt werden, ist nicht bekannt. Im Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich wurden vom Zoll heuer 27 Welpen sichergestellt. Österreich dient aber nicht nur als Transitland: Das Geschäft boomt auch hierzulande, besonders in der Vorweihnachtszeit. "Jährlich werden rund 200.000 Hunde illegal nach Österreich gebracht", weiß der Geschäftsführer des Burgenländischen Tierschutzhauses, Wolfgang Böck. Eine direkte Konkurrenz für heimische Züchter seien die Hunde aus dem Osten nicht.

Allerdings können sie sich zum ernst zu nehmenden Problem für ihre zukünftigen Besitzer entwickeln. Die Organisation "Vier Pfoten" verzeichnete auf der Webseite www.stoppuppytraders.org heuer 245 Meldungen von Tierhaltern, die ihre Hunde aus Osteuropa gekauft haben. "15 davon sind nach kurzer Zeit gestorben, 82 Tiere sind krank", warnt Vier- Pfoten-Managerin Indra Kley.

Aggressiv

Abgesehen vom Gesundheitszustand ist auch die Sozialisierung der Hunde wichtig. In den ersten Wochen erlernen sie Grundlegendes von ihrer Mutter. "Wenn es zu früh wegkommt, kann das Tier für immer zu einem Problemfall werden, weil es verhaltensauffällig oder aggressiv ist", schildert Böck. Er und seine Mitarbeiter kümmern sich in den kommenden acht Wochen um die Findelwelpen aus Rumänien. "Ihr Zustand ist nicht so schlecht, wir werden Untersuchungen und eine Notimpfung durchführen", erläutert Böck. Wenn sie durchkommen, werden neue Besitzer gesucht.

Für die Hundemafia ist es kein großer Verlust, wenn ein Transporter aus dem Verkehr gezogen wird. "Sie fahren zurück, holen den nächsten und ändern ihre Routen", weiß Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (siehe Zusatzbericht rechts). Die Mafiosi haben meist leichtes Spiel. Wenn sie aus einem Tollwut-freien EU-Land einreisen und gültige Pässe vorweisen können, muss sie die Polizei weiterfahren lassen. Nur wenn die Tiere in einem schlechtem Zustand sind, können sie beschlagnahmt werden.

Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins, über den illegalen Handel mit Tieren.

KURIER: Sind wegen des Weihnachtsgeschäfts momentan mehr illegale Hundetransporte unterwegs?Petrovic: Es gibt durchaus eine Häufung wegen des kommenden Weihnachtsgeschäfts. Es muss allerdings gesagt werden, dass die geschnappten Transporte nur die Spitze des Eisbergs sind. Nur etwa ein Prozent der Schmuggler wird gefasst.

Gibt es neue Schmuggelrouten?

Die Mafiosi suchen immer neue Grenzübergänge. Wenn sie einmal wo aufgehalten worden sind, schlagen sie das nächste Mal eine neue Route ein.

Welche Rassen sind besonders beliebt im Moment?

Chihuahua, Jack Russell Terrier, Yorkshire Terrier und Malteser zählen zu den Moderassen. Sie werden mit Vitaminen und Antibiotika vollgestopft, damit sie bei der Übergabe aufgeweckte Hunde sind. Ein paar Tage später liegen sie flach und der Kampf ums Überleben beginnt.

Wie können illegale Transporte gestoppt werden?

Man darf keine Tiere im Internet kaufen. Ich rate, immer ins Tierschutzhaus zu gehen oder direkt zum Züchter zu fahren, damit man sich die Tiere und ihr Umfeld vor Ort ansehen kann. Außerdem sollten Lebendtransporte verpflichtend gekennzeichnet werden.

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