© Höttinger

Rettungshund
09/28/2019

Wie ein Duo aus Deutschkreutz Geschichte schrieb

Johann Höttinger und sein Finn belegten bei der Rettungshunde-WM in Paris den 2. Platz

von Claudia Koglbauer-Schöll

„Es war ein Wechselbad der Gefühle. Tage zwischen Hoffen und Bangen.“ Johann Höttinger ist noch immer bewegt von dem, was er und sein Vierbeiner Finn dieser Tage in der französischen Hauptstadt erlebt haben.

Der Deutschkreutzer wurde mit 282 Punkten Vizeweltmeister bei der Rettungshunde-Weltmeisterschaft. Alexandra Ott aus Deutschland hatte lediglich fünf Punkte mehr.

Auch wenn der Weltmeistertitel zum Greifen nahe lag: „Ich in besonders stolz auf die 200 Punkte, die Finn und ich für unsere Sucharbeit erhalten haben“, zeigt sich Höttinger überwältigt. Es ist das erste Mal in der 25-jährigen WM-Geschichte, dass die Höchstpunkteanzahl auf eine Sucharbeit vergeben wurde.

Dabei sah es am Beginn der WM alles andere als rosig aus für Hund und Herrl.

Noch mit viel Enthusiasmus hatte sich der Staffelkommandant des Samariterbundes (ASB) Rettungshunde Burgenland mit seinem vierjährigen Golden Retriever Wauhti-Wiivan Celeborn, kurz Finn, auf den Weg nach Paris gemacht.

Die Qualifikation für die WM-Teilnahme war bereits im Vorjahr erfolgt, als Höttinger mit Finn den Staatsmeistertitel errungen hatte. Damals brauchte der Vierbeiner eine Viertelstunde, um eine Fläche von 50.000 Quadratmetern abzusuchen.

Anfangs ging alles schief

Nicht nur beim Bewerb, auch bei einer realen Suche nach vermissten Personen zählt jede Sekunde: Ein Rettungshund kann im Ernstfall eine ganze Menschenkette ersetzen. Im freien Gelände suchen die Hunde nach menschlichem Geruch, wenn spezifische Fährten zu Verunglückten oder Vermissten fehlen.

Er sei in Paris ob der vergangenen Erfolge „mit viel Selbstvertrauen“ in den Wettbewerb gegangen“, schildert Höttinger. „Aber für mich ging alles schief, was nur schief gehen konnte.“ Vier Jahre lang habe er auf die Teilnahme bei der WM „hingearbeitet“. „Für mich war die Weltmeisterschaft zu diesem Zeitpunkt gelaufen.“

An der Kippe

Der Rettungshundeführer trainiert beinahe täglich und bei jedem Wetter mit seinem Hund die Flächen- bzw. Trümmersuche.

Auch im „Rapid Response Team“, der Auslandseinsatztruppe des ASB ist das Duo im Realeinsatz.

Warum der Profi auf vier Beinen in Frankreich nicht gleich seine volle Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnte, war bald klar: Der Rüde hatte mehrere Pfirsichkerne geschluckt, die ihm Verdauungsprobleme bescherten und ihn körperlich schwächten.

Die Teilnahme an der WM stand bis zuletzt auf der Kippe. „Die Gesundheit des Hundes steht immer an erster Stelle. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass wir nicht starten können.“

Geschichte geschrieben

In letzter Sekunde kam das „erlösende Okay“ des Tierarztes. Der Einsatz hat sich gelohnt.

„So wollen wir eine Sucharbeit sehen“, lobten zwei Richter das burgenländische Team. Binnen kurzer Zeit ging der „200-Punkte-Erfolg“ des Mittelburgenländers um den Erdball. „Ich hab Glückwünsche von Europa bis Südamerika bekommen, es war unvorstellbar.“

Ein kleiner Wermutstropfen wegen des verpassten Goldes blieb dennoch. „Da hat mir ein Leistungsrichter gesagt: ,In zwei Jahren weiß keiner mehr, wer Weltmeister wurde. Aber Johann Höttinger wird für immer der 200-Punkte-Mann sein’“.

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