© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Chronik Burgenland
05/17/2021

Wie Burgenlands Stromproduktion erneuerbar wurde

Was sich im Burgenland in den vergangenen 20 Jahren in der Stromproduktion entwickelt hat und an welchen Zukunftstechnologien gerade geforscht wird.

von Michael Pekovics

Rund um die Jahrtausendwende betrug im Burgenland der Anteil der erneuerbar produzierten Energie am Stromverbrauch gerade einmal drei Prozent. Im Laufe der Jahre stieg dieser Wert kontinuierlich an, 2013 wurde die Energiewende zumindest rein rechnerisch erreicht. Heute deckt das Burgenland fast 150 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen.

Zum Großteil natĂŒrlich dank der mehr als 400 Windkraftanlagen im Norden des Landes, die ersten AnfĂ€nge hat die Energiewende allerdings im SĂŒdburgenland, in der „ökostadt“ GĂŒssing gemacht.

Dort wurde 2001 eine Biomassevergasungsanlage gebaut, die Synthesegas produzierte, das wiederum in Strom und WĂ€rme umgewandelt wurde. Den Höhepunkt erlebte der Biomasse-Boom 2012, als Arnold Schwarzenegger bei seinem Besuch verkĂŒndete: „Die ganze Welt soll GĂŒssing werden.“

RĂŒckenwind

Doch dann brachten auslaufende Förderungen, steigende Holzpreise und schlechte Effizienz einige Standorte zuerst in Schwierigkeiten und in weiterer Folge in die Insolvenz. Heute sind Biogas- und Biomasse im Burgenland fĂŒr etwas mehr als zehn Prozent der erneuerbaren Stromproduktion verantwortlich.

Parallel dazu entwickelte sich das Burgenland mit der Windkraft zur europĂ€ischen Vorzeigeregion. Die erste Windkraftanlage wurde im Jahr 2003 in Betrieb genommen. Heute wird bereits mehr als ein Drittel der gesamten österreichischen Windkraftleistung im Nordburgenland erzielt und Strom fĂŒr mehr als 725.000 Haushalte produziert – Tendenz steigend.

Denn derzeit werden Ă€ltere Anlagen durch effizientere ersetzt, außerdem sind neue WindrĂ€der in Planung. In den kommenden Jahren will allein die Energie Burgenland knapp eine Milliarde Euro investieren.

Weitere gut 300 Millionen Euro sollen in den Bau von Fotovoltaik-Anlagen fließen und damit das Burgenland auch in diesem Bereich zur österreichischen Nummer eins gemacht werden. Der Großteil allerdings in der freien FlĂ€che, was bereits erste Kritiker auf den Plan ruft, die den Vorwurf der Gewinnmaximierung auf Kosten der ökologischen Vielfalt in den Raum stellen.

WĂ€hrenddessen wird im LandessĂŒden in zehn Gemeinden zur Frage geforscht, wie denn die immer hĂ€ufiger dezentral produzierte Energie, etwa durch private oder kommunale PV-Anlagen, regional verbraucht und vor allem gespeichert werden kann.

Treibende Kraft ist vor allem das Projekt act4energy von Andreas Schneemann, das sich zum Ziel gesetzt hat, nachhaltig erzeugten Strom ohne Umweg ĂŒber Einspeistarife in die Steckdose zu bringen. Dabei geht es nicht um Energieautarkie, sondern darum, Energie in einen Kreislauf einzubetten, damit sie dann da ist, wenn sie gebraucht wird.

Im Herbst wird in Stegersbach das dafĂŒr geschaffene Kompetenzzentrum solar.one offiziell eröffnen und damit der nĂ€chste Schritt in die Energiezukunft des Burgenlandes gemacht.

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