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Chronik Burgenland
01/08/2022

Werner Gruber über Aliens, Forschung und Sozialdemokratie

Der Physiker beantwortet als Forschungskoordinator des Burgenlands – unter anderem – Fragen über Außerirdische.

von Paul Haider

Immerhin: Die Chance, dass das Burgenland einmal Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen könnte, würde Werner Gruber zumindest nicht mit null beziffern. Über eine schriftliche Anfrage der FPÖ an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil musste sich der Physiker dann doch sehr wundern. Ob Doskozil bekannt sei, dass Aliens das Burgenland besucht hätten, wollte FP-Chef Alexander Petschnig zum Beispiel wissen.

Er bezog sich dabei auf einen Vortrag über Himmelsphänomene, den Werner Gruber im vergangenen Herbst im Rahmen seiner „Science Village Talks“ in Neufeld gehalten hat.

„Ich habe zum Herrn Landeshauptmann gesagt: Vorsicht, die Chance, dass irgendwann Kontakt mit Außerirdischen hergestellt wird, ist nicht null.“

Werner Gruber

Im KURIER-Gespräch fällt Grubers Reaktion darauf trocken aus: „Ich habe nichts gegen amüsierende Wortmeldungen, ich bin selber Fan davon. Nur, wenn man ein Projekt mit einem Vortrag verwechselt, kann ich nur sagen: Kinder, macht eure Recherche.“ Gänzlich als unwissenschaftlich von der Hand zu weisen sei das Thema außerirdisches Leben aber nicht, betont der Physiker: „Ich habe zum Herrn Landeshauptmann gesagt: Vorsicht, die Chance, dass irgendwann Kontakt mit Außerirdischen hergestellt wird, ist nicht null. Was die wenigsten wissen: Die UNO hat ein Gesetz darüber verabschiedet, wie bei einer Kontaktaufnahme mit Aliens zu reagieren ist. Das Gesetz wurde auch von Österreich ratifiziert.“

Daher hat sich Gruber auch die Arbeit gemacht, die 30 Fragen der Freiheitlichen an den Landeshauptmann durchzuarbeiten und zu beantworten: „Das war ein Zeitaufwand und ist sicher nicht das Hauptthema des Forschungskoordinators des Burgenlands, aber gehört zum Geschäft“.

Doskozils Angebot

Zehn Stunden pro Woche arbeitet Gruber seit Mai für das Land Burgenland, neben seinem Hauptberuf als Leiter des Wiener Planetariums. „Man hätte mir auch einen Full-Time-Job angeboten, aber mir sind die anderen Tätigkeiten auch wichtig“, verrät der Physiker.

Das Angebot habe sich eines Abends spontan in einem Gespräch mit Hans Peter Doskozil ergeben. Als deklarierter Sozialdemokrat tritt Werner Gruber regelmäßig in den Personenkomitees von SPÖ-Politikern auf. „Da lernt man sich kennen und beginnt zu reden. Der Landeshauptmann hat mich gefragt: Du, wir haben eine relativ schlechte Forschungsquote, hast du Ideen?“, erinnert sich Gruber.

An Ideen mangelt es wahrlich nicht, und so wurde er sich mit dem Landeshauptmann schnell einig. Die erste Aufgabe, die sich der frisch gebackene Forschungskoordinator stellte, war, Land und Leute kennenzulernen. „Ich kannte das Burgenland nicht“, gibt der gebürtige Oberösterreicher unumwunden zu. „Ich war hier zweimal auf Urlaub und habe in der Burgenlandwoche den Segelschein gemacht.“ Was Gruber dann schnell klar wurde: Das Burgenland verfügt zwar nicht über viele universitäre Einrichtungen; dafür betreibt eine Vielzahl an Unternehmen ihre eigene Forschung.

Werner Gruber
wurde 1970 in Ostermiething (OÖ) geboren. 1999 hat er sein Physik-Studium an der Universität Wien mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Dort lehrt er seitdem Experimentalphysik 

Populärwissenschaftler
Werner Gruber wurde als Mitglied der „Science Busters“ österreichweit bekannt, 2015 verließ er die Wissenschafts-Karabettgruppe. Hauptberuflich leitet er das Wiener Planetarium. Gruber hat mehrere Bücher verfasst und gibt Volkshochschulkurse über Alltagsphysik. 

Das treffe im Burgenland sehr oft auf landwirtschaftliche und auch touristische Betriebe zu, sagt der Star-Physiker: „Das Burgenland ist zwar kein industriell geprägtes Land, aber ich habe Firmen kennengelernt, die Landwirtschaft auf wahnsinnig hohem, innovativem Niveau betreiben. Es gibt auch sehr viele, die sich nicht als Forschungsfirmen sehen, aber superlässige Ideen haben. Mir fallen auf Anhieb zehn Firmen ein, wo ich wirklich sage, da geht was“.

25 Besuche bei burgenländischen Unternehmen hat sich Werner Gruber für 2022 bereits vorgenommen. Außerdem wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit der Frage beschäftigt, aus welchen Gründen sich forschungsaffine Betriebe für oder gegen das Burgenland als Standort entscheiden. „Parallel werden diverseste Maßnahmen und viele kleine Nadelstiche überlegt“, kündigt der Forschungskoordinator an.

Was jetzt schon fix ist: die beliebten „Science Village Talks“ wird es auch 2022 wieder geben, und zwar in stark erweiterter Form: 16 Termine im ganzen Land sind in Planung.

Ob dabei auch wieder UFOs über dem Burgenland thematisiert werden? „Der Vortrag wird bewusst noch einmal gemacht. Ich verspreche auch, langsam zu sprechen, damit auch wirklich alle mitkommen“, sagt Gruber augenzwinkernd.

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