Burgenland
01/23/2019

Angebliche Entführung: Mutter des Esterhazy-Chefs wollte mit ihrer Tochter in die Schweiz

Die 88-jährige Mutter von Stefan Ottrubay befindet sich bei ihrer Tochter; sie stieg freiwillig ins Auto, sagt Polizei

von Thomas Orovits

Die Schilderung des gestrigen Zwischenfalls klang dramatisch. Gegen 15.30 Uhr war die betagte Mutter von Esterhazy-General Stefan Ottrubay mit ihrer Pflegerin in Eisenstadt unterwegs, als plötzlich zwei schwarze Limousinen "mit vermutlich ausländischen Kennzeichen", wie Polizei-Pressechef Helmut Marban dem KURIER mitteilte, anhielten. Aus einem Auto sollen ein Mann und eine Frau, aus dem zweiten Auto eine Frau ausgestiegen sein. Die rund 1,80 Meter große, blonde Frau ging auf die Pflegerin zu und stieß sie zur Seite. Die Pflegerin wurde dabei nicht verletzt. Anschließend sollen die drei mutmaßlichen Täter die 88-Jährige in eines der Autos gesetzt haben und Richtung Kleinhöflein davongebraust sein.

Großalarm ausgelöst

Die vermeintliche Entführung löste am späten Dienstagnachmittag einen Großalarm für die Polizei in Eisenstadt aus, mehr als 100 Polizisten waren vorübergehend im Einsatz. Sogar Innenminister Herbert Kickl nahm am Dienstagabend zum möglichen Entführungsfall in Eisenstadt Stellung. Die Fahndung laufe. Es sei aber nicht sicher, "ob es sich um eine Entführung im klassischen Sinn handelt", meinte Kickl im ORF-"Report". Es wurde auch eine Fehde innerhalb der Familie nicht ausgeschlossen. Eine offizielle Bestätigung durch die Landespolizeidirektion blieb zunächst „aus kriminaltaktischen und Opferschutz-Gründen“ aus. 

Polizei bestätigt Auftauchen

Keine 24 Stunden später ist der angebliche Entführungsfall geklärt: Wie die Polizei in Eisenstadt dem KURIER am Mittwochvormittag bestätigt hat, ist die 88-jährige Magdolna Ottrubay wohlbehalten bei ihrer Tochter aufgetaucht. Die Tochter hatte sich am späten Dienstagabend selbst bei der Polizei gemeldet, nachdem sie aufgrund der umfangreichen Berichterstattung erst das wahre Ausmaß ihrer Handlung erkannt hatte. "Sie hat kalte Füße bekommen", sagt ein Ermittler zum KURIER. Die Tochter war mit ihrer Mutter und den Begleitern auf dem Weg zurück in ihre Schweizer Heimat und hatte nur in der Nähe von Kitzbühel Halt gemacht. Einen Straftatbestand sieht die Polizei nicht. Für die Staatsanwaltschaft war das indes am Mittwoch noch nicht endgültig geklärt. Gegen die Tochter von Magdolna Ottrubay und deren Begleiter laufe nach wie vor ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung (§ 99 StGB) und der Nötigung (§ 105). Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Die Polizei geht nun davon aus, dass die betagte Mutter von Stefan Ottrubay freiwillig und ohne Zwang mit ihrer Tochter mitgefahren ist. Auch die Pflegerin hatte berichtet, dass sich die "Entführer" und die 88-Jährige offenbar sehr gut kannten. Und ein Zeuge hatte sich bei der Polizei gemeldet, der das Geschehen beobachtet hatte. Die zwei Autos hätten am Dienstagnachmittag auf der Esterhazystraße gehalten, eine Frau mit gelber Warnweste sei ausgestiegen und habe den Verkehr angehalten. Währenddessen sei Magdolna Ottrubay behutsam in eines der Autos geleitet worden.

Die Schweizer Staatsbürgerin Magdolna Ottrubay soll sich erst seit vergangenem Herbst bei ihrem Sohn in Eisenstadt aufhalten, habe sich hier aber nicht recht wohlgefühlt, weil sie im Burgenland niemand kenne, hieß es in Polizeikreisen zum Hintergrund der Causa. 

Die in den sozialen Medien heftig diskutierte Frage der Kosten des Einsatzes ist auch bei der Polizei ein Thema. Tenor: "Dem Herrn Doktor Ottrubay werden wir`s nicht verrechnen können".

Herr über ein Millionen-Vermögen

Der gebürtige Schweizer Stefan Ottrubay (65), der von seiner Tante Melinda Esterhazy  im Jahr 2000 mit der Leitung der Stiftungen und Betriebe (Gesamtumsatz 2017: 53 Millionen Euro) betraut wurde, ist  Herr über das wohl bekannteste und eines der potentesten Unternehmen des Landes. Allein von 2002 bis 2012 ist das Vermögen der drei Esterházy-Stiftungen um mehr als 150 Millionen auf 810 Millionen Euro angewachsen.