Chronik | Burgenland
09.11.2017

Neusiedler See: Villen bringen Welterbe in Gefahr

Eine Dokumentation über die Verbauung des Seeufers soll die UNESCO alarmieren.

Oggau, Breitenbrunn, Jois, Neusiedl, Weiden und nun auch Illmitz und das ungarische Fertörakos – die Bauprojekte rund um den Neusiedler See schießen wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Das derzeit umstrittenste Projekt befindet sich in Neusiedl. "Am Hafen", wie es genannt wird, sieht insgesamt 23 Eigentumshäuser mit direktem Seezugang vor. Darüber hinaus ist auch ein Hotel geplant. Mit "Luxus pur" und "Jedem sein Hafen" wird auf der Homepage geworben.

Jedem sein Hafen? "Der See wird zunehmend privatisiert. Es handelt sich hier um Luxusobjekte mit einer Wohnfläche von bis zu 190 mit dazugehörigem Parkplatz vor der Tür und eigenem Seezugang", sagt Rudi Golubich. Der Neusiedler ist Obmann des Vereins "Freunde des Neusiedler Sees", die gemeinsam mit der Weidener Bürgerinitiative "Das ist unser See" gegen die Verbauung und für den Erhalt des Steppensees als UNESCO-Welterbe kämpfen. Auf Landesebene war es bisher ein Kampf gegen Windmühlen.

200 Seiten

Um auf die Gefahr des Verlusts des UNESCO-Welterbe-Status hinzuweisen, hat Golubich mit seinem Verein im Sommer eine Unterschriftensammlung samt Spendenaufruf initiiert. Mit den Spenden sollte eine Dokumentation über die Auswirkungen der Verbauung auf den Natur- und Kulturraum erstellt werden und an den "Internationalen Rat für Denkmalpflege" (ICOMOS) mit Sitz in Paris übermittelt werden. ICOMOS kann auf Basis dieser Dokumentation eine direkte Empfehlung an die UNESCO abgeben.

Über 2000 Unterschriften wurden binnen weniger Wochen gesammelt. "Unterstützung kam unter anderem von der Initiative Denkmalschutz, der Initiative Steinhof und dem Naturhistorischen Museum Wien", sagt Golubich.

Christian Schuhböck, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Naturschutz und Welterbe, der unterem anderem auch am Kampf gegen den Semmering-Basistunnel beteiligt war, wurde mit der Erstellung einer Dokumentation beauftragt. In dem rund 200-seitigen Werk befasst sich Schuhböck vor allem mit den geplanten und teilweise bereits umgesetzten Projekten rund um den Neusiedler See: "Eine Bedrohung gibt es vor allem im Norden. Es gibt einen Dominoeffekt in den Gemeinden. Eine fängt an und alle ziehen nach. Die Verbauungen verbreiten sich wie ein Lauffeuer", meint Schuhböck.

Die Dokumentation wurde bereits an ICOMOS übergeben. Rudi Golubich hofft, dass die eine Empfehlung an die UNESCO aussprechen wird, das Gebiet auf die Liste der gefährdeten Gebiete zu setzen. "Uns wird oft vorgeworfen, gegen alles zu sein. Das stimmt nicht. Wir befürworten Investitionen in den Seeraum, aber wir sprechen uns absolut gegen eine Privatisierung des Seeufers aus."

Appell an UNESCO

Ulrike Herbig von ICOMOS Österreich betont: Von unserer Seite haben wir keine rechtliche Handhabe, wir können nur Empfehlungen an die UNESCO aussprechen." Ihrer Meinung nach müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen verschärft werden, damit derartige Projekte nicht genehmigt werden: "Bauliche Maßnahmen müssen welterbverträglich gemacht werden. Es müsste eingesehen werden, dass nicht alles, was gewidmet ist, verbaut werden kann."

Golubich erwartet bis Anfang nächsten Jahres eine Antwort von ICOMOS. "Egal wie diese ausfällt. Wir werden den Kampf nicht aufgeben. Aufgeben tut man nur einen Brief." Unterstützung kommt unter anderem von Gerhard Hadinger von der Initiative Steinhof, die sich seit Jahren gegen die Verbauung des Otto-Wagner-Areals in Wien einsetzt. Er meint: "Es lohnt sich zu kämpfen. Ich hoffe, dass sich endlich etwas ändert, dass Investoren nicht mehr auf die Politik Einfluss nehmen können."

Managementplan vom Land soll Seevorgelände erhalten

Zeitgleich zur Vorstellung der Dokumentation von Christian Schuhböck hat das Land Burgenland am Donnerstag ein naturschutzfachliches Managementkonzept zum "Seevorgelände Neusiedler See" präsentiert. Es soll einen Überblick über die ökologische Bedeutung sowie die richtigen Pflegemaßnahmen liefern.

Ackerwirtschaft habe dazu geführt, dass das Seevorgelände in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgegangen ist. Der Managementplan soll den Gemeinden Handlungsempfehlungen geben, um diese Entwicklung zu stoppen und so die Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten. Es gehe um Gemeinden und Planungsbüros, um die Land- und Forstwirtschaft und um die Bevölkerung. "Was vor der eigenen Haustüre liegt, wird oft als selbstverständlich empfunden. Wir müssen uns hier vor Augen führen, wie sensibel diese Region ist. Dementsprechend können wir es uns nicht leisten, unreflektierte Handlungen zu setzen", sagt die zuständige Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ).

Zur Verbauung heißt es aus ihrem Büro, dass Maßnahmen gesetzt werden. Jedes Projekt würde vom Welterbebeirat des Landes Burgenland beurteilt und von den Gemeinden bewilligt werden. Außerdem brauche es eine Entwicklung am See und es könne nicht alles abgelehnt werden.