Villa Mia: Land hat Verfahren zum Entzug der Bewilligung eingeleitet

SONDERSITZUNG DES NATIONALRATS: DARABOS
Foto: APA/ROBERT JAEGER Norbert Darabos sieht keine Notwendigkeit für eine Sonderkommission

Bis Weihnachten sollen alle zwölf Jugendlichen aus dem Burgenland woanders untergekommen sein.

Nach den in der Vorwoche publik gewordenen Vorwürfen gegen die sozialpädagogische Wohngemeinschaft "Villa Mia" in Gols hat das Land ein Verfahren zum Entzug der Bewilligung eingeleitet, sagte Sonja Windisch am Mittwoch auf KURIER-Anfrage. Die Leiterin der Abteilung 6 (Soziales und Gesundheit beim Amt der Landesregierung) geht von einer mehrmonatigen Dauer des behördlichen Prüfverfahrens aus, dessen Ausgang offen sei, denn auch Vertreter des Wohnheims hätten selbstverständlich die Möglichkeit zur Stellungnahme.

Wie berichtet, hatte die Volksanwaltschaft nach einem unangekündigten Besuch im Wohnheim von weinenden Kindern berichtet, die das Haus nach Übergriffen durch ältere Heimbewohner verlassen wollten. Schon 2016 seien sexuelle Übergriffe unter den Jugendlichen bekannt geworden.

SPÖ-Soziallandesrat Norbert Darabos sprach gestern von einem "unbestätigten Einzelfall", denn "weder die jährliche Kontrolle der Fachaufsicht (des Landes, Anm.), noch die Kontrolle der Volksanwaltschaft haben 2016 Hinweise auf sexuelle Übergriffe" ergeben. Anders als sein Parteikollege Franz Schnabl in NÖ, wo es zuletzt auch Vorwürfe gegen ein Heim gab, denkt Darabos "derzeit nicht an", eine Sonderkommission zur Klärung der Vorwürfe einzurichten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in zwei voneinander unabhängigen Fällen von möglichem sexuellen Missbrauch unter Jugendlichen, so deren Sprecher Roland Koch am Mittwoch.

"Kein Zwang"

Wie weit ist die von Darabos in der Vorwoche via KURIER angekündigte Verlegung der zwölf burgenländischen Jugendlichen (von insgesamt 14 Bewohnern) gediehen? Man suche schon seit September nach neuen Plätzen, erläutert Sozialabteilungschefin Windisch. Zwei Jugendliche seien schon weg, grundsätzlich sollte die Suche nach neuen Herbergen, die auch in anderen Bundesländern liegen können, bis Weihnachten abgeschlossen sein. Aber es werde "sicher kein Zwang" ausgeübt, denn manche Bewohner wollten nicht ausziehen und auch die steirischen Behörden, die zwei Bewohner vermittelt haben, sähen derzeit keinen Grund diese abzuziehen. Passieren könne den Kindern und Jugendlichen in Gols jetzt nichts, ist Windisch überzeugt.

Das Land hat aktuell 37 Bewilligungen an Wohnheime vergeben, rund 600 Plätze werden über Tagsätze finanziert. Durchschnittlich gibt das Burgenland pro Belagstag 160 Euro aus, für besonders betreuungsintensive Jugendliche können es bis zu 400 Euro sein.

(kurier) Erstellt am
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