Chronik | Burgenland
03.09.2017

"Vielfalt hat mich immer gereizt"

Martin Franz Neuberger ist Lehrer, Landwirt, Autor und Kämpfer für ein orthodoxes Kloster in St. Andrä.

"Ois muaß ma kennan", bekam Martin Franz Neuberger von seinem Vater einst oft zu hören – gut gemeint und mahnend. Dem väterlichen Maßstab "alles zu können" versucht der mittlerweile 61-jährige Seewinkler seither stets gerecht zu werden.

Seit 1981 ist Neuberger Lehrer, Ende der 80-er Jahre kam die von seinen Eltern übernommene Landwirtschaft in seiner Heimatgemeinde Sankt Andrä am Zicksee dazu, die er auf "bio" umgestellt hat, und seit gut zehn Jahren widmet sich Neuberger intensiv den schönen Künsten. Jüngst ist unter dem Titel entlebt sein fünftes Buch mit Kurzgeschichten in der Bibliothek der Provinz erschienen und diese und andere Texte steuert Neuberger auch bei Auftritten der Band "Sae!tnr!ss" (die schreibt man tatsächlich so) bei. Als ihn der KURIER um einen Gesprächstermin ersucht, muss der umtriebige Seewinkler um Geduld bitten, denn: "Ich betoniere gerade" – eine "kleine Spielerei" im Garten, fügt Neuberger lachend hinzu. Auch in seinem umgebauten Bauernhaus mitten in St. Andrä gibt‘s kaum einen Handgriff, den der Hausherr nicht selbst erledigen könnte. Für den Vater dreier erwachsener Kinder ist das Tanzen auf vielen Kirtagen keine Last, denn "Vielfalt hat mich immer gereizt".

Gibt es überhaupt etwas, wo der vielfach Talentierte passen muss? "Ich habe erfolglos versucht Geige zu lernen. Das war nicht meine Bestimmung".

Als Lehrer für Deutsch, Geografie und Geometrisches Zeichnen, der seine Laufbahn in der Hauptschule Frauenkirchen begonnen hat und am Montag ins elfte Jahr in der Neuen Mittelschule Neusiedl am See startet, leitet Neuberger auch eine Schul-Theatergruppe. 20 bis 30 Schüler aller Schulstufen stehen alljährlich vor Weihnachten auf der Bühne, heuer folgt die Dernière, denn nach Ende dieses Schuljahres geht Neuberger als Lehrer in Pension. Dass auch seine Drei-Felder-Landwirtschaft auf rund 40 Hektar irgendwann "Vergangenheit sein" wird, macht Neuberger nicht wehmütig, umso mehr Zeit hat er dann fürs Schreiben.

Keine Krimis

Die ersten drei seiner bisher fünf Bücher sind Lyrikbände, aber "so richtig angebissen haben die Verlage erst bei den Kurzgeschichten", erzählt Neuberger, der sich über die andauernde Hochkonjunktur von Kriminalromanen wundert: "Das muss doch langsam fad werden". Der Vielschreiber bringt sein sechstes Buch im November auf den Markt und arbeitet parallel dazu schon am nächsten. Das sei "eine längere, spannende Geschichte mit realer Grundlage" – mehr will Neuberger nicht verraten.

Nicht ausgeschlossen ist, dass in der Geschichte auch ein orthodoxes Kloster vorkommt, denn als Gründungsmitglied des Vereins der Freunde des Klosters hat sich Neuberger sehr für die Errichtung des ersten orthodoxen Klosters Österreichs in St. Andrä eingesetzt. Metropolit Arsenios Kardamakis hat nach anhaltendem Widerstand eines Teils der Bevölkerung das Ansuchen auf Umwidmung eines Grundstücks zwar zurückgezogen, aber seit dem mehrheitlichen Ja bei einer Volksabstimmung im Juni ist Neuberger wieder zuversichtlich: "Die Hoffnung wird täglich größer, dass das Kloster doch noch bei uns gebaut wird", ist Neuberger überzeugt davon, dass damit auch die Ökumene einen großen Schritt vorankäme. Und die Vorstellung sei einfach "faszinierend", bei der Entstehung von etwas scheinbar ganz Unzeitgemäßem dabei zu sein.

Diese Offenheit gibt auch Antwort auf die Frage, warum Neuberger zeit seines Lebens nie aus der 1360-Einwohner-Gemeinde weggezogen ist. "Heute muss man im Dorf keine Enge mehr verspüren, die Welt eröffnet sich einem auf vielen Wegen" – und sei es, indem orthodoxe Mönche ins Dorf kommen.mfneu.com