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Der Taxler, der mehr als nur Fahrgäste ans Ziel bringt

Zwischen Krankentransporten, Nachtschichten und Familienleben zeigt Taxifahrer Mesut „Mexx“ Sentürk, warum es auch drauf ankommt, „wie“ man ankommt.
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Von Vanessa Halla

Keinen Krümel findet man in dem Taxi. „Picobello“ lautet der Anspruch vom Chef – und das nicht nur in puncto Sauberkeit. „Ich bin haglich und das bin ich konsequent“, lacht der 41-jährige Südburgenländer mit türkischen Wurzeln.

Seit 17 Jahren ist Mesut Sentürk Taxifahrer im Burgenland. Seit knapp drei Jahren ist er mit „Taxi Mexx“ selbstständig. Der Schritt kostete Überwindung. „Ich hab mich lange nicht getraut. Meine Frau hat mich schließlich dazu ermutigt.“

Also absolvierte er die Konzessionsprüfung, lernte Buchhaltung und Personalverrechnung. „Der Teil des Jobs nervt mich heute noch“, sagt er augenzwinkernd. Der Chef sitzt natürlich auch selbst am Steuer, koordiniert fünf Mitarbeiter und zig Fahrten täglich und weiß genau, dass ein Taxler oft viel mehr lenkt als nur das Auto seiner Fahrgäste. Genau das macht ihn aus.

Immer fröhlich

Dass ihn heute fast alle nur als „Mexx“ kennen, bringt ihn zum Schmunzeln. „Mittlerweile weiß glaub ich niemand mehr, wie ich wirklich heiße.“ Den Spitznamen bekam er als Jugendlicher verpasst – geblieben ist er bis heute. Geboren wurde Mexx in Oberwart, aufgewachsen ist er im Südburgenland. Nach Riedlingsdorf verschlug ihn schließlich die Liebe.

Auch Ehefrau Jenni, die ebenfalls im Betrieb arbeitet und fährt, erinnert sich noch genau an ihr erstes Kennenlernen. „Jeden Tag um halb sechs Uhr früh ist der Mexx mit einem fröhlichen ,Guten Morgen’ in die Bäckerei gekommen – so fröhlich, dass es dir auf die Nerven ging“, erzählt sie lachend. Heute sind die beiden verheiratet und Eltern von zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren.

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Mexx hat alles im Blick

Familienleben und Taxiunternehmen unter einen Hut zu bringen, ist eine tägliche Herausforderung. „Planen bringt in dem Beruf nicht viel“, sagt Mexx. Ein Anruf genügt und schon geht es spontan quer durch Österreich. 

Die längste Fahrt führte ihn zehn Stunden lang bis nach Deutschland – ein privater Krankentransport. Trotz aller Leidenschaft zu seinem Beruf schmerzt es manchmal. „Wenn die Kinder sagen: ,Papa, bitte fahr nicht weg’, dann tut das schon weh.“ Einen gemeinsamen freien Tag? Den gibt es derzeit nicht. „Da bräuchten wir einen achten Wochentag“, sagen beide.

Menschen bewegen

Seit fast zwei Jahrzehnten sitzt Mexx hinter dem Steuer. Ursprünglich war er Rauchfangkehrer. An seine allererste Fahrt erinnert er sich noch ganz genau. „Es war tiefster Winter und ging teilweise recht steil und kurvig hinauf. Ich bin das erste Mal Automatik gefahren und gleich mit einem Hinterradantrieb unterwegs gewesen. Da hab ich ordentlich geschwitzt“, gesteht der Taxler.

Auf die Frage, wie ein typischer Arbeitstag bei ihm beginnt, antwortet Mexx lachend: „Anschnallen – das ist das Erste, was ich mache.“ Danach folgen Krankentransporte, Kindergartenfahrten oder spontane Einsätze quer durch die Region. Sonntag bis Donnerstag sind er und seine Mitarbeiter von sechs bis 22 Uhr unterwegs, Freitag und Samstag praktisch rund um die Uhr.

Dabei begegnet er Menschen aller Altersgruppen. „Leutescheu kannst in dem Beruf nicht sein.“ Drei bis vier Tassen Kaffee, Musik und ein bisschen Naschzeug begleiten ihn durch lange Arbeitstage.

Geschichten bleiben

Kaum ein Beruf bringt einen Menschen mit so vielen Schicksalen in Berührung. Manche Begegnungen bringen ihn zum Lachen, andere gehen tief unter die Haut.

Besonders bewegt hat ihn eine an Krebs erkrankte Stammkundin, die er regelmäßig zur Strahlentherapie brachte. „Du fährst manche Patienten 30 oder 40 Mal. Da baut man eine Beziehung zu diesen Menschen auf. Einmal habe ich die Stammkundin wieder ins Krankenhaus zur Therapie gefahren. Nach Hause gefahren bin ich dann aber alleine. Sie ist an diesem Tag im Krankenhaus gestorben. Einfach so. Das war hart.“

Häftling am Rücksitz

Kurios war hingegen die Geschichte eines jungen Fahrgasts, der vor dem Bezahlen aus dem Taxi flüchtete. Weil Mexx die Familie noch aus seiner Zeit als Rauchfangkehrer kannte, läutete er kurzerhand mitten in der Nacht bei den Eltern an. „Die haben bloß gefragt: ,Hat er schon wieder das Taxi nicht bezahlt?’, erzählt er lachend.

Auch ein frisch entlassener Häftling, der wegen Mordes inhaftiert war, saß schon auf seinem Rücksitz – ohne zu wissen, wen er da gerade chauffierte. “Der wollte mitten in der Nacht zum Bahnhof gebracht werden. Ich habe ihm erklärt, dass um diese Zeit kein Zug mehr fährt. Aber in seinem Fall war der Zug so oder so schon abgefahren, die Polizei hat ihn bereits wieder wegen Zechprellerei gesucht.„

Trotz aller Erlebnisse würde Mexx seinen Beruf jederzeit wieder wählen. „Ich liebe meinen Job. Du bist ständig unterwegs, erlebst jeden Tag etwas Neues und lernst unglaublich viele Menschen kennen. Ein Taxi bringt Menschen nicht nur von A nach B – oft begleitet man sie auch durch große Momente ihres Lebens.“ In diesem Sinne: Anschnallen nicht vergessen!

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