Zwei Herzen für alle Felle seit 30 Jahren
Von Vanessa Halla
Katze Mimi und Labrador Oscar werden zwar fix keine Freunde, aber Leidensgenossen verbindet schließlich auch etwas. Im Fall der beiden Vierbeiner ist es die Tierarztpraxis von Barbara Benkö-Neudecker und Thomas Neudecker.
Dort sitzen die beiden Fellnasen nämlich nebeneinander und warten gemeinsam mit „ihren Zweibeinern“ darauf, dass ihnen geholfen wird. Mimi plagt ein Abszess am Hinterteil, Oscar erbricht seit Stunden. Vor lauter Weh haben beide keine Energie übrig, um einen auf „Hund und Katz“ zu machen, sprich einander ans Fell zu gehen.
Wuff damals, Wau heute
Dass es im Wartezimmer der Kleintierordination in Oberwart freilich nicht immer so ruhig zugeht, weiß niemand besser als die beiden Tierärzte darin: Barbara und Thomas. Was beide außerdem und recht früh in ihrem Leben wussten: Was sie beruflich einmal machen möchten. Thomas Neudecker: „Für mich stand das schon in der Volksschule fest.“ Nach dem Studium in Wien ging alles schnell. „Am Freitag war meine Sponsion, am Montag habe ich bereits in einer Tierklinik gearbeitet.“ Gemeinsam mit Barbara eröffnete er 1995 die erste gemeinsame Ordination.
Auch Barbara Benkö-Neudecker musste nie lange überlegen. Bereits als Jugendliche arbeitet sie in einer Tierarztpraxis in den USA, wo sie aufgewachsen ist. „Ich habe Käfige geputzt, Medikamente vorbereitet und überall mitgeholfen“, denn, so weiß die 62-Jährige heute, „erst in der Praxis beginnt das eigentliche Lernen.“ In den drei Jahrzehnten, in denen das Tierarzt-Duo aus Oberwart seinen Beruf mittlerweile ausübt, hat sich die Tiermedizin grundlegend verändert. „Damals waren Rinder und Schweine Alltag in unserem Beruf. Heute behandeln wir überwiegend Hunde und Katzen. Die Einsätze in der Landwirtschaft sind stark zurückgegangen. Dafür hat die Kleintiermedizin enorm an Bedeutung gewonnen“, berichtet Thomas Neudecker, der seit 13 Jahren Präsident der burgenländischen Tierärztekammer ist.
Die Beziehungen werden enger
Und auch sonst ist Hund nicht mehr der Hund, der er noch vor 50 Jahren war. Sowohl die Beziehung zwischen Mensch und Tier als auch die Rolle der Haustiere hat sich verändert. „Früher waren Hunde oft Hofhunde. Heute schlafen viele am Sofa oder im Bett“, erzählt Barbara. Für viele Menschen seien Tiere längst Familienmitglieder.
Thomas beobachtet noch etwas anderes: „Je digitaler unser Alltag wird, desto enger wird oft die Beziehung zum Haustier. Menschen verbringen weniger Zeit miteinander, dafür umso mehr mit ihren Tieren.“ Die beiden Tierärzte behandeln aber längst nicht nur Hunde und Katzen. Reptilien, Ziervögel, Kaninchen oder Chinchillas landen ebenfalls auf dem Behandlungstisch. „Und Rennmäuse sind schwer im Kommen! Tierhalter sind zum Teil schon sehr ausgeflippte Leute“, schmunzelt Thomas Neudecker und sagt im selben Atemzug: „Aber jeder findet ein Tier, das zu ihm passt.“
Welches das im Fall von Frau und Herrn Doktor ist? Barbara: „Ich liebe Katzen.“ „Und ich bin definitiv ein Hundemensch“, ergänzt Thomas und verrät außerdem: „Spinnen allerdings, die mag ich gar nicht! Mit denen kannst mi jaucken.“
Kurioses zum Fressen gern
Langeweile in der Kleintierordination in der Oberwarter Röntgengasse? Ausgeschlossen! Besonders, wenn Tiere Dinge fressen, die dort garantiert nicht hingehören. „Eine Katze hatte eine Nähnadel mit Faden verschluckt“, erinnert sich Barbara. Ein Hund übergab sich fast ein Jahr lang immer wieder. Erst eine Operation brachte den Grund dafür ans Licht. „Im Magen lag tatsächlich eine Quietscheente.“ Zu den außergewöhnlichsten Patienten zählt für Thomas eine 2,40 Meter lange Python mit einer Pilzinfektion – und einer kreativen Lösung. „Wir haben aus einem Infusionsschlauch eine Sonde gebaut. Zum Festhalten brauchten wir pro Meter Schlange einen Menschen. Bist du narrisch, das war was!“ Trotz modernster Geräte verlassen sich beide aber nicht ausschließlich auf die Technik. „Wir sind Tierärzte der alten Schule“, sagt Barbara. „Man muss Tiere genau anschauen und gründlich untersuchen. Nicht alles lässt sich mit einer Blutabnahme lösen.“
Mehr als Medizin
Tierarzt zu sein bedeutet für beide weit mehr als nur Diagnosen zu stellen. „Zu 70 Prozent sind wir auch Psychologen“, sagt Thomas. Schließlich leiden oft nicht nur die Tiere, sondern auch ihre Besitzer unter den Qualen ihrer Schützlinge. Bei der Wahl des richtigen Tierarztes zählt für das Duo vor allem eines: Vertrauen. „Es muss auch menschlich passen, damit es dem Tier gut geht“, bringt es Barbara auf den Punkt.
Nach über 30 Jahren haben die beiden vor allem eines gelernt. „Tiere haben Charakter“, sagt Thomas. „Das wird oft unterschätzt.“ Und Barbara ergänzt: „Sie verstellen sich nämlich nicht. Ehrlicher als in unserem Beruf wird´s zwischen Arzt und den Patienten eigentlich nicht.“
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