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Bauen wie früher: Was ein Forstwirt im Burgenland erschafft

Ein Forstwirt aus Unterschützen errichtet sich gemeinsam mit drei Gleichgesinnten ein Blockhaus aus heimischem Holz. Das ist Bauen wie früher und leben im Heute.
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Von Vanessa Halla

Da liegt ein massiver Baumstamm. Eine Fichte, mehrere Hundert Kilo schwer. Die Rinde ist ab, das helle Holz scheint im Sonnenlicht fast zu leuchten. Schön sieht er aus, der Stamm. Bearbeitet wird das massive Teil von vier Männern gleichzeitig. Drei davon haben eine Motorsäge in der Hand. Es ist vollgas-laut, die Sägespäne fliegen durch die Luft, das Quartett an den Werkzeugen arbeitet konzentriert.

„Mann“ verständigt sich mittels einfacher Zeichen. Jeder Handgriff sitzt – und muss passen. Denn was hier entsteht, ist kein gewöhnliches Haus. Kein Fertigteilbau, kein Projekt vom Reißbrett. In Unterschützen wächst ein Blockhaus – Stamm für Stamm, von Hand gefertigt.

Bauherr Christian Reicher steht zwischen Teleskoplader und Werkzeugen. Für den 40-jährigen Forstwirten ist das Projekt weit mehr als die Errichtung eines Gebäudes. „Wenn ich täglich mit dem Werkstoff Holz arbeite, dann will ich mir auch etwas daraus bauen“, bringt er es auf den Punkt.

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Mayer erklärt den Teilnehmern die traditionelle Bauweise.

Männersache

Rund 100 Quadratmeter Wohnfläche wird das neue Blockhaus umfassen. Im September soll es fertig sein. Genutzt werden soll es später als Büro und Spielraum für die Kinder. Der Weg dorthin begann allerdings nicht mit einem Architekten, sondern mit einem Kurs. Denn die Männer, die hier bauen, lernen gleichzeitig das Handwerk.

Der Mann, der auf der Baustelle das Kommando hat, heißt Roland Mayer. Der 48-Jährige aus Wimpassing an der Leitha beschäftigt sich seit seinem 20. Lebensjahr beruflich mit Blockhäusern. „Meine Eltern hatten ein Blockhaus. Daher kommt die Liebe dazu“, erzählt Mayer. Als junger Mann arbeitete er für ein Unternehmen, das Blockhäuser errichtete. Nach nur zwei Jahren machte er sich selbstständig. Heute blickt der Chef des Unternehmens „Spirit of Nature“ auf 28 Jahre Erfahrung und rund 250 errichtete Blockhäuser zurück – in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol, Albanien und Griechenland.

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Die entrindeten Baumstämme werden einzeln angepasst.

Lernen durch Tun

Sein Handwerk lernte der Holzbaumeister bei einem finnischen Unternehmen. Bis heute setzt er auf traditionelle Methoden. „Zimmereien arbeiten meist mit Robotern und Maschinen. Ich mache das alles mit einer Motorsäge – und die habe ich im Auto.“ Tatsächlich wirkt die Baustelle wie eine Zeitreise. Die Stämme werden im Wald ausgesucht, entrindet und anschließend einzeln angepasst. Jeder Stamm ist ein Unikat. Jeder Schnitt muss sitzen.

Tag neun auf der Baustelle. Heute werden die Pfetten montiert – jene mächtigen Balken, die später das Dach tragen. Manche davon bringen bis zu zwei Tonnen auf die Waage. Ohne technische Unterstützung geht es nicht. Motorsägen, Schälmesser und Spezialwerkzeuge gehören zur Grundausstattung. Für die schweren Lasten kommt der Teleskoplader zum Einsatz. „Ein Stamm hat oft 500 bis 700 Kilogramm. Das ist für vier Männer ohne maschinelle Hilfe nicht zu stemmen“, erklärt Christian Reicher und ist dabei wortwörtlich zu verstehen.

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Eine gute Handhabung der Motorsäge ist essenziell.

Doch Maschinen allein bauen kein Blockhaus. Im Kurs wird jeder Arbeitsschritt zunächst theoretisch erklärt und anschließend praktisch umgesetzt. Bereits nach wenigen Tagen gewinnen die Teilnehmer Sicherheit. „Nach zwei Tagen ist vieles nur noch Übungssache“, sagt Roland Mayer, der bereits Hunderten Kursteilnehmern gezeigt hat, wie man ein Blockhaus baut. Trotzdem steckt hinter jedem Stamm überraschend viel Planung. Winkel müssen berechnet, Maße exakt festgelegt werden. „Du berechnest dir den Stamm im Vorhinein.“

Dass Holzbau auch Familiensache sein kann, zeigt Inyan Mayer. Der 22-jährige Sohn des Kursleiters arbeitet ebenfalls mit. Nach der HTL entschied er sich für eine Zimmererlehre. „Dass ich einmal mit Holz arbeiten werde, war eigentlich klar. Holz war immer da.“

Holzhäuser im Land

Auch Martin Bauer aus Kemeten gehört zum Team. Der 44-Jährige arbeitet beruflich mit Metall, seine Leidenschaft gilt jedoch der Motorsäge. Mit ihr fertigt er neben kleinen Gebäuden auch Kunstwerke aus Holz. „Bei der Arbeit musst du dich einfach so konzentrieren, dass dir fast keine Fehler passieren.“

Während auf der Baustelle gesägt, gehoben und angepasst wird, geht es um mehr als nur Handwerk. Es geht um Regionalität, Nachhaltigkeit und den bewussten Umgang mit Ressourcen. Für Reicher spielt dabei die sogenannte Kaskadennutzung eine wichtige Rolle. „Je öfter du Holz wiederverwertest, desto besser.“

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Die Baumstämme wiegen bis zu zwei Tonnen.

Dass Holzhäuser im Burgenland früher weit verbreitet waren, passt ins Bild. Die alte Bauweise erlebt hier eine moderne Neuauflage. Und wie lange hält so ein Haus eigentlich? Roland Mayer muss nicht lange überlegen. „Ein Blockhaus hat eine Lebensdauer von 400, eher 600 Jahren.“ Eine Zeitspanne, die weit über das Leben seiner vier fleißigen Bauherren hinausreicht. Und ziemlich sicher ist auch genau das der Reiz dieses Projekts: etwas zu schaffen, das bleibt.

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