© Roland Pittner

Chronik Burgenland
03/18/2020

Südburgenlandmanager: „Die S7 kommt 20 Jahre zu spät“

Werner Unger soll die südlichen Bezirke weiter bringen, er startet eine Betriebsansiedelungsagentur

von Roland Pittner, Thomas Orovits

Werner Unger tauschte im Oktober 2016 seinen Job als Coca-Cola-Manager gegen das Südburgenland. Seither ist er in Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf unterwegs, um Wirtschaft und Kommunen zu vernetzen. Bald soll er Unterstützung bekommen.

KURIER: Braucht das Südburgenland noch einen Manager?

Werner Unger: In Oberwart und Pinkafeld läuft es, aber in Güssing und Jennersdorf könnte es noch besser sein. Ich kümmere mich um die Technologiezentren. In Güssing soll ein Coworking Space und ein Zentrum für Start Ups entstehen. Auch in Jennersdorf gibt es viel zu tun, hier sehe ich Potenzial die Stadt besser zu vermarkten.

Was hat sich seit ihrem Dienstantritt im Südburgenland verändert?

Einige Ziele, die ich mir damals gesetzt habe, sind bereits umgesetzt. Die Holzverladung kommt noch im März von der Oberwarter Innenstadt weg. Die S7 wird gebaut – mein Part war von Anfang an, die Koordination mit der Asfinag für Park-and-Ride-Anlagen entlang der Schnellstraße. Auch bei der interkommunalen Zusammenarbeit sind wir weiter gekommen.

Ein Kritikpunkt ist oft der öffentliche Verkehr im Süden, was tut sich hier?

Die Planungen für die Elektrifizierung von Jennersdorf nach Graz laufen. Auch die Pendlerbusse von Güssing und Oberwart nach Graz wurden gestartet. Nach Wien gibt es die G1-Linie, die gut funktioniert.

Was wird die S7 für die Region bringen?

Die S7 kommt 20 Jahre zu spät. Aber es wird eine wichtige Lebensader für die ganze Region. Jetzt profitieren schon viele Gastronomen und Pensionen von den Bauarbeitern, die hier sind. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden sich aber erst in fünf bis zehn Jahren zeigen.


Sie sind auch Geschäftsführer im Businesspark Heiligenkreuz, wie steht es dort mit neuen Ansiedlungen?

Ich bin in Heiligenkreuz für 70 Hektar Fläche zuständig, das Tagesgeschäft ist herausfordernd. Es gibt Interesse von Seiten der Betriebe; wir haben hier 509 Arbeitsplätze. Lenzing hat erst vor Kurzem 70 Millionen Euro in den Standort investiert und auch 8,5 Hektar Grund dazugekauft.

Wie schwer ist es, Betriebe vom Süden zu überzeugen?

Wir hatten bisher keine professionelle Betriebsansiedelungsagentur, die soll jetzt kommen. Sie wird in Güssing sitzen und die Gewerbegebiete im Süden betreuen und vermarkten. Wir arbeiten auch an einer Lehrstandsdatenbank, damit wir nicht 72 Gemeinden durchrufen müssen, wenn eine Firma ein Grundstück kaufen, oder eine Halle mieten will.

Ist das Südburgenland durch den Wegfall der Ziel-1-Förderung noch attraktiv für Unternehmen?

Wir sind gerade dabei, eine neue Förderungsrichtlinie auszuarbeiten; hier soll das Südburgenland zusätzliche Mittel bekommen. Aber es ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz, Firmen nur über Förderungen zu locken.

Mit welchen Stärken könnte der Süden gegen den prosperierenden Norden punkten?

Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, der Norden profitiert von Wien. Im Süden gibt es so etwas nicht. Wir punkten mit der Arbeitseinstellung der Südburgenländer und einer Work-Life-Balance, die immer wichtiger wird. Viele unserer Schulen würden in Wien als Privatschulen durchgehen: kleine Klassen und bestens ausgestattet.

Das Südburgenland als Florida Österreichs – ein wünschenswertes Szenario?

Wir sind nicht Florida, wir brauchen nicht nur Pensionisten die zuziehen, sondern auch hoch qualifizierte Mitarbeiter für den Süden.

Zweiter Standort für Krages und Wibug

Landeshauptstadt und Sitz des Landtages und der Landesregierung ist die Freistadt Eisenstadt“, heißt es in Artikel 7 der Landesverfassung. Dennoch sollen in Zukunft nicht mehr alle Wege  nach Eisenstadt führen. Im Programm der SPÖ-Alleinregierung findet sich an mehreren Stellen das Bekenntnis, Teile der Landesverwaltung und ausgelagerter Landesgesellschaften in andere Landesteile zu verpflanzen.

„Sofern möglich“ – so steht es unter Punkt 150 (von insgesamt 184) – sollen Kompetenzen verlagert werden, „mit einem Fokus auf den Landessüden“. In der Bezirkshauptmannschaft Güssing soll zum Beispiel das zentrales Strafamt für das ganze Land angesiedelt sein. Im Zuge des Neubaus eines Krankenhauses in Oberwart sollen auch Teile der Verwaltung aus der Eisenstädter Krages-Zentrale in die Südmetropole übersiedeln – in „enger Abstimmung mit der Belegschaft“, wie es bei Punkt 21 heißt. Die Leitung von Krages sowie Gesundheitsfonds soll „weiter in Eisenstadt“ bleiben. Ein konkretes Datum ist dafür nicht genannt, das neue Oberwarter Spital soll 2024 in Betrieb gehen.

Krages

Früher gab es auch Pläne einer kompletten Absiedelung der Krages-Zentrale. Die Überlegung: Keines der vier Krages-Spitäler befindet sich in Eisenstadt.  Aber nicht nur die Spitalstochter des Landes soll im Südburgenland einen zweiten Standort bekommen, auch die Förderstelle des Landes. Die Wirtschaft Burgenland, derzeit ebenfalls mit Sitz in der Landeshauptstadt, soll „im Landessüden regionalisiert werden“, so lautet Punkt  8 des roten Regierungsplans. 

Von der Dezentralisierung profitieren soll auch der Bezirk Mattersburg, wo   in den kommenden Jahren alle Ombudsstellen des Landes  (vom Patienten- bis zum Kinderanwalt) gebündelt werden sollen. Zusätzlich werden zwei neue Ombudsstellen für Behinderte sowie für Pensionisten eingerichtet. Das neue Kulturzentrum Mattersburg wird auch Heimstätte für Landesarchiv und Landesbibliothek, die „mehr in die Mitte des Landes“ rücken sollen.