Steirischer Biobauer lenkt Burgenlands Biogenossenschaft
Umbruch bei der Biogenossenschaft Burgenland. Die Geschäftsführung wird neu besetzt und der Standort von Neutal im Bezirk Oberpullendorf nach Wolfau (Bezirk Oberwart) verlegt.
Bereits seit einigen Monaten hat die 2021 gegründete Genossenschaft auch einen neuen Obmann, den Biobauern Andreas Fink aus dem steirischen Grafendorf, nahe der burgenländischen Grenze. Wie ein Steirer Obmann der burgenländischen Biogenossenschaft werden konnte? „Ich bin selbst ein bisschen unschuldig dazugekommen“, sagt Fink zum KURIER.
Was für ihn gesprochen haben könnte, ist seine jahrelange Erfahrung in der Belieferung der Gastronomie mit biologischen Lebensmitteln. Der Familienbetrieb der Finks nahe Hartberg produziert bereits seit 1975 biologisch. Der Auftrag des Landes Burgenland lässt hingegen keine Fragen offen: „Wir müssen die öffentlichen Küchen des Landes mit einem Bio-Komplettsortiment versorgen“, erläutert Fink.
Ziel zu hoch gesteckt
Die vor fünf Jahren gegründete Biogenossenschaft ist operativer Arm der von der damaligen roten Alleinregierung ausgerufenen Biowende. Bis Ende 2024 sollte es auf den Mittagstischen von Ämtern, Kindergärten und Landesschulen 100 Prozent biologische Lebensmittel geben. Das war zu ambitioniert, wie sich herausstellte. Mittlerweile gibt man es billiger und um die Biowende wurde es still und stiller. Nichts mehr zu hören ist auch von der Bio-Molkerei, die SPÖ-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil zwischenzeitlich aufs Tapet brachte.
Die Biogenossenschaft versteht sich als Vermarktungsplattform für biologische Lebensmittel. Die Genossenschaft bündelt nach eigenen Angaben das Angebot regionaler Direktvermarkter und Verarbeitungsbetriebe und beliefert Großküchen, Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen, Hotels und Gastronomiebetriebe.
Mit anderen Worten, der Zwischenhandel wird ausgeschaltet. Dadurch solle es „faire Preise für Konsumenten und bessere Planbarkeit für Landwirte und Produzenten“ geben, so die Hoffnung der Landesregierung. Gut 950.000 Euro flossen in den ersten drei Jahren in die Genossenschaft, das Geld kam von Europäischer Union, Bund und Land. Laut Kennern der internen Abläufe laufen die EU-Förderungen demnächst aber aus, ohne Aufträge des Landes wäre die Genossenschaft „nicht überlebensfähig“, heißt es.
Landesküchen
Dazu passt, dass die Gästehäuser und Küchen Burgenland GmbH, Teil der Landesholding, mittlerweile größter Genossenschafter sind. Küchen-Geschäftsführer Klaus Glavanics ist auch im Vorstand der Genossenschaft vertreten.
Was auch gesagt werden muss: Der Umsatz der mit insgesamt nur fünf Mitarbeitern sehr schlanken Genossenschaft ist zuletzt deutlich gestiegen, aktuell dürfte er bei rund 3,5 Millionen Euro liegen. Die vermarkteten Lebensmittel kommen zu 95 Prozent aus dem Burgenland.
Die Bewerbungsfrist für die Geschäftsführung läuft laut Landesamtsblatt noch bis 15. Juni. Der seit 2021 amtierende frühere Landestourismusdirektor Hannes Anton verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand.
Als Dienstort für seinen Nachfolger in der Geschäftsführung der Biogenossenschaft ist in den Bewerbungsunterlagen Wolfau angegeben – übrigens nicht weit entfernt von Finks Heimat. Das Land hat dort in der Nähe der Südautobahn eine Logistikhalle gekauft, in der nicht nur die Büros der Genossenschaft Platz finden, sondern auch die Lebensmittel zwischengelagert werden sollen. In Neutal gibt es dafür nur ein kleines Kühlhaus. Wann Wolfau bezugsfertig ist? Dass es sich heuer noch ausgeht, werde „knapp“, sagt Obmann Fink.
Kommentare