Hier sind die 16 Männer seit März 2015 untergebracht, der Widerstand in der Bevölkerung ist verflogen

© /Roland Pittner

Flüchtlinge
02/23/2015

Steiniger Weg bei Suche nach Quartier

Burgenland liegt bei der Erfüllung der Asylquote hinten nach / An neuen Unterkünften wird gewerkt.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Ende Jänner hätten die Bundesländer die Quote bei der Unterbringung von Flüchtlingen erfüllen sollen. Drei Bundesländer haben es nicht geschafft, darunter – neben Oberösterreich und Kärnten – das Burgenland. "Derzeit liegen wir mit einer Quote von 87 Prozent am letzten Platz", räumt Wolfgang Hauptmann ein. 1000 Asylwerber werden derzeit im Burgenland versorgt, 150 Plätze würden fehlen, erklärt der Leiter des Referates für Grundversorgung im Amt der Burgenländischen Landesregierung.

Hauptmann ist im Dauereinsatz und mittlerweile rund um die Uhr am Hörer, um geeignete und längerfristige Quartiere für die Flüchtlinge zu finden, wie er sagt. Ein Ende der Herbergsuche ist nicht in Sicht. "Wir haben Prognosen angestellt, demnach bräuchten wir jedes Monat Quartiere für 30 neue Flüchtlinge." 100 neue Plätze, die demnächst belegt werden sollen, habe man im Talon. 150 sollten es sein.

Im ehemaligen Zollhaus in Luising (Bezirk Güssing) wird momentan unter Hochdruck gearbeitet. In den kommenden Wochen sollen 20 bis 25 Flüchtlinge in das Gebäude, das im Eigentum der landeseigenen Immobiliengesellschaft Belig steht, einziehen. Der Ausblick, der die neuen Bewohner in der rund 130-Seelen-Ortschaft erwartet, verspricht herr(schaft)lich zu werden: Direkter Anrainer ist Lobbyist, Landwirt und Jagdherr Alfons Mensdorff-Pouilly.

Bürgermeister Gerhard Schrantz (ÖVP) hat durch Medienberichte von der geplanten Ankunft der Flüchtlinge erfahren. "Grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, aber es sollte im Rahmen bleiben. 25 Personen wären schon viel", sagt Schranz zum KURIER.

Info für Bevölkerung

Übermorgen, Mittwoch, ist in Luising eine Informationsveranstaltung geplant, bei der die Vertreter des Landes sowie der Betreiber über das Vorhaben aufklären sollen. Der Arbeiter Samariter Bund (ASB) wird das neue Asylheim – es wird ein Selbstversorgerquartier – betreiben, ebenso wie zwei bis drei weitere Unterkünfte. In der Tourismus-Gemeinde Podersdorf (Bezirk Neusiedl am See) sollen bis zu 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden. Die ersten Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren werden demnächst erwartet, erklärt ASB-Geschäftsführer Wolfgang Dihanits. "Das Personal hat am Freitag bereits eine erste Einschulung bekommen."

In Oberpullendorf werden im ehemaligen Amtsarzt-Gebäude, das ebenfalls der Belig gehört, Vorbereitungen getroffen, um 20 bis maximal 25 Personen ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Auch hier wird der ASB den Betrieb übernehmen, ebenso vermutlich in Jennersdorf, wo im früheren Bauamt Platz für sieben Flüchtlinge geschaffen wird.

Daneben gibt es etliche "kleinere Unterkünfte, die von Privaten betrieben werden, erklärt Hauptmann. "Das sind alles Idealisten, denn für Private ist mit Flüchtlingsunterkünften kein Geld zu verdienen."

Hauptgrund für das bisherige Scheitern bei der Erfüllung der Asylquote sei Widerstand in Gemeinden. "In den vergangenen Monaten wurden 175 potenzielle Plätze für Asylwerber politisch verhindert." Jetzt sollen die Bürgermeister sensibilisiert werden. Bei einem Runden Tisch am vergangenen Mittwoch, der mit Vertretern des Gemeinde- und Städtebundes über die Bühne gegangen ist, habe man die Problematik noch einmal dargelegt. "So kann es nicht weiter gehen. Ich hoffe, dass der Gegenwind nun endlich nachlässt", sagt Hauptmann.

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