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Nach Anzeige durch das Land: Pflegeheim-Chefin bricht ihr Schweigen

Petra Wagner bestreitet finanzielle Unregelmäßigkeiten und verweist auf jahrelange Kontrollen, vorgelegte Unterlagen und ein Kaufangebot der Landesimmobilien.
Frau im weißen Blazer sitzt vor Papieren und macht eine Handgeste.

Von Gernot Heigl

Der Konflikt um das Seniorenhaus Wagner in Rudersdorf im Bezirk Jennersdorf spitzt sich zu. Das Land Burgenland hat die Tagsatzvereinbarung mit dem privaten Pflegeheim per 31. Juli gekündigt und eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt eingebracht. Nach Prüfung wurden Erhebungen eingeleitet, die Kriminalpolizei wurde mit Nachforschungen beauftragt. Für Betreiberin Petra Wagner gilt die Unschuldsvermutung, der KURIER berichtete.

Im Raum stehen mutmaßliche finanzielle Unregelmäßigkeiten und falsche Abrechnungen. Der mögliche Schaden wurde vom Land mit bis zu 270.000 Euro jährlich beziffert. Wagner weist die Vorwürfe in einer schriftlichen Antwort zurück. Sie habe das Heim im Jahr 2002 eröffnet und seither ohne Unterbrechung betrieben. Eigentümerin der Liegenschaft sei die Wagner Pflegeheim Betriebs GmbH, deren Geschäftsführerin sie sei. Zusätzlich arbeite sie als diplomierte Krankenschwester im Haus, erledige Verwaltungstätigkeiten und habe laut eigenen Angaben 24 Stunden Rufbereitschaft an 365 Tagen im Jahr.

„Sauber gewirtschaftet“

„Ich habe mir seit Anbeginn nichts zu Schulden kommen lassen“, schreibt Wagner auf eine Anfrage des KURIER. Sie habe sämtliche Richtlinien eingehalten und „ordentlich und sauber gewirtschaftet“. Ihre Abrechnungen seien von der Landesabteilung monatlich geprüft worden, dazu seien regelmäßig unangekündigte Kontrollen gekommen. Relevante Beanstandungen habe es laut Wagner nicht gegeben.

Ein Streitpunkt betrifft Unterlagen zum Verwaltungspersonal. Wagner bestreitet, diese verspätet oder unvollständig übermittelt zu haben. Ein Schreiben des Landes vom 24. April 2025 nennt als Frist für den Nachweis den 15. September 2025.

Frage um Gehälter

Auch weitere Vorwürfe weist Wagner zurück. Zwei Mitarbeiter seien ursprünglich als Pflegeassistenten eingestellt worden. Seit Einführung eines neuen Abrechnungstools 2024 hätten sie höhere Qualifikationen gehabt und seien entsprechend eingestuft, entlohnt und abgerechnet worden.

Zu Rufbereitschaften verweist Wagner auf Dienstpläne und Anrufübersichten. Ein Geschäftsführungsgehalt habe sie dem Land nicht verrechnet. Die Richtlinien würden eine solche Verrechnung erst ab 29 Betten vorsehen; das Haus hat 18 Betten.

Wagner wirft dem Land im jüngsten Schreiben an den KURIER eine „Kommunikationssperre“ vor. Von angeblichen Diskrepanzen habe sie nur über Medien erfahren. Auch nach Bekanntwerden der Kündigung habe kein Entscheidungsträger mit ihr gesprochen. Eine Rolle spielt auch die Immobilie. Wagner bestreitet, dem Land das Heim zum Kauf angeboten oder überhöhte Forderungen gestellt zu haben. Vielmehr habe die Landesimmobilien Burgenland ihr 2022 ein Kaufangebot gelegt: 1,55 Millionen Euro exklusive Umsatzsteuer, also 1,86 Millionen Euro inklusive Umsatzsteuer. Ein privates Angebot über 2,2 Millionen Euro habe sie ebenfalls nicht angenommen. 2024 sei die Immobilie um 1,9 Millionen Euro an die Wagner Pflegeheim Betriebs GmbH verkauft worden.

Klage gegen Kündigung

Gegen die Kündigung hat Wagner Klage eingebracht. Sie will damit nach eigener Darstellung Schaden von den Bewohnern abwenden. Betroffen wären 18 pflegebedürftige Menschen im Alter von 67 bis 100 Jahren sowie 13 Beschäftigte. Monatlich geht es um Tagsatzüberweisungen von rund 115.000 Euro. Ob die Kündigung hält und ob sich die Vorwürfe erhärten, müssen Gericht und Ermittlungsbehörden klären.

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