Chronik | Burgenland
23.05.2017

Schwergewichte gegen Nachwuchskraft

Am 24. Juni beschließt die SPÖ ihre Kandidatenliste für die vorgezogene Nationalratswahl am 15. Oktober. Dass der Parteirat, zweithöchstes Gremium der Sozialdemokraten, im Kulturzentrum Eisenstadt Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (46) auf den Schild hebt, ist reine Formsache – ebenso die Kür des dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer (46) bei den Blauen.

Dass sich die in Kurz-Euphorie schwelgende Volkspartei noch Zeit lässt, erklärt ÖVP-Landesgeschäftsführer Christoph Wolf mit einer Verbreiterung der Kandidatensuche, für die allererst das Parteistatut geändert werden müsse. Danach soll bis Ende Juni die Nominierung erfolgen, danach die Kandidierung auf der Liste nach dem Reißverschlusssystem (Männer und Frauen abwechselnd).

Dass sein SPÖ-Pendant Christian Dax Landtagsmandatar Patrik Fazekas als Spitzenkandidat erwartet, amüsiert Wolf im KURIER-Gespräch: "Dann weiß er mehr als wir". Wolf versichert, das Rennen sei vollkommen offen, ja theoretisch sei sogar möglich, dass ein Nicht-ÖVP-Mitglied die Liste anführe.

Aber: Der 27-jährige Neutaler Fazekas, der seine Feuertaufe 2014 bei der EU-Wahl bestand und 2015 auf einem Vorzugsstimmenmandat als jüngster Abgeordneter in den Landtag einzog, ist mehr als ein heißer Tipp. Der Chef der Jungen Volkspartei ist auch Vizechef im Bund – und war damit bis zum jüngsten Karrieresprung von Kurz dessen Stellvertreter. Mitte März hat Fazekas den bundesweiten "Klub der JVP-Abgeordneten" initiiert, "da mir Kommunikation und Vernetzung in unserer Arbeit wichtig" sind. Was sagt er zu einer möglichen Kandidatur? "Personal- und Kandidatenspekulationen sind Politik von gestern – dabei mache ich nicht mit". Kurz möchte die besten Köpfe des Landes. Fazekas: "Die wird er auch bekommen, davon bin ich überzeugt". Zu den Chancen von Nationalrat Niki Berlakovich, Spitzenkandidat bei der Wahl 2013, heißt es in der ÖVP: "Wenn Kurz die Erneuerung will, kann kaum alles beim Alten bleiben..." Der 55-jährige Ex-Minister Berlakovich bleibt gelassen: Das sei alles "Spekulation".