Chronik | Burgenland
02.09.2018

Rust: Eintauchen in eine Welt der Märchen

Tina Mooslechner beschreitet mit ihren Hotels – darunter dem kleinsten des Landes – neue, kreative Wege

„Schon im zarten Alter von 15 Jahren hab ich gewusst: ich will Künstlerin werden.“ Doch mit Träumen allein hat sich Tina Mooslechner nicht begnügt. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof im Pongau hatten ihr die Eltern ein Studium an der Kunsthochschule nicht erlaubt. Ins künstlerisch-kreative Metier hat es die gebürtige Salzburgerin dennoch geschafft.

„Ich will große Sachen machen“, sagt Mooslechner. Und diese können durchaus auch von der Dimension des Körpers her gesehen klein sein. So wie ihr „kleinstes Hotel Österreichs“. Mitten in der Ruster Altstadt, dem UNESCO-Welterbe-Gebiet gelegen, befindet sich das Kleinod. Mit einer Grundfläche von 22 Quadratmetern bietet die Suite zwei Personen auf drei Etagen genügend Raum zum Entfliehen aus dem Alltag. Die Welt, in der sie da eintauchen, ist eine märchenhaft anmutende.

Jedes Detail wurde von Tina Mooslechner selbst kreiert und drapiert – vom Fußboden über die Decken und Lüster bis zur Wandmalerei. Das opulente und verspielte – alles trägt die Handschrift der Hausherrin, deren Märchenparadies unter dem Label TiMiMoo firmiert.

Über Dächern von Rust

Auch der Blick aus dem Fenster lohnt sich: Gleich davor, über den Dächern von Rust, haben im Sommer die Störche ihre Nester bezogen.

Jenes kleine Hotel ist es auch, das für Tina Mooslechner 1993 den Start in ein neues Leben bedeutete. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael, er ist Haubenkoch, hat es sie vor 25 Jahren in die Winzergemeinde am Neusiedler See verschlagen. Gemeinsam schupften sie die „Backstube“, damals war das Hotel ein winziges Lokal. „In der Zeit haben wir quasi zwischen Kühlhaus und Bügelbrett geschlafen.“

Heute ist ihr Refugium ein viel größeres. Entspannt sitzt die Gastgeberin im Betrieb Nummer zwei, dem Bürgerhaus mitten in der Altstadt von Rust. Den im Jahr 1535 erbauten Streckhof haben sie und ihr Mann gekauft und 2004 eröffnet. „Es war eine Ruine, wir mussten sogar den Kanal händisch graben.“ Von diesem Mühen ist heute nichts mehr zu spüren. Einige Jahre wurde hier unter zwei Hauben gekocht, heute werden „Bed&Breakfast“ geboten.

Auch das Bürgerhaus bietet viele kleine Bühnen für den Schaffensdrang der Hausherrin. Die elf Suiten wurden von ihr gestaltet, einiges vom Interieur ist in ihrem Atelier im Obergeschoß entstanden. Im Herbst will sie Interessierte zu einem Workshop laden (Infos: www.timimoo.at).

Wer sich nachkulinarischen Genüssen sehnt, den bedient die Künstlerin im Café Très Chic nebenan. Derweil kocht ihr Mann Michael in einem weiteren Betrieb, dem Rusterhof oder Gasthaus Stickler genannt.

„Paris oder Rust?“

Gearbeitet hat Tina Mooslechner in vielen Bereichen, u. a. war sie als Visagistin und Bodypainterin tätig. Dabei hatte es bis nach oben geschafft. Ihr erster Auftrag als Selbstständige war ein Shooting für den Pirelli-Kalender. „Ich war viel unterwegs, bin um die ganze Welt gereist“, erzählt Mooslechner. Doch irgendwann habe sie vom Jetset genug gehabt. „Da stand ich dann vor der Entscheidung: Paris oder Rust.“