© Roland Pittner

Chronik Burgenland
02/20/2020

Roboter lehrt Kinder das Grüßen

Viele Eltern sind ihren Kindern kein Vorbild mehr. Im Eingangsbereich der Volksschule Oberwart begrüßt ein Roboter die Schüler.

von Roland Pittner, Stefanie Rachbauer

„Guten Morgen – ich wünsche dir einen schönen Tag“, sagt Rob in burgenländischem Dialekt. Oder auf Ungarisch, Kroatisch und sogar auf Englisch – je nachdem, welchen Knopf die Schüler der Volksschule Oberwart drücken. Denn Rob ist ein Roboter – und so etwas wie ein automatisierter Benimmpapst.

Jeden Morgen begrüßt er die Kinder. Grüßen sie ihn zurück und schütteln sie ihm die Hand, entgegnet er: „Schön, dich zu sehen, mein Name ist Rob.“ Ignorieren die Schüler den Roboter, wird auch er unhöflich: „He – hast du nicht was vergessen?“

Genau das haben in Oberwart zuletzt immer mehr Schüler getan: Stumm betraten sie morgens die Schule. Direktorin Roswitha Imre versuchte zwar, das zu ändern: „Früher war ich der Roboter und habe alle Kinder beim Hereinkommen gegrüßt“, sagt sie. Allerdings oft ohne Erfolg. Nun übernimmt Rob diese Aufgabe.

Austausch per Handy

Die Jugend, die nicht mehr grüßt: Das ist ein oft gehörtes Lamento. Aber ist da auch etwas dran? „Ja“, sagt Bettina Gruber, die mit ihrem Wiener Unternehmen „Kinder-Knigge“ für Schulen Trainings in Sozialkompetenz anbietet. „Der persönliche Kontakt wird immer weniger. Da bleibt das Grüßen oft auf der Strecke.“

Verantwortlich dafür sei, dass vermehrt über Smartphones kommuniziert wird. „Wer ruft denn noch jemanden an?“, fragt Gruber. Vielmehr tausche man sich über Textnachrichten aus. Und selbst da komme das Grüßen zu kurz: „Man platzt gleich ins Thema und sagt zu Beginn nicht einmal ,Hallo‘.“ Kein Wunder also, dass Kinder mit der neuen Kommunikationstechnik das Grüßen verlernen würden.

Die Volksschule Oberwart will das mit dem elektronischen Helfer ändern. Mit Rob schlug sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Da die Schule an einem Erasmus-Projekt zu den Bereichen Coding und Robotik teilnimmt, mussten die Kinder ohnehin einen Roboter bauen. Sie entschieden sich letztlich für einen, der grüßen kann.

 

Ohne Smartphone geht scheinbar gar nichts mehr

Unterstützung kam von Experten von der HTL Pinkafeld: „So haben wir ein stabileres Modell entwickelt und mithilfe der Informatik-Schüler den Roboter programmiert“, sagt Direktorin Imre. „Die Kinder hatten große Freude dabei.“ Auch in Aktion kommt Rob gut an. Die Schülerinnen Selina und Jana-Ina finden den Roboter „cool“. Allerdings: Sie hätten immer gegrüßt, schon bevor Rob beim Eingang der Schule aufgestellt wurde, beteuern sie. Damit waren die beiden laut der Projektleiterin und Robotik-Lehrerin Marlene Ruiter-Gangol fast die einzigen: „Wir stehen oft im 1. Stock und es kommen 200 Kinder bei uns vorbei. Wenn wir sie grüßen, grüßen nur etwa fünf Prozent zurück.“

Eltern in der Pflicht

Doch nicht nur die Kinder sollen von Rob lernen – sondern auch deren Eltern. Das Projekt soll bei den Erziehungsberechtigten Bewusstsein für das Thema schaffen. „Das Problem ist, dass viele Eltern zu wenig Vorbild für die Kinder sind“, sagt Expertin Gruber. Der Grund sei oftmals Zeitmangel. „Begrüßungsrituale werden dann kaum noch gelebt. Und die Kinder verlernen sie.“

Neben dem auf Höflichkeit programmierten Roboter forcieren weiterhin auch die Lehrer das Grüßen. Sie werden das „Guten Morgen“ von den Schülern einfordern. Denn: Doppelt hält bekanntlich besser.

Grüß Etikette

Wer grüßt wen zuerst? 
Grundsätzlich gilt: Der Herr begrüßt die Dame, der Gastgeber die Gäste. Im beruflichen Kontext grüßt der Rangniedrigere den Ranghöheren 

Wie schüttelt man die Hände?
Beim Händeschütteln ist zu beachten: Der Händedruck sollte fest, aber nicht schmerzhaft sein 
 
Warum überhaupt grüßen?
Jemanden zu grüßen, ist laut Experten ein Zeichen der Wertschätzung. Mit  der Begrüßung  öffnet man sich seinem Gegenüber

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