Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Rätselraten um Rechenzentrum in Nickelsdorf

Im neuen Businesspark des Landes an der Ostautobahn soll ein Großrechenzentrum errichtet werden, das viel Strom und Wasser benötigt. Die Landesholding bestätigt das nicht, es gibt aber schon skeptische Stimmen.
FILE PHOTO: U.S. supercomputer to be powered by Nvidia's forthcoming Vera Rubin chips

So weit wie im oberösterreichischen Kronstorf, wo die zweite Ausbaustufe eines Google-Rechenzentrums zur Bewilligung eingereicht wurde, ist man im Burgenland noch lange nicht. Aber auf dem Weg dorthin, wie Profil am Freitag berichtete.

Angesiedelt werden könnte ein Rechenzentrum an der A4 bei Nickelsdorf, im jüngsten Businesspark unterm Dach der Landesholding. Im Zuge des Umwidmungsprozesses sei der Gemeinde von der Holding-Tochter „Wirtschaftsagentur“ vermittelt worden, „dass hier ein Rechenzentrum entstehen soll“, wird Bürgermeister Gerhard Zapfl (SPÖ) zitiert. 

Seither werde Nickelsdorf außen vor gelassen, was den Ortschef ärgert: „Es betrifft meine Gemeinde. Ich will ja wissen, wie viele Arbeitsplätze das dann sind, wie viel Energie benötigt wird, wie viel Wasser.“ Näheres werde er erst bei einem Termin Mitte August erfahren. Ob bei dem Termin auch schon mögliche Investoren oder „nur“ Vertreter der Wirtschaftsagentur anwesend sein werden, ist offen – wie vieles in dieser Causa, bei der das Land dem Vernehmen nach um „Geheimhaltung“ bemüht war.

Ball weitergespielt

Als der KURIER am Freitagnachmittag bei der Holding nachfragt, heißt es, man könne „konkrete Planungen für ein Großrechenzentrum nicht bestätigen“. Es gebe „keinen umsetzungsreifen Plan für die Errichtung“ eines solchen Zentrums. Für das Grundstück in Nickelsdorf und andere Flächen der Wirtschaftsagentur „werden laufend mit unterschiedlichen Interessenten Gespräche zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts geführt“.

Was „einzelne Projektideen anlangt“, verweist ein Sprecher der Landesholding an die Netz Burgenland, eine 100-Prozent-Tochter der Burgenland Energie. Die Netzgesellschaft müsste für die Herstellung der benötigten Infrastruktur und die Einbindung ins Stromnetz sorgen.

Viel konkreter wird es auch dort nicht: „Aktuell liegen bei Netz Burgenland mehrere Anfragen für solche Projekte vor“. Aufgrund „zwingender regulatorischer Vorgaben“ könne man aber keine weiteren Informationen erteilen, heißt es.

Skepsis vor Ort

So unbestimmt wie die Pläne ist auch der Businesspark in Nickelsdorf. Fix ist, dass die Raumplanungsbehörde des Landes im Vorjahr die Flächenwidmung als Betriebsbauland genehmigt hat. Auf der Homepage der Landesholding findet sich dieser Businesspark – der mittlerweile siebente des Landes und der dritte im Bezirk Neusiedl/See – noch immer nicht. Das Areal liegt bei der A4-Abfahrt Mönchhof auf Nickelsdorfer Hotter. Daneben befinden sich u. a. das Zentrallager einer Möbelhauskette und ein alter Gutshof. Der Businesspark soll interkommunal sein, wie viele Gemeinden mitmachen, war am Freitag aber nicht zu erfahren.

Der Landwirt und frühere Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (ÖVP) sieht die Ansiedelung eines Rechenzentrums angesichts jetzt schon bestehender Konflikte um die Wassernutzung kritisch. Und der Nickelsdorfer ÖVP-Vizebürgermeister Helmut Pecher sagt: „Wenn nur Energie und Wasser verbraucht und keine Arbeitsplätze geschaffen werden, bin ich dagegen“.

Kommentare