Chronik | Burgenland
17.04.2017

Polizei: Mutter und Tochter in Uniform

Karina Platzer (46) und Tochter Hannah (19) haben fast zeitgleich Ausbildung absolviert.

Viel hätte nicht gefehlt und Mutter und Tochter wären gemeinsam auf der Schulbank gesessen. Karina Platzer (46) hat ihre sechsmonatige Basisausbildung für den Fremden- und Grenzpolizeilichen Dienst Ende Februar abgeschlossen, die 19-jährige Tochter Hannah ist gerade mittendrin und büffelt mit ihren 31 Lehrgangskollegen (sieben Frauen und 24 Männer) noch bis Ende Juni, ehe auch sie in den Grenzeinsatz geschickt werden. Vielleicht steht sie dann Seite an Seite mit ihrer Mutter, die seit eineinhalb Monaten an der A4 und der B10 bei Nickelsdorf stationiert ist.

Als der KURIER die Frauen trifft, hat Karina Platzer einen 24-Stunden-Dienst hinter sich, Hannah Platzer eine anstrengende Woche voller Tests – dennoch strahlen Mutter und Tochter übers ganze Gesicht: Beide haben ihren Traumjob gefunden. Auch wenn es bei der Mutter etwas länger gedauert hat.

"Ich wollte schon immer zur Polizei", erzählt Karina Platzer. Als Sportschützin im Polizeisportverein Burgenland "war ich immer von Polizisten umgeben". Mit 21 hatte sie aber ein festes Jobangebot und wurde zunächst medizinisch-technische Fachkraft in einem Krankenhaus, danach studierte sie an der Uni Krems Sozialmanagement. Der Traum von der Uniform schien da schon ausgeträumt, denn "mit 30 war ich zu alt", sagt die sportliche Steinbrunnerin lachend. Aber die Flüchtlingskrise änderte alles. Weil plötzlich Personal für den Grenzschutz händeringend gesucht wurde, fiel das Alterslimit für die Aufnahme in den Polizeidienst. Der stellvertretende Landespolizeikommandant Werner Fasching, als Sportschütze Platzers Kollege, machte sie aufmerksam. Für Platzer war klar, diesmal würde sie nicht zaudern. "Ich sagte mir: Okay, wenn nicht jetzt, wann dann?"

Weil man einen zum Greifen nahen Traum nicht mehr loslässt, hat sich die Spätberufene monatelang akribisch vorbereitet und schaffte den Aufnahmetest in Theorie und Praxis souverän. Dass das Auswahlverfahren eine echte Hürde ist, zeigt sich daran, dass nur jeder siebente Bewerber aufgenommen wird. Das Lernen ist übrigens noch nicht zu Ende, Absolventen der sechsmonatigen Basisausbildung müssen innerhalb von drei Jahren noch einmal 18 Monate auf die Schulbank, dann sind sie vollwertig ausgebildete Polizisten.

Nichts für die Männer

Während Karina Platzer in ihrem Kurs mit 27 Teilnehmern die Älteste war, ist Tochter Hannah in ihrer Klasse die Jüngste. Für sie war schon lange klar, dass sie in einen rechtskundigen Dienst möchte, "wo ich Gerechtigkeit schaffen kann". Für die Polizei hat sie sogar die Maturaschule unterbrochen. Die Reifeprüfung könne man nachholen, aber "diese Chance" wollte sie "nicht sausen lassen". Wie gefällt‘s ihr? "Super" – obwohl "sehr viel zu lernen" sei. Auch die Schießausbildung bereitet ihr keine Zores, obwohl sie mit ihrer Mutter früher nur selten am Schießplatz war. Dafür ist Hannah Platzer passionierte Bogenschützin. Den Bogen heraußen hat sie auch beim Tanzsport, Standard und Lateinamerikanische Tänze betreibt sie in Wr. Neustadt, wo sie mit ihrem Freund lebt, auf hohem Niveau.

Apropos Männer: Der Ehemann von Karina Platzer und Papa von Hannah steht voll hinter seinen starken Frauen, selber hat‘s der Pflegeleiter eines Wiener Spitals aber nicht so mit der Uniform. Er fahre lieber mit dem Motorrad, lacht Ehefrau Karina.

Und der Freund von Hannah Platzer würde auch nicht umsatteln wollen, "seit er gesehen hat, wie viel man bei der Polizei lernen muss", sagt Hannah mit einem Schmunzeln.