„Alles nur Bla-Bla“: Pflegeheim-Mitarbeiter wütend auf Politik
Die unzufriedene Belegschaft im Pflegeheim.
Von Gernot Heigl
Das Seniorenhaus Wagner in Rudersdorf steht leer. Gespenstische Ruhe herrscht dort, wo bis vor Kurzem 18 pflegebedürftige Personen wie in einer großen Familie gelebt haben und rund um die Uhr betreut worden sind. Wie berichtet, wurden die Bewohner auf Weisung des Landes in andere Heime umgesiedelt.
Bei einem KURIER-Lokalaugenschein zeigt sich das 14-köpfige Personal wütend und lässt an den verantwortlichen Politikern kein gutes Haar.
Auslöser ist die Tatsache, dass mit 1. August alle Angestellten schuldlos ihren Job verlieren. Obwohl Soziallandesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) in einer Presseaussendung vom 21. Juli erklärte: „Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seniorenhauses Rudersdorf werden vom Land nicht allein gelassen: Ihnen wurde Unterstützung angeboten, um möglichst rasch neue Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Pflegeeinrichtungen zu finden.“
„Alles nur Bla-Bla“
„Fakt ist, dass wir alle demnächst arbeitslos sind“, ärgert sich das enttäuschte Personal bei einer Mitarbeiterversammlung. Der gemeinsame Tenor der Belegschaft im Alter zwischen 25 und 57 Jahren: „Niemand vom Land hat mit uns geredet. Niemand der obrigen Herrschaften hat mit uns persönlich Kontakt aufgenommen. Bekommen haben wir lediglich einen Standardbrief, datiert mit Mai 2026.“
In dem Schreiben bedankt sich Schneemann explizit für Engagement, Erfahrung und professionelle Haltung in der Pflege. „Peinlich ist, dass das Schreiben mit gleichem Text nicht nur an das neunköpfige Pflegepersonal, sondern auch an die vier Reinigungskräfte und die Küchenangestellte gegangen ist“, so Stationsleiterin Susi König. „Nichts als scheinheilige Floskeln. Daran erkennt man auch die nicht vorhandene Ernsthaftigkeit in Bezug auf die Aussagen, dass man uns beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse unterstützen wird.“
Existenzen gefährdet
„Ich arbeite seit 20 Jahren hier, pendle aus Slowenien nach Rudersdorf und kann mich nicht beim AMS anmelden, weil ich hier keinen Hauptwohnsitz habe“, schildert Simon Frcko. So wie ihm geht es auch einer weiteren langjährigen Kollegin.
Michael Jost, seit 21 Jahren im Seniorenhaus Wagner: „Ich dachte, dass ich hier bis zur Pension arbeiten kann. Diesen Traum haben mir Doskozil und Schneemann zerstört. Auch wenn ich immer SPÖ gewählt habe, ab jetzt nie wieder.“ Nachdenklich ergänzt er: „Ich bin angefressen auf die Politik, aber vor allem bitter enttäuscht. Die Verantwortlichen sollen sich für ihre unmenschliche Vorgangsweise schämen. Zudem waren sie zu feig und haben sich bei der Umsiedlung nicht blicken lassen, dann hätten sie die Tränen und die Verzweiflung unserer Bewohner mitbekommen.“
Peter Knor spricht aus, was alle denken und mit Kopfnicken bestätigen: „Uns geht es allen nicht gut, wir fühlen uns richtig besch...“ Susi König: „Wir verstehen nicht, warum man unser Heim innerhalb von drei Monaten geschlossen hat. Man hätte warten können, bis Gerichte über die angeblichen Ungereimtheiten entschieden haben.“
Die Stationsleiterin weiter: „Aber statt auf den Ausgang der Verhandlung zu warten, hat man anhand unbestätigter Vorwürfe ein Heim zum Zusperren gezwungen, Pflegebedürftige aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen und das Personal arbeitslos gemacht. Die Herrschaften sollen sich selbst fragen, ob das ein soziales Vorgehen ist und wirklich der richtige Schritt war.“
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