Chronik | Burgenland
11.06.2018

Ohne Tafel bliebe Kühlschrank leer

Immer mehr sind auf Lebensmittel von der Tafel angewiesen, mehr als 460 Tonnen wurden 2017 verteilt

In der Pannonischen Tafel herrscht Freitagvormittag ein reges Kommen und Gehen. Frische Milch braucht eine Kundin, Brot und Salat werden eingepackt. „Für 2,50 Euro bekommen unsere Kunden einen ganzen Einkauf“, sagt Frau Susanne und schiebt die Einkäufe über die Theke. Sie arbeitet seit Jahresbeginn hier in Eisenstadt. Durch die „Aktion 20.000“ (ein Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose, Anm.) hat sie den Job bekommen, ihre Arbeit als Bankkauffrau habe sie verloren.

„In letzter Zeit kommen vermehrt Kunden aus Eisenstadt und Umgebung“, sagt Susanne. Auch Alois Szábo ist Eisenstädter und Stammkunde. Noch. Rund 550 Euro müsse er für seine kleine Wohnung berappen, sagt der Mindestsicherungsbezieher. Zum Leben bliebe kaum Geld übrig. Um sich die Miete zu ersparen, will er nun ein Mobilheim kaufen. „Das kommt mir auf Dauer günstiger“, meint Szábo. Die täglichen Einkäufe erledigt er in der Tafel.

60 Tonnen Lebensmittel verteilen die Gründerin der Pannonischen Tafel, Andrea Roschek, und ihr Team pro Monat an jene, die nicht so viel haben. 50 Ehrenamtliche helfen mit, ebenso vier Angestellte der „Aktion 20.000“.

Früh bis spät

Um 6 Uhr Früh beginnt der Arbeitstag, da werden nicht verkaufte Lebensmittel von den Supermärkten abgeholt, und endet gegen 21 Uhr. Ausgabestellen gibt’s in Eisenstadt und Oberpullendorf. Roschek geht es aber nicht nur um die Ausgabe von Lebensmitteln. Unterstützung bekommen die Klienten auch bei Behördenwegen, für Kinder gibt es eine Lernhilfe und für Obdachlose einen Platz zum Verschnaufen. Und beim Näh-Café werden nicht nur Änderungsschneidereien angeboten: es ist auch ein Treffpunkt für Frauen unterschiedlicher Kulturkreise.

„Wir sind ein Schmelztiegel der Nationen. Da sitzen oft Leute mit vier, fünf verschiedenen Religionen an einem Tisch und überlegen gemeinsam, wie sie anderen helfen können“, sagt Roschek. Was sie sich wünscht? „Dass wir den Betrieb erhalten können.“ Sie ist auf Spenden angewiesen, ebenso wie das Rote Kreuz. Denn auch die Team Österreich Tafeln des Roten Kreuzes verzeichnen immer mehr Zulauf. 2010 wurden die Einrichtungen gegründet. Damals gab es 8537 Kundenbesuche, 2017 waren es schon 18.351. Die Zahl der registrierten Kunden stieg auf mehr als 1000 an. In jedem Bezirk gibt es eine Ausgabestelle, im Bezirk Neusiedl am See sogar zwei.

2017 wurden 408 Tonnen Lebensmittel kostenlos oder für einen Unkostenbeitrag von zwei Euro verteilt. Die Waren werden von Supermärkten und Geschäften zur Verfügung gestellt. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter helfen beim Sammeln und Verteilen der Lebensmittel. „Wir waren am Anfang nicht sicher, ob Tafeln im ländlichen Raum funktionieren“, erklärt Rot-Kreuz Sprecher Tobias Mindler.

Jahre später ist klar: Die Tafel ist einer der größten Leistungsbereiche des Roten Kreuzes.

Tafeln verteilen in Österreich fast 2,5 Millionen Tonnen

Der Verband der österreichischen Tafeln hat im vergangenen Jahr insgesamt 2.414.839 Kilogramm Lebensmittel und Hygieneartikel vor der Vernichtung bewahrt. Mit den Warenspenden wurden rund 35.000 Armutsbetroffene über Ausgabestellen sowie in 155 Sozialeinrichtungen in weiten Teilen des Bundesgebiets versorgt.

Aufgabe und Ziel des Tafel-Verbandes   sei die flächendeckende Versorgung armutsbetroffener Menschen mit geretteten Lebensmitteln in Österreich. Noch immer werden jährlich rund 500.000 Tonnen genusstaugliche Lebensmittel vernichtet. Gleichzeitig seien 1,5 Millionen Menschen in Österreich armutsgefährdet oder von Armut betroffen.  Genaue Zahlen, wie viel Burgenländer von Armut betroffen sind, gibt es nicht.  

„Mehr als die Hälfte des Landesbudgets fließen in die Bereiche Soziales und Gesundheit“, sagt Soziallandesart Norbert Darabos (SPÖ).
Diese Mittel würden zielgerichtet eingesetzt, um vor allem  sozial Schwächere zu unterstützen. Dazu würden zahlreichen Initiativen für mehr Beschäftigung und eine aktive Arbeitsmarktpolitik kommen. Besonders für Altersgruppen, die nur schwer am Arbeitsmarkt Fuß fassen können. So versuche  das Burgenland über die regionale Initiative „50 plus“ das Ende der „Aktion 20.000“ abzufedern.  „Diese Schwerpunktsetzungen tragen  wesentlich dazu bei, dass so wenige Menschen wie möglich in die Armutsfalle geraten“, meint der Landesrat.