„Ehrliche Preise“ statt Billig-Obst: Warum Bauern um die Zukunft bangen

Viele Äpfel liegen verteilt im grünen Gras unter einem Baumstamm bei Sonnenlicht.
Sinkende Erlöse, strenge Vorgaben und schrumpfende Anbauflächen: Die Obstbauern sind mitten in einem Strukturwandel, der viele Betriebe an ihre Grenzen bringt.

Wenn Ihnen am 14. November in Eisenstadt ein Apfel gereicht wird, greifen Sie doch zu – und falls Sie einen heimischen Apfel im Supermarkt ihrer Wahl sehen, ebenso. Der Obstbauverband und die Landwirtschaftliche Fachschule Eisenstadt machen am heutigen Tag des Apfels auf die Herausforderungen der Branche aufmerksam. Denn trotz guter Erntebedingungen bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe schwierig.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, LK-Präsident Nikolaus Berlakovich und Obstbau-Verbandspräsident Johann Plemenschits nutzten den Aktionstag, um auf steigende Kosten, sinkende Erlöse und wachsende bürokratische Hürden hinzuweisen. Was der Branche am stärksten zu schaffen macht, weiß Obstbaupräsident Plemenschits.

Vier Erwachsene bereiten gemeinsam in einer Küche einen Apfelstrudel zu und verteilen Apfelstücke auf Teig.

Backen mit Seminarbäuerin Helene Milalkovits, Berlakovich, Haider-Wallner und Plemenschits.

Die neuesten Zahlen der Agrarstrukturerhebung zeigen einen klaren Trend: Zwischen 2017 und 2023 ist die Gesamtobstfläche in Österreich um 14 Prozent gesunken, gleichzeitig gingen 19 Prozent der Betriebe verloren.

Besonders betroffen sind die Steiermark und das Burgenland, zwei traditionelle Obstbauregionen. Dort spüren viele Betriebe die wirtschaftlichen Belastungen besonders stark. LK-Präsident Nikolaus Berlakovich bezeichnete diese Entwicklung als deutliches Warnsignal.

Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig

Neben den Folgen des Klimawandels setzen hohe Betriebs- und Lohnkosten, zunehmende bürokratische Auflagen und strenge Pflanzenschutzvorgaben den Betrieben zu. Vor allem viele kleinere Produzenten stehen unter Druck, weil die Preisentwicklung mit den steigenden Kosten nicht Schritt hält.

Ein Beispiel sind die steigenden Lohnkosten, seit 2016 haben sich diese um mehr als ein Drittel erhöht. Eine Preisanpassung sei am Markt kaum durchsetzbar. Zusätzlich erschwerten strengere EU-Vorgaben im Pflanzenschutz die Produktion. In den letzten zehn Jahren seien 123 Wirkstoffe nicht mehr zugelassen worden, dadurch ist „die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen wie Feuerbrand, Kirschessigfliege oder Wanzen schwieriger geworden“, so Plemenschits.

Obstanbau im Burgenland

Im Burgenland gibt es derzeit rund 172 Obstbaubetriebe, davon 111 mit intensiver Apfelproduktion. Die Hauptanbaugebiete liegen in Kukmirn, Klostermarienberg, im Gebiet Wiesen-Forchtenstein- Pöttsching sowie im Bezirk Neusiedl am See. Intensiv bewirtschaftet werden etwa 270 Hektar Tafeläpfel, extensiv rund 1.000 Hektar Streuobstwiesen.

  • Mit rund 72 Hektar liegen Marillen auf Platz zwei im ertragsfähigen Flächenvergleich,
  • Platz 3 geht an die Erdbeeren – hierzulande auch Ananas genannt – mit rund 55 Hektar.
  • Holunder (52 Hektar) und Walnüsse (45) folgen auf den weiteren Plätzen vor
  • Birnen (22), Kirschen (20), Pfirsiche/Nektarinen und Zwetschken/Pflaumen (jeweils 15).
Zwei rote Äpfel hängen an einem Ast zwischen grünen Blättern.

7.290 Tonnen Äpfel werden pro Jahr im Burgenland geerntet.

Berlakovich forderte „ehrlichere Preise“. In den vergangenen zehn Jahren seien die Obstbauern durch Klimawandel, gestiegene Betriebs- und Lohnkosten sowie neue Schädlinge stark belastet worden. Gleichzeitig seien die Marktpreise niedrig geblieben: „Wir brauchen faire Preise, damit weiter regional und umweltschonend produziert werden kann“. So wie Plemenschits fordert auch er eine Senkung der Lohnnebenkosten und die Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel zu verwenden, die in Nachbarländern bereits zugelassen sind. Nur so könne Wettbewerbsfairness innerhalb der EU gewährleistet werden.

Appell zur Regionalität

Haider-Wallner appellierte an die Bevölkerung, heimische Produkte zu bevorzugen. Burgenländische Äpfel stünden für Qualität, kurze Transportwege und faire Entlohnung. Wer regional kaufe, sichere die Existenz der Betriebe und leiste einen Beitrag zu nachhaltiger Produktion, betonte sie.

Kommentare