Nova Rock: The Cure veredelten mit stimmigem Set den zweiten Tag
The Cure haben den zweiten Nova-Rock-Tag mit einem wunderbaren Auftritt veredelt. Robert Smith zeigte sich auf der Blue Stage wie schon bei seinem letzten Gastspiel auf den Pannonia Fields in bester Laune und präsentierte ein melancholisch-stimmungsvolles Set. Black Label Society auf der Red Stage hatten Powerplay zu bieten. Mit The Pretty Wild, The Pretty Reckless und Pure Chlorine gab es spannende weibliche Stimmen zu hören. Abräumer waren The Offspring.
Dass es The Cure als Headliner auch zu später Stunde und im Jahr 2026 versteht, recht mühelos Zuschauerinnen und Zuschauer in ihr ureigenes Universum zwischen Rock, Pop, Punk oder New Wave zu ziehen, in dem Trauer und Freude höchst seltsam, aber sinnstiftend zusammenfinden, zeigte man gleich zu Beginn: Mit dem dahinmäandernden "Alone" vom aktuellen Album breitete sich der Soundteppich aus, zu dem Sänger und Ikone Robert Smith mit seiner Stimme den unverkennbaren und ultimativen Schlüssel bereithält. Trotz zunächst Minimal-Interaktion mit dem Publikum vor der großen Blue Stage, zeigte sich selbiges höchst dankbar und freute sich am Ende über den Überhit "Boys Don't Cry" - der Abend war emotional ein Gewinn.
Weniger subtil lief es parallel bei den Headlinern auf der Red Stage: Zum stampfenden Mitgröl-Metalcore von Ice Nine Kills wurde in Anlehnung an diverse Horrorfilme munter gemeuchelt. Bei der Show der Band aus Boston sorgten Statisten für Horrorszenen - fallweise mit funkensprühender Kettensäge oder mit Messer. Sänger Spencer Charnas verbreitete als Joker Schrecken (bei "The Laugh Track"), ein Hannibal Lecter labte sich genüsslich an einem Polizisten, Feuersäulen schossen in die Höhe, Flammen loderten und Hände wurden ausgerissen. Harte Breakdowns und extreme Vocals prägten den Soundtrack zur Blockbuster-Show, in der auch Slasher Michael Myers aus "Halloween" seinen Moment hatte ("Stabbing In The Dark").
Gitarrenfeuer und Ozzy-Tribut
Zakk Wylde, langjähriger Gitarrist von Ozzy Osbourne, kam mit seiner Band Black Label Society ins Burgenland und brannte ein Gitarrenfeuer nach dem anderen ab. Der 59-Jährige unterstrich seinen Ruf als Ausnahmekönner an dem Instrument. Sein Spiel ist unverkennbar. "Das ist ja auch das Schöne an der Gitarre, jeder Gitarrist hat seinen eigenen Anschlag, sein eigenes Gefühl dafür, ob er nun kraftvoll oder sanft spielt - das bestimmt den Wiedererkennungswert", sagte der Amerikaner gegenüber der APA. Zu hören gab es aktuelles Material aus dem Album "Engines of Demolition" wie auch den von Zakk mitgeschriebenen Ozzy-Klassiker "No More Tears". Dem verstorbenen Prince of Darkness widmete Mister Wylde, der sich auch gut am Mikro macht, mit "Ozzy's Song" ein Tribut.
Nach vielen Jahren unterwegs hat der Musiker die Lust am Tourleben nicht verloren. "Jeder Tag ist ein neues Abenteuer. Im Sport kommt man nach Arm-, Knie- oder anderen Operationen irgendwann an den Punkt, wo man aufhören muss. Aber bei Musik? Ich hätte Ray Charles zugehört, das Telefonbuch zu singen, wenn er 200 Jahre alt geworden wäre", versicherte Wylde.
Party pur mit 90er-Feeling
In die 1990er- und frühen 2000er-Jahre führten The Offspring zurück. Die US-Punkband punktete vor allem mit ihren älteren Gassenhauern. Songs wie "Pretty Fly (for a White Guy)" und "Self Esteem" funktionieren immer. Damit zogen sie die vielleicht größte Menge des Tages vor die Blue Stage. Auch sie gedachten Osbourne und brachten sein "Crazy Train", davor noch "Paranoid" - mehr Stimmung geht nicht.
Viel Wind und Windräder
Vor Black Label Society machten The Pretty Reckless Lust auf das demnächst erscheinende Album "Dear God". Sängerin und Bandleaderin Taylor Momsen war bei der Anreise von der nordburgenländischen Landschaft und vom Festivalgelände angetan. "Die Fahrt hierher war sehr schön. Die vielen Windräder!", sagte sie im Interview. "Wir haben die ganzen Wohnwagen von den Campern gesehen. Das Riesenrad sieht cool aus." Apropos: Der Wind frischte zunächst erneut merklich auf, ließ aber am Abend nach.
The Pretty Reckless zeigten, wie bluesbasierter Rock der härteren Machart gleichsam mühelos und trotzdem mit großem Energieeinsatz ins Jetzt geholt werden kann. So ließen sie keine Wünsche offen, auch was die Stimmgewalt von Momsen betrifft. Vor ein Publikum zu treten, das von The Pretty Reckless vielleicht noch nie gehört hat, sei für sie keine große Sache: "Wir spielen schon unsere ganze Karriere auf Festivals. Und Festivals haben so eine - wie soll ich sagen? - so eine Scheiß-drauf-Einstellung, die total cool ist und die man nicht überall findet."
Ob sie ein besonderes Ritual vor der Show habe? "Ich schminke mich, ziehe meine Stiefel an, lasse meine Finger knacken und gehe auf die Bühne. In-Ear-Kopfhörer nicht vergessen! Aber nein, nicht wirklich", lachte die Sängerin, die auch als Schauspielerin (u.a. "Gossip Girl") Bekanntheit erlangt hat.
Der Präsident mit sakraler Symbolik
Für tanzbare Rhythmen sorgten am Nachmittag die schwedischen Rocker von Royal Republic. Da hieß es "Rata-Tata", und ein Gutteil der Nova-Besucherinnen und -Besucher folgte der Ansage aufs Wort. In relativ starkem Kontrast zu der eher nahbaren Performance ging die britische Band President zu Werke: Hier dominierten nüchterne Ästhetik und der möglichst große theatralische Ausdruck. Mit der zeitgeistigen Formel aus poppigem Beginn und anschließendem Ausbruch in Richtung Härtebad wusste man aufzufallen. Das galt auch für das Setting: Sänger "The President", mit Ronald-Reagan-Maske ausgestattet, und seine Mitstreiter in schwarzer Gesichtsverhüllung hatten sakrale Symbolik und ein Rednerpult aufgefahren.
Positiv bleiben in einer "beschissenen Zeit"
Die New Yorker Hardcore-Band Quicksand absolvierte vor dem Nova Rock auf einem tschechischen Festival ihren Europa-Tourstart im Vorfeld des Releases ihres neuen Albums "Bring On The Psychics". "Es war ein wilder Ritt", mit einer Reihe an neuen Songs, die teils zum ersten Mal gespielt wurden, erklärten Sänger und Gitarrist Walter Schreifels und Drummer Sergio Vega im APA-Gespräch. Am Nova Rock wollte man "am liebsten gleich die ganze im Juli erscheinende Platte durchspielen".
Festivals seien eine großartige Gelegenheit, um neues Material auszuprobieren. Die Möglichkeit, sich als Band einem Publikum zu zeigen, das sonst vielleicht nicht zu einem Quicksand-Auftritt käme, sei nicht zu unterschätzen. Insgesamt sei das Touren kostspieliger geworden - "überall, nicht nur in Europa", sagte Vega. "Darum ist es wichtig, auf Festivals zu spielen, weil sie mehr bezahlen!", lachte Schreifels. Mit dem neuen Album wolle man den Hörern "in dieser beschissenen Zeit" eine "positive, aufbauende Erfahrung vermitteln".
Einen wirklich wilden Ritt offerierte die walisische Reggae-Hip-Hop-Metal-Crossover-Partie Skindred. Mit massivem Outfit, Ragga, starker Stimme und viel Interaktion mit dem Publikum gab Sänger Benji Webbe den starken Entertainer und Animateur. Am frühen Nachmittag hatten die Schwestern Jules und Jyl Wylde, nicht verwandt mit Zakk Wylde, für viel Stimmung vor der Red Bull Stage gesorgt. Dort präsentierte sich auch die heimische Newcomerin Pure Chlorine.
(Von Wolfgang Hauptmann und Nikolaus Täuber/APA)
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