Saugbagger & Sonnenbrand: Wie stabil ist der Neusiedler See wirklich?
Neusiedler See erholt sich: Wasserstand nahe Durchschnitt. Dennoch bleibt der Steppensee stark vom Wetter abhängig.
Vor drei Jahren war Feuer am Dach oder besser kaum Wasser im See. Beim bisher niedrigsten Stand (seit Beginn der Aufzeichnungen 1965, Anm.) von 114,99 Meter über Adria (MüA) wurde bereits das Ende vom Tourismus befürchtet. Stand 20. April bietet der Neusiedler See aber dieselben Bedingungen wie vor einem Jahr und liegt mit 115,48 MüA nur neun Zentimeter unter dem langjährigen Mittel; der Höchststand liegt bei 115,94.
Wer dieser Tage am Steppensee steht, spürt eine Erleichterung, die fast körperlich greifbar ist. Nach dem Bangen der letzten Jahre hat man das Gefühl: Das Nordburgenland hat seinen See zurück. Das ist einerseits der über die vergangenen beiden Jahre relativ stabilen Niederschlagsmenge zu verdanken. Andererseits aber auch den Bemühungen des Landes: Die Saugbagger haben ganze Arbeit geleistet, das großflächige Schilfschneiden hat dem See wieder „Luft“ verschafft.
Was man wissen muss
Aber der Neusiedler See ist trotzdem vor allem eines: ein Kind des Wetters. So sehr wir die Entschlammung feiern und die aktuelle Wassertiefe genießen, so bewusst muss uns bleiben, auf welch dünnem Eis – oder besser: auf welch flachem Grund – dieses Glück gebaut ist. Ein oder gar zwei heiße Sommer in trockenen Jahren, und schon wird wieder die Rede sein von der drohenden Austrocknung des Steppensees. Die ja übrigens in den vergangenen Tausenden von Jahren vermutlich mehrmals genau so passiert ist. Mit den aktuellen Arbeiten wurde jedenfalls vorgesorgt, und die Pläne für den kommenden Winter sind bereits in Ausarbeitung.
Genießen wir also diesen Sommer. Freuen wir uns über jeden Zentimeter Wasser und über die neu gewonnene Tiefe in den Häfen der Seegemeinden. Fahren wir mit den Ausflugsbooten eine Runde am Steppensee, genießen Sonnenuntergänge – oder ärgern uns über stechende Gelsen beziehungsweise das Jucken danach.
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