Vor 25 Jahren eröffnete Bundeskanzler Franz Vranitzky den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

© Archiv Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel

Chronik Burgenland
05/01/2019

Neusiedler See: Flora und Fauna statt Verkehr über den See

Warum die nie gebaute Brücke über den Neusiedler See zum Geburtshelfer für den Nationalpark wurde.

von Michael Pekovics

Der Naturpark Neusiedler See-Seewinkel gilt als eine der spektakulärsten Naturlandschaften Europas. In den 1970er-Jahren wäre dieses Paradies für Flora und Fauna beinahe dem Bau einer rund 3,2 Kilometer langen Brücke über den See zum Opfer gefallen. Das Projekt wurde unter anderem deshalb nie realisiert, weil innerhalb kürzester Zeit 20.000 Unterschriften dagegen gesammelt wurden – von einer der ersten Bürgerinitiativen Österreichs überhaupt. Das brachte die damalige Landesregierung zum Umdenken.
Eine Brücke wurde dann trotzdem gebaut, allerdings nur als Provisorium. Nicht zum Fahren, wohl aber für die Eröffnung des NationalparksNeusiedler See – Seewinkel/Fertö-Hansag Nemzeti Park“ am 24. April 1994  mit einem Festakt  direkt an der  Staatsgrenze.
Das 25-jährige Jubiläum der Eröffnung wird heute, Donnerstag, ebenso grenzüberschreitend mit einem Festakt im Umweltbildungszentrum von Fertöujlak (auf Deutsch: Mexikopuszta, Anm.) begangen.
 

Heute umfasst der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel rund 10.000 Hektar Schutzgebietsflächen, die im Eigentum von mehr als tausend Familien sind. Sie haben langfristige Pachtverträge abgeschlossen und werden dafür, dass sie den Grund nicht nutzen, jährlich aus dem Nationalparkbudget entschädigt.

Mekka für Vogelfreunde

Im November 1992 beschloss der burgenländische Landtag das Nationalparkgesetz, dabei blieb die Lange Lacke jedoch vorerst ausgespart. Im Mai 1993 willigten schließlich auch die Grundeigentümer in Apetlon ein, das Gebiet der Langen Lacke in den Nationalpark einzugliedern. Im September 1993 unterzeichneten Umweltministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) und Burgenlands Landeshauptmann Karl Stix (SPÖ) den Staatsvertrag nach Artikel 15a der Bundesverfassung über die Finanzierung des Nationalparks – im Jahr darauf folgte die Eröffnung.

Der Nationalpark zieht vor allem im Frühjahr und Herbst zahlreiche internationale Gäste an und gilt als eine der besten Birdwatching-Destinationen Europas.  Der Hanság – noch vor rund 200 Jahren Teil des Neusiedler Sees und heute östlichstes Teilgebiet des Nationalparks – bietet mit seinem Wechsel aus offenen Wasserflächen, Rohrdickicht und Schwarzerlenbruchwaldresten Lebensraum für zahlreiche Vogelarten.

Schützen durch nützen

Der einzigartige Lebensraum Neusiedler See soll jedenfalls bewahrt werden, auch wenn die Region wirtschaftlich einen regelrechten Boom erlebt. Um die weitere Entwicklung unter Einbindung von Natur, Mensch und Wirtschaft sicherzustellen, hat die burgenländischen Landesregierung den „Masterplan Neusiedler See“ in Auftrag gegeben, der bis zum Sommer vorgelegt werden und unter dem Motto „Schützen durch nützen“  klare Spielregeln für das Leben am, um und im See beinhalten soll. Für die touristische Weiterentwicklung des Neusiedler Sees stehen nämlich gerade einmal 15,5 Hektar zur Verfügung. Denn auch wenn das Naturjuwel erhalten werden soll – der See als reines Museum ist nicht das Ziel der Politik.