Chronik | Burgenland
05.03.2018

Nachhilfe als "Noten-Retter"

Viele Schüler wollen sich ihr "Nicht genügend" mit Nachhilfe ausbessern, andere gute Noten festigen.

Markus geht zwei Mal die Woche für je eine Stunde zur Nachhilfe. "Französisch ist nicht so meins", sagt der Oberstufenschüler. Im Semesterzeugnis hatte er ein "Nicht genügend", jetzt will er sich den "Deckel" bis zum Schulschluss ausbessern. Kein Einzelschicksal im Burgenland. Genaue Aufzeichnungen über die "Nicht genügend", die an burgenländische Schüler im Halbjahr verteilt wurden, gibt es beim Landesschulrat nicht. Laut einer Statistik für die Neuen Mittelschulen (NMS) im Land sei aber ersichtlich, dass es heuer im Vergleich zum Semester 2016/2017 um etwa ein Prozent mehr Fünfer gibt (siehe Zusatzbericht).

Nachfrage steigt

"Auf jeden Fall ist es so, dass die Nachfrage zu und nach den Semesterferien spürbar höher ist ", weiß Markus Kalina, Regionalleiter der Schülerhilfe. Wissenslücken neben dem laufenden Unterricht aufzuholen sei eine Herausforderung. Dazu komme noch der Druck, der sich durch eine drohende schlechte oder gar negative Note ergibt. "Viele Schüler kommen aber auch zu uns, um ein gutes Notenniveau zu festigen", weiß Kalina. Zu den Schülerzahlen an den vier Standorten im Burgenland, will er keine Auskunft geben. Die Kurse seien gut besucht. Doch auch die Kosten seien laut Arbeiterkammer beträchtlich. Der Durchschnittspreis für eine Stunde Einzelnachhilfeunterricht bei einem Lerninstitut beträgt 33,63 Euro. In Kleingruppen ist es günstiger und kostet durchschnittlich 18,49 Euro. Für Nachhilfe geben Eltern pro Jahr im Schnitt fast 700 Euro aus.

Lernhilfe

In Mattersburg hat Jugendpfarrer Günther Kroiss das Jugend- und Lernzentrum "2getthere"gegründet. Hier erhalten Kinder aus sozial benachteiligten Familien kostenlos Unterstützung beim Lernen. Das Projekt wird von der Stadtgemeinde unterstützt. Etwa 60 bis 70 Kinder bis zum Alter von 15 Jahren melden sich pro Schuljahr im Lernzentrum an, sagt Kroiss. "2getthere" hilft den Schülern nicht nur ihre Leistungen zu verbessern, sondern trägt auch maßgeblich zu deren Integration bei. "Viele unserer Kinder haben Migrationshintergrund", erklärt der Jugendpfarrer. Sieben Betreuer helfen den Mädchen und Burschen bei den Hausaufgaben. Daneben wird auch gespielt und es gibt eine gesunde Jause. Zum 18-jährigen Bestehen der Einrichtung und damit zur "Volljährigkeit", wie Kroiss sagt, werden auch die Öffnungszeiten auf fünf Tage pro Woche ausgeweitet.

An Qualität der Betreuung arbeiten

In den Neuen Mittelschulen im Burgenland haben heuer etwa ein Prozent mehr Schüler im Semesterzeugnis ein Nicht genügend als noch im Jahr davor. Von den 7047 NMS-Schülern haben dieses Halbjahr etwa sechs Prozent einen "Fleck" im Semesterzeugnis. Die Nicht genügend würden großteils in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch resultieren, heißt es vom Landeschulrat.

Von zusätzlicher Nachhilfe hält Erwin Deutsch, Landesschulinspektor für die Pflichtschulen im Burgenland, wenig. "Wir haben genügend Möglichkeiten der Förderung", sagt Deutsch. Er setzt vor allem auf Ganztagsschulen und Nachmittagsbetreuung. "Wir haben jetzt schon mehr Ganztagesbetreuung als in anderen Bundesländern."

Nach Wien rangiere das Burgenland bei der Quantität der Angebote – umgelegt auf die Schülerzahlen – bereits an zweiter Stelle. "Woran wir noch mehr arbeiten müssen, das ist die Qualität der Betreuung", räumt der Landesschulinspektor ein.

Künftig solle es eine bessere Abstimmung der Lehrer im Vormittagsunterricht sowie der Betreuer am Nachmittag geben.

Dass es heute mehr Pflichtschulabsolventen gebe, die nicht sinnerfassend lesen können, glaubt Deutsch aber nicht. "Eine gewissen Prozentanteil an Pflichtschulabsolventen, die nach der neunten Schulstufe nicht lesen oder rechnen konnten, gab es immer schon."