© Vier Pfoten

Unfall
08/19/2019

Mutter bei Unfall getötet: Zwei Fischotter-Babys gerettet

In Neutal starb eine Fischottermutter bei einem Verkehrsunfall. Ihre beiden Babys werden nun aufgepäppelt und freigelassen.

von Roland Pittner

Die von der Tierschutzorgansiation Vier Pfoten geführte EGS Haringsee (Eulen- und Greifvogelstation) hat seit wenigen Tagen zwei Otterbabys in ihrer Obhut. Die beiden wurden in Neutal im Burgenland gerettet. Ihre Mutter war leider überfahren worden, und auch für ein drittes Geschwisterchen kam die Rettung zu spät. Den beiden Jungtieren, die vom EGS-Team Berta und Fibi getauft wurden, geht es nun gut, nachdem das Team zunächst einige Tage um sie bangen musste.

Rettung in zwei Etappen

Vor rund einer Woche vernahmen Anrainer in Neutal, Bezirk Oberpullendorf, klagende und weinende Geräusche. So kam die Tierschutzorganisation Vier Pfoten den beiden mutterlosen Fischotter-Babys auf die Spur, berichtet Elisabeth Penz. Naturschutzorgane der Burgenländischen Landesregierung machten sich vor Ort selbst ein Bild: Ein Mitarbeiter fand am Tag darauf schließlich die kleine Berta im Dickicht an der Seite eines Baches mitten im Ortsgebiet von Neutal. Er brachte das Otterbaby in die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee. 

 

Junger Mann kletterte in Rohr

„Es war allerdings noch das Weinen eines weiteren Jungtiers in einem Kanalrohr zu hören“, erzählt Vier Pfoten-Expertin Brigitte Kopetzky. „Das Entwässerungsrohr hatte einen Durchmesser von nur 80 Zentimeter, weshalb die Bergung schwierig war.“ Schließlich fuhr der wissenschaftliche Leiter der EGS, Dr. Hans Frey, nach Neutal. Er nahm seinen Sohn Simon mit, der in das Rohr hineinkroch und nach etwa 80 bis 100 Metern auch das zweite lebende Jungtier fand. „Traurigerweise aber auch das bereits tote dritte Geschwisterchen“, schildert Kopetzky. Alle drei Tiere sind bzw. waren Weibchen und etwa zehn Wochen alt.

 

 

Die kleine Fibi hatte an allen Zehen offene Stellen, da sie anscheinend verzweifelt versucht hat, sich an den Betonwänden der Röhre seitlich festzuhalten. „Sie hätte die Nacht sicher nicht überlebt“, sagt Kopetzky.

Der Zustand der beiden Otterbabys gab den Helfern einige Tage lang Grund zur Sorge. Fibi habe zunächst noch nicht selbst gefressen, sie bekam Infusionen. Sonst zeigte sie keinerlei Krankheitssymptome, außer, dass sie sehr viel schlief und etwas matter war als ihre große Schwester. „Gerade marderartige Tiere sind leider sehr anfällig für manche von Hunden übertragenen Infektionskrankheiten. Zum Glück ist den beiden das erspart geblieben. Übers Wochenende haben sie sich erholt, es geht ihnen sehr gut“, freut sich Kopetzky

 

 

Milchzähne brechen gerade durch

Berta, das größere Otterweibchen, wiegt etwa 1,25 Kilogramm, die kleinere Fibi rund 1,1 Kilo. Bei beiden brechen gerade die ersten Milchzähne durch. Sie werden in diesem Alter immer noch von der Mutter gesäugt, beginnen aber schon, sich für feste Nahrung zu interessieren. Junge Fischotter werden über ein Jahr lang von ihren Müttern betreut.

 

 

In der von Vier Pfoten geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee wurde im Jahr 2018 insgesamt 2.098 Tieren betreut. Alle jungen Eulen und Greifvögel wurden, wenn möglich, durch Ammeneltern der gleichen Art großgezogen und zu 90 Prozent wieder freigelassen.

Die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen Folgen einer Handaufzucht vermieden. Auch Sumpfschildkröten, Igel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger wurden fachmännisch versorgt und, wenn möglich, wieder in die Natur entlassen. Ebenso wie die beiden Fischotter.