Chronik | Burgenland
08.11.2016

Liste Rohr will auch unter neuem Chef nicht zur ÖVP

Hermann Ofner hat Bürgermeisteramt nach 24 Jahren an Gernot Kremsner übergeben.

Rohr bleibt "blockfrei": Die südburgenländische Ortschaft mit knapp 400 Einwohnern schlüpft auch unter dem neuen Bürgermeister Gernot Kremsner (Liste Rohr) nicht unter das Dach der Volkspartei. "Wir fahren als Liste ganz gut und bleiben unabhängig", betont der 43-Jährige. Mit Blick auf den bundesweit schwindenden Zuspruch für Rot und Schwarz fühlt sich Kremsner bestärkt: "Die Großparteien kommen unter die Räder". ÖVP-Bezirkschef Walter Temmel muss die Entscheidung akzeptieren. Zumindest auf dem Papier wird man den Rohrer Ortschef wohl weiter den schwarzen Ortschefs zuschlagen. Landesweit verfügt die ÖVP über 78 Bürgermeister, sie pocht auf 79 (die SPÖ stellt 87, diverse Listen fünf Ortschefs).

Dritter Weg

Seit 1992 regiert in der Kommune im Bezirk Güssing die "Liste Rohr". Sie ist untrennbar verbunden mit Hermann Ofner, der für damalige Verhältnisse Unerhörtes gewagt und eine parteiübergreifende Bürgerbewegung mitgegründet hatte. "Da waren Erzrote und Dunkelschwarze dabei", erinnert sich Ofner, der sein Amt nach 24 Jahren jüngst an Kremsner übergeben hat. Der damalige ÖVP-Landeshauptmannvize Franz "Fery" Sauerzopf habe sehr aufgeschlossen reagiert und den aus der ÖVP kommenden Ofner wohlwollend gewähren lassen. Auslöser für die Bildung eines Bürgerkomitees war damals der geplante Kanalbau durch ein Naturschutzgebiet. Ofner & Co wollten eine alternative Lösung und konnten reüssieren. "Nicht Ermüdungserscheinungen", sondern der "richtige Zeitpunkt" hätten ihn zum Rückzug bewogen. Zudem müsse man dankbar sein, wenn sich ein Nachfolger finde, meint Ofner (66), der noch bis zur Kommunalwahl im Herbst 2017 im Gemeinderat bleibt.

Dann muss sich Kremsner der Direktwahl der Gemeindebürger stellen. Die Gemeindewahlordnung erlaubt innerhalb des letzten Jahres vor der regulären Wahl die Kür im Gemeinderat – ein neuer Ortschef kann sich so einen Amtsbonus erarbeiten. Anders als 2007 und 2012, als Ofner ohne Gegner blieb, dürfte die SPÖ 2017 wohl einen Gegenkandidaten nominieren.