© ÖVP/Jakob Glaser

Chronik Burgenland
10/14/2021

Landes-ÖVP verliert mit Sebastian Kurz das Zugpferd

Die burgenländische ÖVP war besonders früh und besonders treu auf Kurs des Ex-Kanzlers.

von Thomas Orovits

Die burgenländische ÖVP war Sebastian Kurz schon eng verbunden, als er noch nicht einmal Parteichef war. Im Herbst 2016 – da stand Reinhold Mitterlehner an der Spitze der Bundespartei – sorgte ein KURIER-Interview mit dem damaligen ÖVP-Landesparteiobmann Thomas Steiner für Aufregung, weil er für Kurz als Spitzenkandidat plädierte.

Und kaum war Kurz Kanzler, hat die burgenländische Volkspartei als erste Landesorganisation zur Gänze die von Kurz etablierte Parteifarbe Türkis übernommen und Gelb als Kampagnenfarbe aussortiert.

Die im Land unter der roten Vorherrschaft leidende ÖVP verdankt Kurz tatsächlich einen Höhenflug bei Bundeswahlen: Mit drei Nationalräten hat man die Landes-SPÖ überholt und 2019 konnte die ÖVP erstmals seit 1966 bei einer Nationalratswahl im Burgenland mehr Stimmen als die SPÖ holen. Balsam für die Landes-ÖVP, die im Konzert der Landesparteien mit sechs Landeshauptleuten nicht einmal die zweite Geige spielt.

Im Burgenland ist der 2. Landtagspräsident die höchste Funktion für die 30-Prozent-Partei. Selbst in Kärnten, wo die ÖVP nur bei 15 Prozent liegt, stellt sie dank einer Koalition mit der SPÖ zwei Landesräte.

Ratlos ohne Kurz

Und nun, nach dem Rückzug von Kurz als Kanzler? Die Stimmung bei Funktionären und an der Basis beschreibt Steiner-Nachfolger Christian Sagartz so: Die einen seien „verwirrt und fragen sich, ob das stimmen kann“. Andere reagierten „verärgert“ über die Vorverurteilung von Kurz und wieder andere seien enttäuscht vom Ex-Kanzler. Ein Basisfunktionär berichtet aber auch von „Erleichterung“, dass Kurz Platz gemacht hat und die ÖVP so Kanzlerpartei blieb.

Sagartz macht deutlich, dass die Landespartei nicht den Stab über den früheren Stimmenbringer bricht. „Wir machen nicht beim ersten Gegenwind kehrt“, sagt der Landesparteiobmann und EU-Abgeordnete zum KURIER. Die Frage nach einem Comeback von Kurz im Kanzleramt stelle sich derzeit „überhaupt nicht“, er würde aber in jeder Hinsicht „nichts ausschließen“.

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