Chronik | Burgenland
29.01.2018

Land und Esterházy auf Friedenspfad

Landesrat Doskozil und Esterházy-Boss Ottrubay müssen sich rasch einigen; Haydntage in Schwebe.

Wunderbar? Nein, wie zu Zeiten der Intendanz von "Mister Wunderbar" Harald Serafin läuft es bei den Seefestspielen Mörbisch längst nicht mehr. Zuletzt wurde es gar wunderlich. Zu den sinkenden Besucherzahlen im Operetten-Mekka – von 220.000 auf zuletzt 112.000 – gesellte sich jüngst ein Rechtsstreit rund um Kurzzeit-Intendant Gerald Pichowetz, österreichweit bekannt seit der TV-Serie "Kaisermühlen-Blues".

Noch in der Vorbereitung auf seine Intendanz, die am 1. Jänner 2018 starten sollte, wurde das Engagement im vergangenen Frühling beendet. Unterschiedliche Auffassungen über die künstlerische Neuausrichtung sollen Auslöser gewesen sein. Pichowetz hat die landeseigenen Seefestspiele geklagt. Dass es um 800.000 Euro gehe, haben die Seefestspiele dementiert – das sei "Lichtjahre vom tatsächlichen Betrag entfernt". Ende März dürfte klar sein, welches Gericht zuständig ist, dann geht’s ans Eingemachte.

Kultur vor dem Kadi

Während dieser Streit als pannonische Posse durchgehen könnte, hat der seit Jahren mal flackernde, mal lodernde Konflikt zwischen Land und Esterházy-Stiftungen weit mehr Brisanz.

Hier stehen die Player im Bundesland Stirn an Stirn – das seit 1964 rot regierte Land und ein Unternehmen auf den Schultern einer Dynastie, die mehr als 400 Jahre lang die Geschicke des Landstrichs prägte. Allein von 2002 bis 2012 ist das Vermögen der drei Esterházy-Stiftungen um mehr als 150 Millionen auf 810 Millionen Euro angewachsen – zum Vergleich: Das Land hat ein Budget von 1,1 Milliarden Euro.

Der frühere Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ), der seit mehr als einem Monat Landesrat ist, will den von seinem Vorgänger Helmut Bieler fleißig mitgeschnürten gordischen Knoten durchschlagen. Er strebe ein Ende der Gerichtsverfahren an, sagte Doskozil dem KURIER und von Esterházy werden "laufende Gespräche" zwischen Doskozil und Esterházy-Boss Stefan Ottrubay bestätigt.

Zwei Konfliktstränge belasten das Verhältnis: 2011 hat Esterházy das Land wegen Verletzung der Instandhaltung des Eisenstädter Schlosses geklagt und fordert 11,3 Millionen Euro vom Ex-Partner, der das Wahrzeichen des Landes von 1969 bis 2009 gepachtet hatte. Der Rechtsstreit ist anhängig, zuletzt gab es aber in einem kleinen Teilbereich einen Vergleich.

Anfang 2017 wiederum wurde das Land vom Landesgericht Eisenstadt dazu verurteilt, der Esterházy-Firma Arenaria mehr als eine Million Euro an vorenthaltener Kulturförderung nachzuzahlen, unter anderem für zwei Opern im Steinbruch St. Margarethen. Die Berufung des Landes liegt noch beim Oberlandesgericht Wien.

Haydn und Steinbruch

Beide Verfahren haben direkte Auswirkung auf zwei über das Burgenland hinaus glänzende kulturelle Aushängeschilder – die Haydnfestspiele und die Oper in St. Margarethen. Der für den heurigen Sommer im Steinbruch geplante "Troubadour" wurde abgesagt, weil das Land "jede Unterstützung verweigert", ob 2019 wieder gespielt werde, hänge auch am Land.

Und die seit 1989 bestehenden Haydnfestspiele im Einflussbereich des Landes mussten als Folge des Rechtsstreits den Haydnsaal räumen und zogen 2017 erstmals als "HaydnLandTage" durchs Land. Intendant Walter Reicher freute sich zwar über eine 96-prozentige Auslastung, aber das heurige Festival im Spätsommer hängt in der Luft. Ohne Budgetfreigabe von Land und Stadt Eisenstadt konnten bisher auch keine Künstlerverträge unterzeichnet werden. Die Zeit dränge enorm. Besteht die Gefahr, dass die Haydntage heuer ausfallen? Reicher: "Das Risiko ist immer da".

Am Ende hängt also der Weiterbestand beider Festivals an der raschen Einigung von Ottrubay und Doskozil. Der Landesrat forciert dabei eine "Akkordierung" der traditionellen Haydnfestspiele mit dem Esterházy‘schen "Gegenfestival" Herbstgold.Übrigens: Der an den Kalamitäten nicht ganz unbeteiligte Ex-Landesrat Bieler erhält Montagabend das Komturkreuz, die höchste Auszeichnung für Verdienste um’s Land – Oper-rette sich, wer kann.

oper-rette sich, wer kann