Prikoszovits nimmt sich Auszeit im Kloster

© EIWECK SUSANNE/Eiweck Susanne

Eisenstadt
09/22/2013

Dompfarrer tritt zurück

Josef Prikoszovits geht, weil er mit Zölibat nicht klarkommt.

Ein mutiger Schritt. Ich finde das gut und richtig, dass er das publik gemacht hat“, meint Kirchgeher Zoltan Csaplovics am Sonntag zum Rücktritt von Dom- und Stadtpfarrer Josef Prikoszovits. Der 51-jährige Priester hat nach der Messe verkündet, dass er sein Amt nach 13 Jahren niederlegt, mit der Begründung: „Es gibt in meinem Leben eine Änderung, die mit meinem Priestersein und dem Zölibatsversprechen nicht vereinbar ist.“

Gerüchte über das Privatleben von Prikoszovits – er soll sich in eine Frau verliebt haben – beherrschen seit Wochen den Klatsch in der burgenländischen Landeshauptstadt. Vor drei Wochen hat Prikoszovits noch im Rahmen der Sonntagsmesse kundgetan, er hoffe, dass die Seelsorge wieder das Thema in der Pfarre werden. Nun hat er sich eingestehen müssen, „dass das nicht gelingen konnte, weil im Kern der Gerüchte über mich ein Stück Wahrheit liegt.“

Ein Jahr Auszeit

Prikoszovits hat seinen Entschluss vergangenen Mittwoch Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics mitgeteilt. Diesen Samstag und Sonntag informierte er nach den Messen im Eisenstädter Martinsdom die Gläubigen über seinen sofortigen Rücktritt. Er will sich nun einige Monate in ein Kloster zurückziehen, um Klarheit über seinen weiteren Lebensweg zu gewinnen. Die Diözesanleitung hat ihm dafür eine Sabbatzeit bis längstens August 2014 gewährt.
In der Pfarrgemeinde herrscht einerseits Betroffenheit über den Abgang des beliebten Priesters, andererseits Bewunderung für seine Offenheit. „Es ist sehr, sehr schade. Wir verlieren einen der besten Priester, die wir je hatten. Es ist ihm gelungen, alle – von den Kleinsten bis zu den Ältesten – anzusprechen“, lobt Ratsvikarin Michaela Leeb-Hebaus den scheidenden Stadtpfarrer. Viele, wie Maria Jarmer, haben gehofft, dass nach all dem Klatsch wieder Ruhe einkehrt: „Das war leider nicht der Fall. Es tut mir sehr leid, dass unser Dompfarrer geht.“

Dass selbst im Vatikan über die Lockerung des Zölibats zumindest nachgedacht wird, verfolgt man in Eisenstadt mit besonderer Aufmerksamkeit. „Für den Dompfarrer kommt das aber leider zu spät“, meint ein Kirchgänger mit Bedauern.

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