Karl Gyaki machte in Kanada Karriere, sein Herz schlug aber für Oberwart.

Der Auswanderer (ganz rechts) wurde als Weinhändler reich. Seine Stiftung kommt seit 1996 Jugendlichen und Vereinen in der alten Heimat zugute. Kuratoriumsvorsitzender ist Werner Gangoly (hinten mit Weste).
Gyaki Stiftung

Selbst im hohen Alter nahm Karl Gyaki die Anreise aus Kanada in Kauf, um an den jährlichen Kuratoriumssitzungen seiner Stiftung in Oberwart teilzunehmen. Das 30-jährige Jubiläum der Karl Gyaki Stiftung musste das Gremium heuer aber ohne den 2014 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Stifter bestreiten.

Der Anfang der 1950er-Jahre aus Oberwart nach Toronto ausgewanderte Gyaki hat seine Stiftung zur „Förderung von Aktivitäten im Raum Oberwart“ im Februar 1996 gegründet. „Nach einigen juristischen Hindernissen“, erinnert sich Werner Gangoly, Vorsitzender des siebenköpfigen Kuratoriums.

Aber Hindernisse waren für den 1923 in Oberwart geborenen Gyaki zeitlebens kein Hemmnis. Wie sein aus Unterwart stammender Vater wurde der junge Karl Schneider. Nach einigen Jahren in Übersee sattelte der Auswanderer Ende der 1950er-Jahre um und begann, Weine aus Österreich und Ungarn nach Nordamerika zu importieren.

„Bis 1985 hatte er jährlich mehr als zwei Millionen Flaschen Wein importiert“, schrieb die Burgenländische Gemeinschaft, Zeitschrift der Auslandsburgenländer, im Jahr 1991 über die Karriere Gyakis. Dazu kamen sechs Millionen Flaschen Bier und eine große Zahl an Schnäpsen. Als Kuriosum wurde angemerkt, dass der Händler zwar gut vom Alkohol lebte, selbst aber keinen Tropfen getrunken habe.

Stiftungszwecke

Wie auch immer: Gyaki war ein gemachter Mann, sein Herz hing aber immer noch an der alten Heimat. Jahrelang verfolgte er deshalb das Ziel einer Stiftungsgründung, 1996 war es so weit. Der Gönner stellte drei Millionen Schilling zur Förderung der Kultur bereit. Insbesondere sollten Musik, Sport, Schul- und Sozialwesen, die ungarische Sprache und kirchliche Aktivitäten im Bezirk Oberwart unterstützt werden, so steht es in der Urkunde.

Besonders zugetan war der Mäzen dem Fußball und der Zweisprachigkeit. Das hat wohl biografische Gründe. In seiner Jugend war Gyaki, Angehöriger der ungarischen Minderheit, selbst begeisterter Kicker und 1946 Teil der Landesliga-Meistermannschaft des SC Oberwart. Zudem – vielleicht, weil er und seine Ehefrau Helen keine Kinder hatten – verschrieb sich Gyaki in besonderem Maße der Jugendförderung.

Mündelsicher veranlagt

Das über viele Jahre in Oberwart ausgetragene Gyaki-Gedenkturnier für Fußball-Nachwuchsmannschaften ist mittlerweile aber sanft entschlafen, bedauert Kuratoriumsvorsitzender Gangoly. Es sei „immer schwieriger“ geworden, genug Teams zur Teilnahme zu bewegen.

Ein Mangel an Begünstigten herrscht trotzdem nicht: Heuer wurden die Volksschulen Oberwart (ungarisch: Felsőőr) und Unterwart (Alsóőr) ebenso bedacht wie der ungarische Kulturverein, der Oberwarter Fußballnachwuchs, der Radfahrklub, die Stadtkapelle und die Gemeinschaft der Auslandsburgenländer.

In den vergangenen 30 Jahren wurden in Summe rund 300.000 Euro ausbezahlt. Das Kapital – aus den drei Millionen Schilling sind 550.000 Euro geworden – muss unangetastet bleiben. Nur die Erträge aus dem mündelsicher veranlagten Geld werden als Förderungen ausgeschüttet. Jährlich sind das rund 10.000 Euro.

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