Hipp-Giftkrimi: Schlinge um Verdächtigen zieht sich weiter zu
Zusammenfassung
- Ermittlungen gegen den 39-jährigen Ex-Hipp-Mitarbeiter wegen mit Rattengift versetzter Babynahrung laufen weiter, Ausweitung auf versuchten Mord möglich.
- In mehreren Ländern wurden fünf manipulierte Gläser sichergestellt, ein Glas bleibt verschwunden; der Verdächtige bestreitet die Vorwürfe.
- Hipp-Produkte kehren nach Rückruf wieder in die Regale zurück, jedes Glas wird kontrolliert, besonders im Großraum Eisenstadt.
Der 39-Jährige bestreitet nach wie vor, der Hipp-Erpresser zu sein. Im Burgenland laufen die Ermittlungen zu den mit Rattengift versetzten Babybrei-Gläsern nach der Festnahme des dringend Tatverdächtigen weiter auf Hochtouren.
Die zentrale Frage, die die Staatsanwaltschaft Eisenstadt durch die Expertise von Sachverständigen klären will, ist, welche Auswirkungen der Verzehr der mit Rattengift versetzten Babynahrung für Kleinkinder gehabt hätte.
Geht es um Mordversuch?
Das entsprechende Gutachten war am Mittwoch laut Staatsanwaltschaft Eisenstadt weiter ausständig. Das Ergebnis ist wesentlich dafür, ob die Ermittlungen gegen den Slowaken, der bis März in der Hipp-Niederlassung in Gmunden gearbeitet hatte, auf versuchten Mord ausgeweitet werden. Seit Dienstag sitzt der 39-Jährige in Untersuchungshaft.
Gefahr von inneren und äußeren Blutungen
In jenem sichergestellten Hipp-Glas, welches in einem Supermarkt in Eisenstadt in Umlauf gebracht wurde, waren 15 Mikrogramm Rattengift mit dem Wirkstoff Bromadiolon beigemengt. Dieser bewirkt eine Hemmung der Blutgerinnung. Dadurch kann es zu inneren und äußeren Blutungen kommen, die sich nur schwer stillen lassen. In anderen Fällen stört es das Nervensystem oder wirkt als toxischer Stoff.
In der Wohnung des Tatverdächtigen in St. Gilgen am Wolfgangsee wurde Rattengift sichergestellt, nachdem Ermittler den 39-Jährigen am vergangenen Samstag festgenommen hatten. Laut seinem Anwalt Manfred Arbacher-Stöger bestreitet der Ex-Hipp-Mitarbeiter die Vorwürfe. Das Rattengift benötige er für seine Landwirtschaft in der Slowakei, so seine Erklärung.
Laut profil haben Ermittler auf dem Handy des Verdächtigen Erstaunliches zu Tage gebracht. Demnach fand sich in einer Chatgruppe ein Foto von der Berichterstattung rund um vergiftete Babynahrung von Nestlé und Danone.
Wie am Mittwoch bekannt geworden ist, hatte das Unternehmen bei dem Mitarbeiter Ungereimtheiten bei Firmenabrechnungen entdeckt und ihn zur Rede gestellt. Ihm wurden diverse Verfehlungen vorgeworfen, eine interne Prüfung wegen möglicher Betrugshandlungen fand dazu statt. Letztlich soll das Dienstverhältnis einvernehmlich und „amikal“ aufgelöst worden sein, sagt der Anwalt des Verdächtigen.
Ausgerechnet an jenem Tag Ende März, an dem eine Aussprache mit Vorgesetzten an der Niederlassung in Gmunden stattfinden sollte, langte das Erpresser-E-Mail in der Firma ein - allerdings in einem allgemeinen Posteingang. Das Drohschreiben wurde erst am 16. April bemerkt, da waren die Giftgläser bereits in den Supermarktregalen.
In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden bisher fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Ein Glas aus einem Supermarkt in Eisenstadt gilt nach wie vor als unauffindbar.
Hipp wieder in den Regalen
Der Rückruf der Hipp-Produkte bei Spar war in der Nacht auf 18. April öffentlich geworden. Gut zweieinhalb Wochen nach dem Rückruf wurden die Hipp-Produkte am Mittwoch in den meisten Spar-Filialen wieder in die Regale geräumt. Dabei werde jedes Gläschen kontrolliert, ob es ordentlich geschlossen sei, sagte Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann im Ö1-Mittagsjournal. Nicht dabei waren die „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“, die komplett neu bestellt wurden. Im Großraum Eisenstadt, in dem das manipulierte Glas sichergestellt wurde, wird das gesamte Hipp-Babynahrungssortiment ausgetauscht.
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