Rattengift in Babybrei: Warum die Wirkung verzögert einsetzt und wie behandelt wird
Mit Rattengift in Babynahrung versucht ein Unbekannter, den Babykosthersteller Hipp zu erpressen.
Am 18. April wurde in einem Supermarkt im Bezirk Eisenstadt-Umgebung ein Glas Hipp-Babynahrung entdeckt, das mit Rattengift versetzt worden war.
Ein Kunde bemerkte Auffälligkeiten und informierte die Polizei. Die Ermittlungen ergaben, dass es sich um eine gezielte Manipulation handelte. Die betroffene Charge wurde umgehend aus dem Handel genommen. Behörden warnten Eltern eindringlich vor dem Verzehr. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung und Erpressung.
Der KURIER hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu Rattengift gesammelt:
Was ist Rattengift?
Die Fachbezeichnung für Rattengift lautet Rodentizid. Es handelt sich um eine Biozid, eine chemische Substanz, die gezielt zur Bekämpfung von Ratten eingesetzt wird. Nach der Biozidprodukte-Verordnung des Österreichischen Umweltministeriums umfasst der Begriff Rodentizid alle Mittel zur Bekämpfung von Mäusen, Ratten und anderen Nagetieren. Ziel ist stets, die Tiere zu töten und so eine Ausbreitung zu verhindern. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Bromadiolon, ein sogenannter Vitamin-K-Antagonist.
Wie wirkt Rattengift?
Bromadiolon hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung notwendig ist, erläutert die AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit). Dadurch kann es zu inneren und äußeren Blutungen kommen, die sich nur schwer stillen lassen. In anderen Fällen stört es das Nervensystem oder wirkt als toxischer Stoff.
Welche Symptome treten auf?
Symptome sind Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken oder auch Blut im Stuhl. Die AGES rät Eltern, die bei ihren Kleinkindern diese Symptome in Verbindung mit extremer Schwäche oder Blässe feststellen, unbedingt medizinische Hilfe aufzusuchen und diese zu informieren, ob ihr Kind zuletzt Babykost zu sich genommen hat.
Warum wirkt Rattengift verzögert?
Ratten sind soziale Tiere, die das Verhalten ihrer Artgenossen aufmerksam beobachten – auch während und nach der Nahrungsaufnahme. Wohlergehen, ungewöhnliches Verhalten oder gar der Tod eines Mitglieds der Gruppe werden registriert und können als Warnsignal dienen. Um zu verhindern, dass die Tiere den Giftköder meiden, wurden moderne Rattengifte, insbesondere Rodentizide der zweiten Generation, so entwickelt, dass ihre tödliche Wirkung erst Tage nach der Aufnahme einsetzt.
Diese zeitverzögerte Wirkung sorgt dafür, dass Ratten den Zusammenhang zwischen dem Köder und dem eintretenden Tod nicht erkennen. In der Regel vergehen drei bis sieben Tage, bis das Gift seine Wirkung entfaltet. Auch beim Menschen können Symptome erst zwei bis fünf Tage nach einer versehentlichen Aufnahme auftreten – ein Umstand, der die Diagnose und Behandlung erschwert.
Wie wird eine Vergiftung behandelt?
Zur Behandlung wird Vitamin K1 von medizinischem Personal verabreicht. Ärztliche Überwachung ist für mindestens 48 Stunden notwendig.
Warum wird Rattengift in Österreich überhaupt eingesetzt?
Um Gefahren durch Nagetiere zu kontrollieren, wird in Österreich Rattengift eingesetzt. Ratten und Mäuse können erhebliche Schäden und Krankheiten verursachen. Nagetiere verunreinigen Nahrung mit Kot und Urin, wodurch wiederum Krankheitserreger verbreitet werden. Diese können über Hautkontakt, Schleimhäute oder eingeatmete Partikel in den menschlichen Körper gelangen. Zu den übertragbaren Krankheiten zählen unter anderem Leptospirose, Hantavirus-Infektionen, Salmonellose, Toxoplasmose sowie parasitäre Würmer wie der Zwergbandwurm. Auch Flöhe und Zecken, die von Ratten und Mäusen stammen, können weitere Krankheiten übertragen.
Sie ernähren sich außerdem vom gleichen Futter wie Nutztiere und können daher große Mengen an Nahrungsbeständen enorm schmälern. 100 Mäuse können in einem halben Jahr etwa 50 kg, Ratten etwa 600 kg Futter verbrauchen. Weiters verursachen sie durch Nagen Schäden an Gebäuden, Leitungen und Rohren.
Ist Rattengift im Handel erhältlich?
In vielen Ländern unterliegt Rattengift strengen Vorschriften – und auch in Österreich wurden die Regeln ab 01.01.2026 deutlich verschärft. Es gilt: Wer antikoagulante Rodentizide bereitstellen, für die berufliche Verwendung beziehen oder uneingeschränkt anwenden will, muss einen Sachkundenachweis erbringen. Damit soll der Zugang zu diesen hochwirksamen und zugleich umweltgefährlichen Mitteln gezielt eingeschränkt werden. Privatpersonen ohne entsprechenden Nachweis können sie künftig nicht mehr legal erwerben.
Eine Übersicht der aktuell gültigen Verwendungsbedingungen in Österreich bietet die Plattform biozide.at. Dort sind die gesetzlichen Vorgaben detailliert beschrieben, etwa für den Handel und berufsmäßige Verwender.
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