Chronik | Burgenland
09.05.2017

Halbritter: "Es gab zu wenig langfristiges Handeln"

ÖVP-Langzeit-Bürgermeister Kurt Lentsch tritt im Oktober nicht mehr an

Dass Thomas Halbritter als neuer ÖVP-Bürgermeisterkandidat in Neusiedl/See mit dem Slogan "Neustart" antritt, ist verständlich und verwunderlich zugleich. Verständlich, weil die zweitgrößte Kommune des Landes (mit Zweitwohnsitzern 9000 Einwohner) seit Jahren einen von der Gemeindeaufsicht des Landes verordneten harten Sparkurs fahren muss. Diese Hypothek will sich der 52-jährige Ziviltechniker bei der Kommunalwahl am 1. Oktober nicht aufhalsen lassen. "Ich gehe davon aus, dass die Gemeindefinanzen konsolidiert sind", sagt Halbritter am Montag.

Verwunderlich ist der Neustart, weil die ÖVP seit Jahrzehnten das Sagen in Neusiedl hat und Halbritter als Stadtrat ein Wörtchen mitredet. Der seit 20 Jahren amtierende Stadtchef Kurt Lentsch tritt im Herbst nicht mehr an. Bei der Gemeinderatswahl 2012 verlor die Volkspartei die absolute Mehrheit, Lentsch konnte das Bürgermeisteramt gerade noch verteidigen.

Er sei "nicht zufrieden" mit der Politik, meint Halbritter. Es habe "zu wenig langfristiges Handeln und zu viel Schielen auf kurzfristige Erfolge gegeben", analysiert der verheiratete Vater dreier Kinder. Als Kritik an Lentsch will Halbritter das nicht verstanden wissen. Aber er vertrete andere Positionen und "der Erste gibt den Kurs vor".

Nur Neusiedl

Apropos Erster: Würde er auch als Vizebürgermeister bleiben? "Ich trete an, um Bürgermeister zu werden", antwortet Halbritter, für den Landtag wolle er anders als einst sein Onkel aber sicher nicht kandidieren. Jetzt will sich der ÖVP-Spitzenkandidat die Wünsche der Neusiedler anhören, daraus soll das Wahlprogramm entstehen. Eines ist schon klar: "Das rasante Bevölkerungswachstum kann nicht so weitergehen".