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Chronik Burgenland
11/04/2020

Wien-Anschlag: Direktor eines Gymnasiums nach Posting suspendiert

Facebook-Posting nach Terroranschlag in Wien kostete den Direktor des Gymnasiums Wolfgarten den Job.

von Stefan Jedlicka

Der Direktor des Gymnasiums Wolfgarten der Diözese Eisenstadt ist am Dienstag mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Anlass war ein Posting des Direktors und ehemaligen Eisenstädter ÖVP-Vizebürgermeisters auf Facebook. Dort schrieb dieser nach dem Terrorangriff in Wien am Montag „Terror in Wien! Flüchtlinge willkommen!!!…“

Dieses Verhalten sei für einen Schulleiter mit Vorbildfunktion untragbar, begründet man seitens der Diözese Eisenstadt die rasche Suspendierung.

Lehrer und Eltern informiert

Am Mittwoch habe eine Besprechung mit den Lehrern der Schule stattgefunden, in der sie über die Entscheidung informiert wurden, berichtet Dominik Orieschnig, Sprecher der Diözese Eisenstadt.

Im Anschluss daran wurde ein Brief an die Eltern verschickt. Interimistisch übernehmen nun Andrea Berger-Gruber, Schulamtsleiterin der Diözese, und Personalreferent  Maximilian Hrazdil die Leitung des Gymnasiums. „Sie sollen garantieren, dass der Unterricht gewährleistet ist und die Lage sich beruhigt“, so Orieschnig.

Der Direktor war sofort nach Bekanntwerden seines Facebook-Eintrags zu einem Gespräch mit dem Generalvikar und der Schulleiterin der Diözese gebeten worden, in dem er versucht haben soll, sein Verhalten zu erklären. Man sah aber keine Möglichkeit einer weiteren Zusammenarbeit.

„Der Herr Bischof ist ein ausdrücklicher Unterstützer von Menschen auf der Flucht. Ein Direktor hat Vorbildfunktion und wir fühlen uns im Gymnasium Wolfgarten den humanistischen Grundsätzen Europas verpflichtet. Da darf man nichts gutheißen, was denen in die Hände spielt, die polarisieren wollen“, betont Orieschnig.

Politische Reaktionen

Das Posting wurde mittlerweile zwar gelöscht, für Aufregung sorgte es aber nicht nur in den Sozialen Medien. So kritisierte etwa die Sozialistische Jugend in einer Aussendung: „Herr Direktor, an den Schulen lehrt man Toleranz und Respekt – nicht Hass und Hetze.“

Auch die Kommunistische Jugend Österreichs, die den Vorfall zuerst thematisiert hatte, meldete sich zu Wort. „Wenige Stunden nach dem tragischen Attentat in Wien findet der Direktor des Gymnasiums Wolfgarten sofort auf Facebook passende pietätslose und hetzerische Worte“, postete Jakob Roth von der Eisenstädter Ortsgruppe.

Anders klingt hingegen die Reaktion der FPÖ Burgenland. "Eine Unmutsäußerung wie diese als Anlass eines Berufsverbots zu nehmen ist völlig überzogen", findet FPÖ-Landesparteisekretär Christian Ries. "Das Posting wurde wieder entfernt, also hat er als Sünder Reue gezeigt, um in der Sprache der Kirche zu sprechen. Man soll die Kirche im Dorf und den Direktor in der Schule belassen."

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