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Güssinger Teiche: Vom Geheimtipp zum Vogel-Hotspot

Der Pflegeverein des unter Ornithologen beliebten Ramsargebiets feiert zehnjähriges Bestehen.
Zwei Personen stehen vor einer Steinmauer

Wer die Güssinger Teiche wirklich erleben will, muss früh aufstehen. Sehr früh sogar. Am besten ist die Idylle zu erleben, wenn die Stadt noch still ist, Dunst über dem Wasser liegt und so jene Stimmen besser zu hören sind, für die Vogelfreunde ins Südburgenland kommen.

Für viele Güssinger sind die Teiche ein vertrauter Naherholungsraum. Für Ornithologen sind sie weit mehr: einer der bedeutendsten Feuchtlebensräume im südöstlichen Alpenvorland und ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel zwischen Donau-March-Raum, Neusiedler See und Adria. Genau deshalb wurden sie zum Ramsargebiet erklärt – ein internationales Prädikat für Feuchtgebiete von besonderer Bedeutung.

Nun rückt das Gebiet wieder in den Mittelpunkt. Der Pflegeverein Ramsargebiet Güssinger Teiche feiert am 12. Juli ab 8 Uhr sein zehnjähriges Bestehen. Nach einer ornithologischen Wanderung um die Teiche wird bei den Winterteichen gefeiert – mit Kulinarik, Musik und Kinderprogramm. Die Güssinger Jägerschaft sorgt traditionell für die Verpflegung.

Historisch gewachsen

Die Teichlandschaft am Rand der Stadt Güssing ist kein unberührtes Naturreservat, sondern eine historisch gewachsene Kulturlandschaft. Die heutige Anlage wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet, die Teiche dienen bis heute der extensiven Fischzucht, vor allem von Karpfen. Gerade diese Nutzung, die Schilfgürtel, Feuchtwiesen, Dämme, Gebüsche und offenen Wasserflächen machen den besonderen Wert des Gebiets aus.

Seit der Gründung des Pflegevereins im Jahr 2016 wurde viel getan, um diese Balance zu sichern. Nicht standortgerechte Fichtenforste wurden entfernt und wieder in Feuchtwiesen umgewandelt. Die Flächen werden über das ÖPUL-Naturschutzprogramm gepflegt. Gleichzeitig wurde die Besucherlenkung verbessert: Ein öffentlicher Wanderweg führt durch die Teichanlage, während sensible Bereiche beruhigt und der Tierwelt vorbehalten bleiben.

In den vergangenen Jahren kamen weitere Maßnahmen dazu. Über ein Projekt wurden Stege über Zuleitungskanäle errichtet, außerdem entstand eine Vogelbeobachtungswarte samt Beschilderung. Damit wurde ein Spagat versucht, der im Naturschutz oft schwierig ist: Menschen sollen das Gebiet erleben können, ohne jene Arten zu stören, deretwegen es geschützt wurde.

Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt das wachsende Interesse. Die Birdwatching-Tage im Frühjahr, die Sonntagsführungen mit Picknick und das jährliche Ramsarfest sind mittlerweile fixe Bestandteile im Veranstaltungsprogramm rund um das „Aufblühen“ im Südburgenland.

Herausforderungen

Die Artenliste ist lang. Haubentaucher, Wasserralle, Zwergrohrdommel, Rohrschwirl, Kiebitz oder verschiedene Reiherarten finden hier Lebensraum. Auch seltene Pflanzen wie die Wassernuss kommen vor. Für den Naturschutz ist das Gebiet deshalb nicht nur ein schöner Spazierweg mit Blick zur Burg, sondern ein Mosaik aus Lebensräumen, das laufend gepflegt werden muss.

Die Herausforderungen bleiben. Feuchtwiesen verbuschen, Schilfflächen verändern sich, Neophyten breiten sich aus, Nutzungsinteressen müssen abgestimmt werden. Gerade deshalb gilt die Zusammensetzung des Pflegevereins als Stärke: Teichbesitzer, Jägerschaft, Naturschutz und Grundbesitzer sitzen gemeinsam an einem Tisch.

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