Chronik | Burgenland
17.09.2017

Griaß di Gott aus der Kuchl

Der Tiroler Hannes Frischauf kombiniert im Landgasthaus Sittinger "das Beste aus West und Ost".

Hätte Hannes Frischauf einen Schrittzähler am Handgelenk, würde die angezeigte Strecke hoch ausfallen. Als der KURIER die Wirtshausstube betritt, läuft der Chef von einem Tisch zum anderen. "Ich bin sofort da", sagt er und ist im selben Moment auch schon wieder weg. Das Landgasthaus Sittinger ist an diesem Dienstag gut besucht. Das Mittagsgeschäft läuft am frühen Nachmittag noch auf Hochtouren und die Portionen gehen raus wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Mittlerweile hat der Chef ein paar ruhige Minuten gefunden und setzt sich an einen Tisch mitten in der Gaststube. Dass er mit Leidenschaft Koch ist, merkt man sofort, als er von seinem Beruf zu erzählen beginnt. "Wir sind ein richtiger Familienbetrieb. Ich bin gelernter Koch, meine Frau Kellnerin und auch die Kinder helfen mit. Zumindest wenn es die Zeit erlaubt", sagt er.

Tiroler Einschlag

Doch nicht nur die Leidenschaft für die Gastronomie merkt man dem Koch an. Auch seine ursprüngliche Heimat lässt sich durch seinen Akzent nicht verbergen. "Ich bin Tiroler, zwar schon seit 20 Jahren im Burgenland, aber das Tirolerische verliert man nicht", sagt er schmunzelnd.

Ob er die Berge vermisst? "Nein, ich war vor 25 Jahren das letzte Mal Skifahren. Ich bin viel lieber im Burgenland, schätze die Weite des Landes", erzählt Frischauf. Obwohl landschaftlich sehr unterschiedlich, gibt es doch einige Dinge, die seine alte und seine neue Heimat vereint: "Die Tiroler und die Burgenländer haben viel gemeinsam: Die Liebe zum guten Essen und die Gemütlichkeit. Das Genießen steht im Vordergrund", ist Frischauf überzeugt.

Etwas, worauf er auch in seiner neuen Heimat nicht verzichten will, ist die Tiroler Küche. "Als wir im Sommer vergangenen Jahres eröffnet haben, war uns klar, dass wir es anders als alle anderen machen wollen. Die Einheimischen sollen auch etwas anderes auf den Teller bekommen, als nur die Klassiker, die sie eh kennen."

Also haben sich die beiden Wirtsleute entschlossen, die Spezialitäten aus Tirol mit der burgenländischen Küche zu kombinieren. "Herausgekommen ist das Beste aus dem Westen und dem Osten", meint er. So kommen unter anderem Tiroler Schlutzkrapfen, Kaspressknödel oder Gröstl auf den Tisch. Dazu ausgewählte Weine aus dem Seewinkel und aus Südtirol.

Neben der Weite schätzt Hannes Frischauf im Burgenland vor allem das kulinarische Angebot. "Wir wohnen in Wallern, dem größten Gemüsegarten Österreichs. Da wächst alles vor der Haustür", sagt der leidenschaftliche Koch.

"Weinschmecker"

Die Speisekarte wechselt je nach Saison. "Jetzt im Herbst gibt es Wildwochen. Im Sommer bieten wir Ripperlabende. Besonders gut angenommen werden auch die Smoky-Nights – die Grillabende im Garten", erzählt Frischauf.

Darüber hinaus gibt es jeden ersten Freitag im Monat ein sogenanntes Weinschmecker-Menü. Zu fünf Gängen werden die passenden Weine von einem Winzer aus der Region serviert und kommentiert. "Ich bin Diplomsommelier. Daher ist mir die passende Weinbegleitung sehr wichtig", sagt Frischauf. Die Platzanzahl ist begrenzt, daher wird empfohlen rechtzeitig zu reservieren.

Mittlerweile ist das Mittagsgeschäft ruhiger geworden. Hannes Frischauf gönnt sich dennoch keine Verschnaufpause. Die gibt es erst morgen. "Mittwoch und Donnerstag haben wir Ruhetag. Da gehen wir oft golfen. Das ist unser Ausgleich."