Greenpeace: Anzeige und Gegenanzeige im Asbest-Streit?

Nach einer Übung im Steinbruch Pilgersdorf hat Greenpeace Anzeige erstattet. Land und Betreiber widersprechen.
Mehrere dunkle Steine mit einem auffällig hellen Stein in der Mitte, umgeben von trockenen Blättern und Zweigen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat im Zusammenhang mit einer Katastrophenübung im Steinbruch Pilgersdorf (Bezirk Oberpullendorf) Anzeige erstattet. Im Oktober 2025 seien dort Schülerinnen und Schüler vergraben sowie auf Förderbänder gelegt worden, um Bergungen zu trainieren.

Wenige Monate später, im Jänner 2026, wurde der Steinbruch aufgrund einer Asbestbelastung behördlich geschlossen. Greenpeace-Sprecher Stefan Stadler kritisierte, dass die Übung unter diesen Umständen abgehalten worden sei.

Die Anzeige richtet sich an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt und betrifft neben der Betreiberfirma auch die Bezirkshauptmannschaft sowie den zuständigen Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ). Vorgeworfen werden unter anderem Gefährdung der körperlichen Sicherheit und Gemeingefährdung.

Land reagiert scharf

Das Land Burgenland wies die Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurück. Man sehe der Anzeige gelassen entgegen, halte das Vorgehen von Greenpeace jedoch für befremdlich und erwäge eine Anzeige wegen Verleumdung. Zum Zeitpunkt der Übung habe der Steinbruch über alle Genehmigungen verfügt, zudem hätten keine Hinweise auf eine Gefährdung vorgelegen, hieß es in einer Stellungnahme.

Erst einen Monat nach der Übung seien bei Kontrollen geologische Gesteinsproben entnommen worden, bei denen später ein erhöhter Asbestanteil festgestellt wurde. Dabei habe es sich um Materialanalysen tiefer Gesteinsschichten und nicht um Luftgütemessungen gehandelt. Nach Vorliegen der Ergebnisse sei der Steinbruch umgehend geschlossen worden.

Asbestbelastung seit 2011 bekannt?

Auch der Betriebsleiter des Steinbruchs, Frank Eichhorn, sowie die ARGE Naturgestein wiesen die Vorwürfe zurück. Die Übung sei „ordnungsgemäß und klarerweise ohne Gefährdung der Übungsteilnehmer auf behördliche Anordnung abgelaufen“, erklärte Eichhorn. Zudem äußerte er Kritik an den Probenentnahmen und Messungen der Umweltschutzorganisation. Gefährlich sei nicht das im Gestein gebundene Asbest, sondern jenes in der Atemluft.

Greenpeace hält dagegen, dass die Gesundheit von Einsatzkräften und Freiwilligen gefährdet worden sei. An der Übung hätten 447 Personen teilgenommen, darunter Organisationen wie das Rote Kreuz, Feuerwehren aus dem Burgenland und Niederösterreich, der Arbeitersamariterbund sowie die Rettungshundebrigade. Auch 27 Schülerinnen und Schüler aus Niederösterreich seien beteiligt gewesen. Mehrere Teilnehmer hätten sich nach der Schließung des Steinbruchs bei Greenpeace gemeldet.

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Die Organisation vertritt zudem die Ansicht, dass eine mögliche Asbestbelastung bereits seit 2011 bekannt gewesen sein müsse. Dennoch seien Bergungen teilweise direkt am Förderband unter dem Steinbrecher geübt worden. Greenpeace argumentiert außerdem, dass die Kleidung der Einsatzkräfte auf Fotos stark kontaminiert wirke und Asbeststaub weitergetragen worden sein könnte. Atemschutzmasken seien offenbar nicht verwendet worden.

Asbestfasern können laut Greenpeace als Staub leicht eingeatmet werden. Gelangen sie in die Lunge, können sie sich dort festsetzen und Erkrankungen wie Asbestose oder verschiedene Krebsarten verursachen.

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