Greenpeace: Anzeige und Gegenanzeige im Asbest-Streit?
Greenpeace zeigt Verantwortliche nach Übung im Steinbruch Pilgersdorf an. Streit um Asbestbelastung und mögliche Gefährdung.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat nach einer Katastrophenübung im Steinbruch Pilgersdorf (Bezirk Oberpullendorf) Anzeige erstattet. Im Oktober 2025 seien Schülerinnen und Schüler dort vergraben und auf staubige Förderbänder gelegt worden, um Bergungen zu trainieren.
Wenige Monate später, im Jänner 2026, wurde der Steinbruch wegen Asbestbelastung behördlich geschlossen.
Die Anzeige richtet sich an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt und betrifft neben der Betreiberfirma auch die Bezirkshauptmannschaft sowie den zuständigen Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ). Vorgebracht wurden unter anderem Vorwürfe der Gefährdung der körperlichen Sicherheit und Gemeingefährdung.
Land reagiert scharf
Das Land Burgenland wies die Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurück. Man sehe der Anzeige gelassen entgegen, bezeichnete das Vorgehen von Greenpeace jedoch als befremdlich und erwäge selbst eine Anzeige wegen Verleumdung. Zum Zeitpunkt der Übung habe der Steinbruch über alle Genehmigungen verfügt, zudem habe es keine Hinweise auf eine Gefährdung gegeben.
Laut Land seien erst einen Monat nach der Übung im Zuge von Kontrollen geologische Proben entnommen worden, bei denen später ein erhöhter Asbestanteil festgestellt wurde. Dabei habe es sich um Materialanalysen aus tiefen Gesteinsschichten gehandelt, nicht um Luftgütemessungen. Nach Vorliegen der Ergebnisse sei der Betrieb umgehend eingestellt worden.
Asbestbelastung seit 2011 bekannt?
Der Umweltmediziner Hans Peter Hutter, Leiter der Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“, erklärte, der Aufenthalt der Teilnehmer habe nur wenige Stunden gedauert und sei „gesundheitlich vernachlässigbar“. Zudem sei der Betrieb bereits einen Tag vor der Übung ausgesetzt worden, um zusätzliche Staubentwicklung zu vermeiden. Die Schülerinnen und Schüler hätten sich laut Land nicht vergraben, sondern in mit Decken ausgestatteten Holzummantelungen aufgehalten.
Auch der Betriebsleiter des Steinbruchs, Frank Eichhorn, sowie die ARGE Naturgestein wiesen die Vorwürfe zurück. Die Übung sei ordnungsgemäß und ohne Gefährdung der Teilnehmer auf behördliche Anordnung durchgeführt worden. Kritik äußerte Eichhorn auch an den Messmethoden von Greenpeace. Gefährlich sei nicht im Gestein gebundener Asbest, sondern jener in der Atemluft.
Greenpeace: "Entbehrt jeglicher Verantwortung"
Greenpeace hingegen sieht die Gesundheit der Beteiligten gefährdet. Die Übung in einem asbestbelasteten Steinbruch abzuhalten, „entbehrt jeglicher Verantwortung“, erklärte Sprecher Stefan Stadler. Insgesamt nahmen 447 Personen teil, darunter Organisationen wie Rotes Kreuz, Feuerwehren aus dem Burgenland und Niederösterreich, der Arbeitersamariterbund, die Rettungshundebrigade sowie 27 Schülerinnen und Schüler.
Asbest im Burgenland
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Mehrere Teilnehmer hätten sich nach der behördlichen Schließung bei Greenpeace gemeldet. Laut Stadler sei eine Asbestbelastung im Steinbruch spätestens seit 2011 bekannt gewesen. Teile der Übung hätten direkt am Förderband unter dem Steinbrecher stattgefunden. Zudem sei die Kleidung der Einsatzkräfte laut Greenpeace stark kontaminiert gewesen, wodurch Asbeststaub verschleppt worden sein könnte. Atemschutzmasken seien offenbar nicht verwendet worden.
Asbestfasern können laut Greenpeace als Staub leicht eingeatmet werden und sich in der Lunge festsetzen, was schwere Erkrankungen wie Asbestose oder Krebs verursachen kann.
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