Chronik | Burgenland
08.11.2017

Ganslzeit bringt Gästeschar

Der Landesfeiertag lässt bei den Tourismusbetrieben die Kassen klingeln.

Es gibt wohl kaum ein anderes Bundesland, das seinen Landespatron dermaßen ausgiebig zelebriert, wie das Burgenland. Der Heilige Martin versetzt das Land vom Norden bis in den Süden quasi in einen Ausnahmezustand (siehe Zusatzbericht Anm.). Zum Lachen gibt es nur für die Gänse nichts: Denn die Rolle als kulinarischer Lockvogel hat sich längst über die Landesgrenzen hinaus etabliert.

Vor allem die Weidegans aus dem Burgenland hat es den Feinschmeckern weit über die Grenzen des Landes angetan. „Wir haben derzeit 17 Betriebe, die genau 4560 Weidegänse haben“, sagt Christian Reicher, Koordinator der Weidegänse von der Landwirtschaftskammer. Erstmals werden auch alle Casinos Austria mit Weidegänsen beliefert. „Von Bregenz über Velden bis Baden, werden unsere Gänse angeboten“, sagt Reicher. Für die Landwirte sei die Haltung des Federviehs ein lukrativer Verdienst. Doch auf den Speisekarten der Restaurants finden sich laut Landwirtschaftskammer immer noch zu 75 Prozent ausländische Gänse. „Die Versorgungsbilanz ist bei 25 Prozent der Inlandsproduktion“, weiß Reicher. Auch mit dem Tourismus wolle man noch enger zusammenarbeiten. „Wir hatten gute Gespräche, damit man auf den Speisekarten hervorhebt, dass Gänse aus dem Burgenland auf den Tisch kommen“, sagt Reicher. Dazu soll nächstes Jahr ein Gütesiegel ins Leben gerufen werden.

Tourismus

Denn nicht nur der Landwirtschaft, auch dem Tourismus beschert der Heilige Martin Aufwind. „Angebot und Nachfrage sind im Tourismus in den vergangene fünf Jahren stark gestiegen“, sagt Franz Perner, Sprecher der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Burgenland. Von 2015 bis zum Vorjahr habe es rund um Martini ein Plus von 8000 Gästen gegeben. Und auch die Tourismusstatistik werde ordentlich aufgefettet, sagt SPÖ-Tourismussprecher Christian Illedits. Das Genussfestival „Gans Burgenland“, das die Angebote der verschiedenen Regionen für Besucher bündele, beschere den Betrieben einen „goldenen Herbst“.

Ausgebucht

Wer etwa in Illmitz ein freies Zimmer an den Wochenenden rund um Martini sucht, wird enttäuscht. „Wir sind seit rund einem halben Jahr ausgebucht“, erklärt Tourismusobmann Gerhard Haider. Früher wurde es nach der Sommersaison still rund um den Neusieder See, heute erleben die Gemeinden im November einen touristischen Aufwind – der Landesheilige ist schließlich mit allen kulinarischen Wassern gewaschen. Durch Wein und Gänsebraten würden die Besucher rund um Martini pro Person und Tag etwa doppelt so viel ausgeben wie vergleichsweise an einem Sommertag, rechnet Haider vor.

Auch Stefan Schindler, Geschäftsführer der Neusiedler See Tourismus GmbH. spricht von einer 99-prozentigen Auslastung rund um den Landesfeiertag. „Veranstaltungen mit Bezug zu Wein, Kulinarik, Natur, Kultur, Wellness und Brauchtum liegen im Trend“, erklärt Schindler.