Fakten? Meinung? Alles egal ...
Kommentar zur FPÖ, Fakten und Causa Vitnyéd: Kritik an politischem Empörungsmodus.
Man setze sich eine blaue Brille auf die Nase – und schon zählt die eigene Meinung oder jene der Partei mehr als Fakten. Von diesen alternativen Realitäten – algorithmisch verstärkt und gefangen in der eigenen Filterkammer und Echoblase – prallt jedes Argument ab.
So funktioniert Politik im Empörungsmodus, so funktioniert die Politik der FPÖ. Nicht die Frage, was stimmt, steht im Mittelpunkt. Sondern wer es sagt, wem es nützt oder vielmehr: wem es schadet. Nicht Argumente, Fakten oder die Wahrheit bestimmen die Diskussion, sondern der Beißreflex in Richtung des anderen, in Richtung der Andersdenkenden.
In der Causa Vitnyéd wurde genau das sichtbar (siehe kurier.at/burgenland). Als die SPÖ vor einem möglichen Asylzentrum nahe der burgenländischen Grenze warnte, stellte sich die FPÖ Burgenland sofort mit „Fake News“-Vorwürfen hinter ihren Freund Viktor Orbán.
Hinter mir die Sintflut
Orbán ist weg, die Wahrheit liegt auf dem Tisch (die Fidesz-Regierung plante tatsächlich ein Asylzentrum), den Anhängern der Freiheitlichen wird es egal sein. Für den harten Kern der blauen Wählerschaft ist die nachträgliche Faktenlage oft nicht der wichtigste Maßstab. Entscheidend ist das Gefühl, wer „auf unserer Seite“ steht: gegen Migration, gegen die SPÖ, gegen die Linken. Fakten werden nicht geprüft, sondern umgedeutet. Was passt, wird verstärkt. Was stört, wird zur Lüge, zu „Fake News“ erklärt.
Die eigentliche Frage in der Causa lautet nicht, ob die Partei oder ihr Parteichef politisch beschädigt ist oder zurücktreten muss. Sondern ob Fakten in dieser und jeder anderen Debatte überhaupt noch eine Chance haben, wenn sie dem eigenen Lager gerade nicht nützen. Für einen guten Teil der FPÖ-Wählerschaft ist die Faktenlage oft weniger wichtig als das Gefühl, auf der richtigen Seite des Kulturkampfs zu stehen. Nach dem egoistischen Motto: Blaue Brille auf, Augen zu und durch – hinter mir die Sintflut.
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