Frisch gemäht ist ganz verloren
Frisch gemähte Grünflächen sorgen zunehmend für Kritik. Weniger häufiges Mähen kann Lebensräume für Insekten und Wildbienen erhalten.
Es gibt eine einfache Regel für mehr Natur: Nicht alles, was wächst, muss sofort weg. Das gilt für den eigenen Garten ebenso wie für öffentliche Flächen. In den sozialen Medien tauchen in letzter Zeit immer wieder Bilder von frisch gemähten Kreisverkehren auf. Nicht etwa, weil man die Ordnung bewundert. Sondern weil man sich darüber ärgert, dass mit dem Grünschnitt wieder ein Stück Biodiversität verschwunden ist.
Der Ärger darüber ist nachvollziehbar. Was auf den ersten Blick gepflegt aussieht, ist ökologisch ziemlich armselig. Mit jeder Blüte verschwinden Nahrung und Lebensraum für Insekten, Wildbienen, Schmetterlinge und andere Kleintiere. Freilich gibt es auch andere Beispiele, wo öffentliche Flächen für Blumenwiesen oder ähnliches genutzt werden, und mancherorts muss ja auch aus Gründen der Verkehrssicherheit gemäht werden.
Rasenmäher auf Stand-by
Die Initiative „Wildes Eck“ des Landes setzt genau an diesem punkt an. Gemeinden werden unterstützt, Biodiversitätsflächen sichtbar zu machen – und verständlich zu erklären, wieso statt regelmäßig gemähter Grünflächen im Ortsgebiet an manchen Stellen nicht mehr gemäht wird. Natürlich müssen Sichtachsen im Verkehr frei bleiben. Aber nicht jede Böschung, nicht jeder Straßenrand und nicht jede Verkehrsinsel muss aussehen wie ein Golfrasen in Bad Tatzmannsdorf oder Stegersbach. Wo Blumen stehen bleiben, finden Insekten Nahrung. Wo später gemäht wird, bleibt mehr Leben.
Das gilt nicht nur für Gemeinden. Auch im eigenen Garten darf ein Stück Wiese einmal länger wachsen. Für viele mit dem perfekten englischen Rasen mag das ungewohnt aussehen. Für Bienen, Käfer und Schmetterlinge ist es aber ein kleiner Lebensraum. Mehr Biodiversität beginnt nicht immer mit großen Programmen. Manchmal beginnt sie mit einer sehr einfachen Entscheidung: den Rasenmäher stehen zu lassen.
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