Angelo ist Pfarrer mit Leib und Seele: „Bei der Priesterweihe habe ich vor Freude geweint, es war ein wunderschöner Moment. Jetzt mache ich Dienst für Gott und die Menschen. Das ist meine Berufung“  

© /Natascha Marakovits

St. Michael/Tobaj
10/12/2014

Ein Priester erobert die Herzen

Pfarrer Angelo bringt neuen Schwung in seine Pfarren und füllt damit die Kirchenbänke.

von Natascha Marakovits

Pfarrer Clarence Maria Angelo Rajaseelan, genannt Angelo, liebt die Menschen und das merkt man: Wo andernorts immer weniger Katholiken den Sonntagsgottesdienst besuchen, kann sich Pfarrer Angelo über leere Kirchenbänke nicht beklagen. In Scharen strömen die Gläubigen seiner Pfarren St. Michael und Tobaj in die Kirche, um sich den Gottessegen von ihm zu holen. Doch was ist das Geheimnis seines Erfolgs?

"Ich liebe die Menschen", sagt Angelo, der in Sri Lanka geboren wurde und 2001 nach Österreich kam. "Es ist mir wichtig, dass ich viel Kontakt zu den Leuten habe. Gleich am ersten Tag, wenn ich neu in einer Pfarre bin, verkrieche ich mich nicht im Haus, sondern gehe ich hinaus auf die Straße und rede mit den Leuten."

Seit 2011 betreut er die Pfarre St. Michael, mit 1. September übernahm er auch die Nachbarpfarre Tobaj. Sechs Kirchen hat er seither zu betreuen. Stressig möchte man meinen, doch für den Pfarrer kein Problem. "Zu Allerheilige wird es ein bisschen viel. Da werde ich zehn Stunden auf den Beinen sein. Aber das ist zu schaffen, das ist ja nur einmal im Jahr", meint er.

Neben den Messfeiern darf auch für Pfarrer Angelo das gemeinsame Feiern mit der Ortsbevölkerung nicht zu kurz kommen. "Erst kürzlich war ich bis 2.30 Uhr am Oktoberfest in St. Michael. Trotzdem musste ich um 8.30 Uhr die erste Messe lesen. Und ich habe gestaunt: Die Kirche war bummvoll, obwohl viele bis spät in die Nacht beim Fest waren. Das war wunderbar", strahlt Angelo.

Traum erfüllt

"Priester zu sein, ist für mich ein Traum", erklärt Angelo. "Manchmal habe ich Albträume, dass ich kein Pfarrer bin. Dann wache ich auf und denke mir, Gott sein Dank, das war nur ein Traum."

Bereits als Kind hegte er den Wunsch Priester zu werden. "Meine Mutter konnte lange keine Kinder bekommen. Sie hat viel gebetet und sich geschworen, dass, wenn es mit der Schwangerschaft klappt, ihr erster Sohn Priester werden soll." Seine Berufung sei ihm sozusagen schon im Mutterleib mitgegeben worden.

Mit 13 Jahren ging Angelo in seiner Heimat Sri Lanka ins Priesterseminar. Missionar wollte er werden, doch schon bald bekam er eine Prüfung vom Bischof auferlegt: Er sollte weggehen und arbeiten, um zu sehen, ob dies der richtige Weg für ihn sei. Also arbeitete er in einer großen Firma als Manager, als er schließlich die Möglichkeit bekam, als Mönch nach Österreich ins Stift Heiligenkreuz zu kommen. "Es war nicht meine Berufung Mönch zu werden, das spürte ich. Der Bischof wollte es so, also habe ich es angenommen und wurde Mönch."

So kam er 2001 nach Niederösterreich. "Am ersten Tag habe ich gedacht, ich sterbe. Ich konnte kein Wort Deutsch und war umgeben von Mönchen. Ich wollte einfach nur zurück nach Hause." Doch seine Mutter hat ihn überredet zu bleiben und nach einigen Wochen hatte er sich eingelebt.

Nach drei Jahren im Kloster war Angelo wieder im Zweifel, ob ein Leben als Mönch wirklich das Richtige für ihn ist. "Ich habe damals 36 Tage gefastet, damit Gott mir den Weg zeigt. Heute schaffe ich es nicht einmal zwei Tage zu fasten", schmunzelt Angelo. "Aber damals ist mir klar geworden, ich will Priester werden."

Also führte ihn sein Weg an die Uni, zum Theologiestudium, das er 2005 abgeschlossen hat. 2007 wurde Angelo zum Priester geweiht. "Ich habe damals geweint vor Freude", gibt er zu.

Nach Stationen in Illmitz und Lockenhaus wurde er 2011 in die Pfarre St. Michael versetzt, wo er nun bleiben möchte. "Aber ich bin zum Gehorsam verpflichtet. Der Bischof ist mein Chef und Gott spricht durch ihn. Wenn er sagt, ich muss gehen, muss ich das akzeptieren."

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