© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Burgenland
10/30/2020

Ein ÖVP-Mandatar als Zeuge im Bank-Skandal

Johannes Mezgolits ruderte vor Polizei zurück

von Thomas Orovits

Vermutlich hat Johannes Mezgolits gehofft, mit seinem Redebeitrag im Rahmen des Sonderlandtags zur Causa Commerzialbank am 13. August Eingang in die abendlichen TV-Nachrichten zu finden. Stattdessen hatte der ÖVP-Abgeordnete mehr als einen Monat später einen hochnotpeinlichen Auftritt im Landeskriminalamt.

Dort wurde der Donnerskirchner Bürgermeister am 23. September von zwei Beamten als Zeuge vernommen. Das Protokoll unter dem „Betreff: Martin Pucher u.s., Verdacht der Untreue u.a. Delikte nach dem StGB“ liegt dem KURIER vor.

Unter den mittlerweile Tausenden Aktenseiten von Polizei und Korruptionsstaatsanwaltschaft zur Commerzialbank gehören diese vier Seiten sicher nicht zu den wichtigsten, wohl aber zu den wunderlichsten.

Die vernehmenden Polizisten hatten kein Interesse an den historischen Ausführungen des 41-Jährigen, der im Landtag einen weiten Bogen vom Brand Roms in der Antike bis zum Niedergang des Sowjetreichs gespannt hatte, sondern sie wollten Namen, Daten und Fakten zu einer Passage in Mezgolits‘ Rede mit Aktualitätsbezug.

Der türkise Landtagsneuling hatte im August behauptet: „Erst vor ein paar Tagen sagte ein Geschädigter (der Commerzialbank-Pleite, Anm.) aus dem Bezirk Mattersburg zu mir, im Winter haben die Sozis noch bei der Landtagswahl mit den Schneemännern geworben, jetzt, bei 30 Grad, ist nur mehr die Kohle übrig, und ich weiß auch, wer sie sich eingestreift hat“.

Klar, dass die SOKO Commerz brennend daran interessiert ist zu erfahren, wohin Hunderte Millionen Euro aus der Pucher-Bank verschwunden sind. Aber die Vernehmung von Mezgolits war nach einer knappen halben Stunde beendet. Das Ergebnis? Unergiebig. Seine Rede sei „sarkastisch“ gemeint gewesen und habe viele „Wortspielereien und Metaphern“ enthalten, gab Mezgolits zu Protokoll. „Sie haben nie tatsächlich mit einem Geschädigten gesprochen“, bohrten die Polizisten nach. Mezgolits: „Ich habe nie mit jemanden (sic!) gesprochen, der tatsächlich gesagt hätte, er wisse, wo das Geld der Bank ist“.

Muss man im Landtag nicht immer die Wahrheit sagen, fragt der KURIER am Donnerstag bei Mezgolits nach? Er habe nicht geflunkert, sondern die Stimmung aus vielen Gesprächen mit Geschädigten wiedergegeben, entgegnet der ÖVP-Mandatar – und bleibt bei seiner Aussage vom August.

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