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Chronik Burgenland
10/30/2021

Doskozils Plan und rote Rochaden im Burgenland

Bricht Türkis-Grün, sieht Doskozil ein Mondfenster für seine Kanzlerkandidatur, dafür soll im Burgenland alles geregelt sein. Aber an Landtagspräsidentin Verena Dunst könnte auch er scheitern

von Thomas Orovits

Auch wenn noch „nichts spruchreif“ ist, wie alle Roten versichern, mit denen sich der KURIER unterhalten hat – gesprochen, manchmal auch nur geraunt, wird zumindest seit dem Spätsommer über personelle Planspiele auf höchster Ebene der Regierungspartei.

Der archimedische Punkt ist – no na – Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Der Rücktritt von Sebastian Kurz als Kanzler und die tiefen Risse in der türkis-grünen Bundesregierung haben zuletzt Doskozils nie offen ausgesprochene aber tatkräftig betriebene Ambition, die SPÖ als Kanzlerkandidat in die nächste (vorverlegte) Nationalratswahl zu führen, angefacht.

Sollte es so weit kommen, soll das Feld daheim bestellt sein, damit es auch ohne Doskozil nach Art von Doskozil weitergeht. Das Naheliegendste liegt Doskozil fern: Dass nämlich im Fall des Falles LH-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf Landeshauptfrau würde und ein neues Regierungsmitglied hinzukommt.

Der Weg, den Doskozil verfolgt, ist stattdessen voller Hürden und er plant offenbar auch dann Veränderungen, wenn er bleibt was er ist.

Aus den Büros der wichtigsten Protagonisten heißt es zu all dem: „Wir kommentieren keine Spekulationen.“

Ausgangspunkt der Planspiele ist Landtagspräsidentin Verena Dunst (63). Mit der Moschendorferin, die fast 19 Jahre in der Regierung von Doskozils Vorgänger Hans Niessl saß, ist man in der jetzigen Position nicht glücklich. Aber sie wäre die idealtypische Präsidentin des roten Pensionistenverbandes mit rund 30.000 Mitgliedern, ist zu hören. Die über 60-Jährigen sind im Burgenland nicht nur besonders zahlreich, sondern auch ausgesprochen treue SPÖ-Wähler.

Dabei gibt es aber zwei klitzekleine Stolpersteine: Der aktuelle Pensionistenpräsident Helmut Bieler (69) denkt nicht ans Aufhören. Der frühere Tischtennis-Meister musste schon 2017 als Finanzlandesrat w.o. geben, um Doskozil Platz zu machen. Schwer vorstellbar, dass er das noch einmal tut. Auch mit Dunst selbst ist nicht gut Kirschen essen. Niessl wollte vor der Landtagswahl 2015 neue Köpfe in der Regierung – Dunst schied erst 2019 mit Niessl selbst aus und wurde postwendend Landtagspräsidentin, Nummer 2 im Land. Dunst kann sich auch rühmen, dass der über Jahrzehnte schwarze Bezirk Güssing seit 2005 rot eingefärbt und im Landessüden für sie keine Nachfolge in Sicht ist. Sie will auch aus pensionsrechtlichen Gründen nicht vor 2023 gehen.

Auch hinter daraus folgenden Rochaden stehen Fragezeichen: Statt Dunst soll Eisenkopf Landtagspräsidentin werden, in die Regierung nachrücken würde ein Mann, Klubchef Robert Hergovich – wie Eisenkopf aus dem Bezirk Eisenstadt Umgebung, aber mit vielen Gegnern. Bleibt Doskozil Landeshauptmann, wäre das Ringelspiel damit beendet. Wenn nicht, könnte auch Landesgeschäftsführer Roland Fürst Landesrat werden, sonst statt Hergovich Klubchef. Wer als LH-Vize oder Landeshauptmann in Frage käme – die Landesräte Leonhard Schneemann oder Heinrich Dorner –, ist eine Lotterie. Warum Doskozil jemandem seine Gunst erweist oder entzieht, entzieht sich der Nachvollziehbarkeit. Warum das hingenommen wird? „Wer hat die Wahl für die SPÖ gewonnen“, hallt es aus seinem Umfeld zurück.

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